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Spiel nicht mit dem Porno-Sternchen Streit um Ina Groll zerlegt die NPD und „Die Rechte“

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Weder ein Stück vom Peniskuchen noch die ganze Bäckerei: Peter Marx feierte zu viel mit Porno-Darstellerin Ina Groll und gab verschiedene NPD-Ämter auf. (Quelle: picture alliance / dpa)

Die Fotos von einem Peniskuchen und Stripperinnen auf Nazi-Schößen waren für den langjährigen NPD-Strippenzieher und Multifunktionär Peter Marx das Ende der Fahnenstange – am gestrigen Sonntag erklärte Marx, er stelle sein Amt „aus Verantwortungsbewusstsein“ zur Verfügung. Damit kam er wohl einem Abwahlantrag der NPD-Jugendorganisation „JN“ zuvor. Diese wollte Peter Marx wegen diverser Verfehlungen schon länger aus dem Amt haben und konnte sich wohl keine bessere Steilvorlage wünschen als die kürzlich aufgetauchten Fotos von Marx auf der Geburtstagsfeier der NPD-Kreisverbandsvorsitzenden Saar-Pfalz, Janine W..

Die Peniskuchen-Party

Janine W. hatte ihre „Kameraden“ zur Feier ins Saarbrücker Lokal „City-Train“ eingeladen, und sich liebevoll um die Unterhaltung ihrer Gäste gekümmert. Neben dem besagten Kuchen in Penisform, der der Jubilarin feierlich überreicht wurde, gab es Stripperinnen, Lametta, und Wunderkerzen. Ein Ambiente, das Peter Marx, wenn man den Fotos glauben darf, in einen Zustand der seligen Entrücktheit versetzte. Außerdem unter den Gästen: Sascha Wagner, Organisationsleiter des Landesvorstandes der NPD Saarland, der sich momentan vor Gericht wegen des Vorwurfs der Misshandlung seiner Stieftöchter verantworten muss.  Auf der Party ebenfalls anwesend war Ina Groll, ehemals Kitty Blair, obwohl sie eigentlich von der NPD zur „unerwünschten Person“ erklärt worden war. Ob nun Nationalismus auch sexy sein darf, wie Groll in der Kommunalpolitik werben wollte, darüber herrscht innerhalb der NPD ganz offensichtlich Uneinigkeit. Groll wurde ihre Pornofilmvergangenheit auf jeden Fall nicht verziehen, der Volksmob geiferte im Internet über die „bezahlte Rassenschänderin“ – schließlich stand und lag Groll als Blair auch mit schwarzen Darstellern vor der Kamera. Daraufhin zog die Partei aus Angst vor Imageschäden die Reißleine, Groll durfte nicht mehr wie im letzten Winter als sexy Nikoläusin für die NPD in Duisburger Fußgängerzonen Jagd auf Passant_Innen machen. Wie „sauber“ das Image der NPD allerdings überhaupt noch ist, darf sich nach den in schöner Regelmäßigkeit auftauchenden und in aller Öffentlichkeit breitgetretenen Skandalen der Vergangenheit und Gegenwart gefragt werden.

Es ist nicht der erste Sex-Skandal der NPD

Da waren die Gerüchte um sexuelle Übergriffe auf „Nachwuchsfunktionäre“ durch den zurückgetretenen Bundesvorsitzenden Holger Apfel, die SM-Bilder auf dem Rechner eines sächsischen NPD-Landtagsmitglieds inklusive Postkarten mit den Slogans „Nazis bumsen besser“ und „Sex, Gewalt, Abenteuer – NPD”, sowie der Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie gegen ein weiteres NPD-Landtagsmitglieds aus Sachsen. Dazu kommen dann noch die aktuellen Hinweise auf die Nähe mehrerer Drogendealer zur NPD. Kein Wunder also, dass „Kamerad_Innen“ auf Altermedia Deutschland auf die Doppelmoral  der Naziparteien hinweisen: „Ja, ich weiß, sie hat Pornos gedreht. Andere in unseren Reihen sind allerdings Hardcore-Drogenjunkies, Drogendealer, ständig besoffene Dummprolls, die jeden verprügeln wollen usw. Diesen Groll-Mist öffentlich auszutragen, hätte man sich mehr als sparen können“.

Auch „Die Rechte“ streitet über Groll

Parteien deshalb, weil sich der „Pornoskandal“ längst auch auf die Partei „Die Rechte“ ausgeweitet hat. Dort stellte Groll nach der Ausbootung durch die NPD beim Landesverband Rheinland-Pfalz einen Aufnahmeantrag, und sorgte damit indirekt für den weiteren Rücktritt eines Nazi-Funktionärs. Der Landesverbandsvorstand nahm Grolls Antrag an, der Vorsitzende Oliver Kulik erklärte, dass Groll „rechtswirksam bereits Mitglied des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Partei Die Rechte“ sei. Wenig Gegenliebe erfuhr Kulik für diese Ansicht von Parteichef Christian Worch, der, bereits möglichen Aufruhr ahnend, den Bundesparteitag über Ina Grolls Mitgliedsantrag abstimmen lassen wollte. Dass dies gegen die Satzung der Partei verstieß, interessierte Worch nicht. Kulik sah sich in seiner Macht beschnitten und erklärte noch am vergangenen Freitag seinen Rücktritt.

Man sollte meinen, „Die Rechte“ würde sich nach dem peinlichen Versagen bei der Sammlung von Unterschriften für die Europawahl nun zunächst auf sich selbst konzentrieren. Jedoch beschrieb sie am vergangenen Sonntag auf ihrer Internetseite genüsslich den Ablauf des internen Machtkampfes zwischen Peter Marx und den „Jungen Nationalen“, sowie Udo Pastörs Versuche „sein [sic!] Partei mit dem moralischen Image eines Mädchenpensionats zu versehen“. Auf Altermedia finden viele diese „Spalterei der Megaminipartei“ weniger witzig. Peter Marx hat indes nicht nur seinen Posten als NPD-Generalsekretär, sondern auch seine Arbeit im Schweriner Landtag verloren. Nun ist er auf das Saarland als politisches Betätigungsfeld zurückgeworfen.

Peter Marx ist nicht der erste aus der Reihe der langjährigen NPD-Funktionär_Innen, der seinen Hut nehmen muss. Bereits abgewählt und aus der Partei ausgetreten ist – neben dem ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel (Dezember 2013) – Ende März Siegrid Schüssler. Bis dahin leitete sie den „Ring Nationaler Frauen“, stellte aber abschließend fest, dass der RNF „kein Interesse an selbstbewussten, modernen Frauen“ habe.

Die NPD selbst steckt nun noch ein bisschen tiefer in der schon Jahre dauernden Führungskrise. Die Kritik am Führungsstil des aktuellen NPD-Bundesvorsitzenden Udo Pastörs wird lauter, und mit dem Hamburger Landesvorsitzenden Thomas „Steiner“ Wulff steht schon das nächste ranghohe NPD-Politiker auf der Abschussliste. Ob so das Wahljahr 2014 zum Erfolg für die NPD wird, darf bezweifelt werden. Ina Groll macht nun für die Bürgerinitiative „Gegen Einwanderung ins soziale Netz“ in der Südwestpfalz Wahlkampf. Ob es auch hier bereits die ersten Rücktritte gab, ist nicht bekannt.

 

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