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Wenn Rudolf-Heß-Verherrlichung im E-Mail-Posteingang liegt

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Rudolf Heß, der im Kriegsverbrecherprozess von Nürnberg 1945 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, erhängte sich 1987. In dem Aufsatz per E-Mail versandten Aufsatz wird dagegen behauptet, er sei nach ?20 Jahren in folterähnlicher Isolationshaft in Berlin-Spandau? ermordet worden. Dementsprechend war in der Betreffzeile der E-Mails zu lesen: ?Rudolf Heß – Das war Mord!? und ?Mord verjährt nicht!?. Begonnen wurde mit der Versendung am 17. August 2010. An diesem Tag vor 23. Jahren starb Heß in der Haftanstalt. ? Jedes Jahr nutzen Neonazis den Todestag, um auf Großdemonstrationen und andersartigen Kundgebungen Gewalt und Propaganda zu verbreiten. Hierbei verdrehen sie die Geschichte so, dass der Eindruck entsteht, sie seien diejenigen, die verfolgt und ungerecht behandelt werden. So heißt es gleich zu Beginn des Aufsatzes, ?Was hat man von Seiten der Alliierten nicht alles getan, um das Andenken an Rudolf Heß auszulöschen?. Gleichsam wird die menschenverachtende Expansionspolitik der Nationalsozialisten von Olaf Rose, dem Autor des Aufsatzes, als ?Friedensmission? bezeichnet.

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln

Versand wurden die E-Mails im Namen zahlreicher renommierter Tageszeitungen. So wurden unter anderem ?tageszeitung?, ?Rheinische Merkur? und „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ Opfer der E-Mail Aktion. Eine E-Mail unter falschem Adressaten zu versenden, ist denkbar einfach: Man gibt einfach einen falschen Namen ? oder den einer Tageszeitung ? in seinem Email-Programm an. Die dahinterliegende E-Mail-Adresse ändert sich damit natürlich nicht. Leserinnen und Leser von Belltower.news berichteten von verschiedenen AOL-Adressen, von denen die E-Mails versandt wurden. Andere User bekamen Post vom Host Trash-Mail.com.

Viele der Empfänger der Nachricht fragten sich, was sie in einem solchen Fall tun können. Die Möglichkeit, solche E-Mails mit volksverhetzendem Inhalt bei der Polizei anzuzeigen, führt zwar nicht immer zu Ergebnissen, aber zumindest zu Ermittlungen. In diesem Fall liegen sie bei der Polizei Unterfranken. Die versucht derzeit, mit Hilfe von EDV-Spezialisten die Absender zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat das Ermittlungsverfahren gegen die unbekannten Absender eingeleitet, da sie den Strafbestand der Volksverhetzung nach § 130 StGB erfüllt sieht. Über den Ermittlungsstand und technische Details möchte das Polizeipräsidium keine Angaben machen, da befürchtet wird, dass dadurch die Täter über die Presse an zu viele Informationen gelangen könnten. Gegen den Autor des Aufsatzes Olaf Rose, der als Berater der NPD in Sachsen bekannt ist und vor allem als Vortragsredner bei rechtsextremen Veranstaltungen auftritt, wird momentan nicht ermittelt, so Oberstaatsanwalt in Würzburg Burkhard Pöpperl.

Polizeipräsidium ruft E-Mail-Empfänger zur Hilfe auf

Das Polizeipräsidium appelliert an alle E-Mail Empfänger, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten und die E-Mails der Polizei weiter zu leiten. ?Umso mehr Anhaltspunkte es gibt, umso bessere Chancen gibt es dafür, die Täter zu fassen?, so eine Pressesprecherin des Polizeipräsidiums.

Einen journalistisch guten Umgang mit dem Thema pflegte die Mainpost: Sie thematisierte die E-Mails, die angeblich in ihrem Namen versandt worden seien, in einem Artikel. Ebenfalls von den E-Mails betroffen war die Grüne Jugend: Denn auf Sie wurde in der Mail verlinkt. Warum? Hinter dem Link verbarg sich ein journalistisches Bild eines rechtsextremen Heß-Gedenkens. Es wurde allerdings, sobald es den Machern der Seite bekannt wurde, gegen eine ?Nazis, nein danke?-Grafik ausgetauscht.

Diskussion zum Thema auf netz-gegen-nazis.de:

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