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Wie Geflüchtete die „Epoch Times“ gerettet haben – Teil 2

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Screenshot der "Epoch Times"-Startseite

Seit 2015 hat die “Epoch Times” ihre Zugriffszahlen mehr als verdoppelt. Dahinter steckt Methode: Mit wohlwollenden Berichten über Pegida und kritischen über Geflüchtete hat sich die Website die “besorgten Bürger” als Zielgruppe erschlossen. Stimmt dabei immer alles und welches Publikum hat man sich dabei in die Kommentarspalten geholt?

Lügen in der Wahrheitspresse

Mit der Wahrheit nimmt es die Epoch Times, die so große Sympathien für die „Lügenpresse“-Schreier von Pegida hat, allerdings oft nicht ganz genau. Wie man bei „Bildblog“ genauer nachlesen kann, gibt es in der Berichterstattung der Website Ungenauigkeiten, die Nachrichten plötzlich in eine weitaus extremere Richtung drehen. In dem vom „Bildblog“ aufgegriffenen Fall ging es um einen Somalier, der sich laut Pressemeldung des Polizeipräsidiums München in einer Straßenbahn ziemlich daneben benommen hat. Laut der Meldung soll er sich vor den Augen einer 40-ährigen Frau und ihrer beiden Töchter in den Schritt gegriffen und obszöne Bewegungen gemacht haben. Sicherlich keine Meisterleistung. Die „Epoch Times“ machte daraus allerdings die Überschrift „Somalier fasst Frau in Straßenbahn zwischen die Beine – Vor den Augen ihrer Töchter (8, 12) – Attacke auf weitere Frau“. (Hier noch bei Archive.is nachvollziehbar) Auch im Text wird die Falschmeldung nochmals wiederholt: „Ein 27-jähriger Mann aus Somalia griff vor den Augen ihrer Töchter (8, 12) einer Mutter mit der Hand in den Schritt. Dabei kreiste er seine Hüften und deutete obszöne Bewegungen an.“ Das ist so nicht passiert.

Mittlerweile wurde der Artikel offenbar korrigiert. Es findet sich keine Anmerkung auf der Website, dass der Artikel vor der Aktualisierung zumindest Ungenauigkeiten enthalten hatte.  

Im September 2015 behauptete die Website, dass Geflüchtete direkt nach ihrer Einreise nach Österreich, in einem „Erstgespräch“ jeweils ein neues Handy geschenkt bekämen. Die Telekom Austria würde die Geräte zur Verfügung stellen.

 

Mehrere FPÖ-Seiten verbreiten gerade das falsche Gerücht, dass @A1Telekom Smartphones an Flüchtlinge verschenkt pic.twitter.com/3OST8M9smq

— FPÖ Watch (@fpoeticker) 3. September 2015

 

Telekom Austria dementierte die Behauptung sowohl auf Facebook, als auch in einer Mail an die “Epoch Times”. Die wiederum änderte den Titel des Artikels auf „Merkwürdig: Wer verschenkt in Österreich im großen Stil Smartphones an Flüchtlinge?“ und stellt die Behauptungen weiter auf und bezieht sich auf eine „asylkritische“ Verschwörungsseite:

„‚Die in Sicherheit gebrachten Männer werden dann von der Polizei zu den Behörden zu einem Erstgespräch gebracht, bei dem die Polizei nicht anwesend sein darf. In diesem Gespräch bekommt jeder Flüchtlinge ein nagelneues, teures Smartphone geschenkt.‘

‚Das sehr, sehr eigenartige daran ist, dass entgegen der unglaublich peniblen Legitimierung, die jeder normale Bürger zu erbringen hat (natürlich wegen Terrorbekämpfung!) die Flüchtlinge die Smartphones samt Simkarte bekommen. Ohne jede Legitimierung, ohne jedes Ausweispapier, Kontodaten, Wohnort … ja ohne jeden nachweisbaren Namen. Und ohne, dass sie das bezahlen müssen.‘ Quelle: querdenken.tv

Laut querdenken.tv handelt es sich bei den Smartphones und Sim-Karten um Produkte ‚der österreichischen Telekom A1‘.“

Woher diese Informationen kommen, bleibt dabei im Dunklen. Genausowenig gibt es auch nur irgendeinen Beleg für den Wahrheitsgehalt dieser Nachricht. Belltower.News hat den Geschäftsführer der “Epoch Times Deutschland”, Manyan Ng, per Email um eine Stellungnahme zu diesen beiden Falschmeldungen gebeten. Eine Antwort blieb bisher aus.

Unangenehme Gäste

Die “Epoch Times” bietet allerdings eben doch mehr als nur platten Rechtspopulismus. Das Portal berichtet weiterhin kontrovers über China und hat auch komplett unpolitische Ressorts, unter anderem „Genial“  oder „Mystery“. Vielleicht kein Highlight des Online-Journalismus, aber auch keine reine Hetzplattform.

Das hat sich allerdings nicht bis in die Kommentarspalten der Website herumgesprochen. „Wir wollen Respekt und Verständnis unserer Leser für ihre Mitmenschen fördern und setzen auf universelle Werte.“ So steht es im Bereich „Wir über uns“. Ein hehres Ziel, dass spätestens unter den Artikel über den Haufen geworfen wird.  Die vielen Millionen Leser, die über Facebookseiten wie die von Pegida ankommen, bringen ihre Weltanschauung mit und verbreiten sie dann auch gleich ohne Hemmungen. Dazu muss der entsprechende Artikel nicht mal tendenziös sein. Einige Schlüsselbegriffe reichen schon als Hasstrigger aus und bringen die Kommentatoren zur Weißglut.

Am 01. Juni veröffentlicht die Website einen Artikel über einen „Messer-Streit beim Ramadan“. Ein Mann aus Afghanistan hatte in einer Insbrucker Moschee auf einen Somalier eingestochen. Der Mann wurde verletzt, konnte aber in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Artikel selbst bleibt neutral und berichtet kurz und knapp über den Vorfall. Die Kommentatoren haben das allerdings nicht nötig.

User_in „hennenrennen“ schreibt: „Sehr gut, immer weg mit diesem Dreck !!! Wieder ein Schmarozer weniger !!!“  (Rechtschreibung und Zeichensetzung in allen Kommentaren wie im Original)

Screenshot eines Kommentars auf der Seite der „Epoch Times“. Belltower.News hat den Geschäftsführer auf diesen und andere Kommentare hingewiesen. Eine Reaktion blieb aus. Der Kommentar ist weiterhin zu lesen. 

„Cricri“ sagt: „Die können ihre Messerstechereien gerne austragen, das dezimiert dieses Scheißvolk zum Vorteil der ganzen Welt. (…) Alle Moscheen abreißen und schleifen, Gelände für Firmen reservieren, die Schweinefleisch produzieren und vermarkten, jeden Musel aus Europa ausweisen, außer den 0,05 % die nützlich sind. (…) irgendwann wird die Welt den Muselmanismus deswegen zerquetschen.“

„Au Weia“: „Von Ansatz her gut, wenn sie sich gegenseitig umbringen. Die Ausführung lässt nur noch etwas zu wünschen übrig. So ist letztlich nur das Gesundheitssystem (Krankenhausbehandlung, Reha) – sprich wir Beitragszahler – belastet worden.“

Auf unsere Frage bezüglich hetzerischer und menschenverachtender Kommentare und ob eine Moderation im Kommentarsystem der “Epoch Times” stattfindet, gab es von Geschäftsführer Manyan Ng ebenfalls keine Antwort.

Rettung durch Hass

Die “Epoch Times” ist sicherlich ein besonderer Fall im Bereich der „flüchtlingskritischen“ Websites. „Pressefreiheit und Menschenrechte sind die Basis für die Arbeit der Epoch Times. Wir wurden gegründet, um unzensierte Nachrichten aus und über China an die Chinesen weltweit zu liefern –  frei von Propaganda und Medienzensur“ lauten die ersten Sätze bei „Wir über uns“.  Unter der Fahne der Meinungs- und Pressefreiheit haben die Macher der Website einen Markt erkannt: besorgte Bürger, Rassisten und Verschwörungsideologen.

Oberflächlich betrachtet neutralere Texte, die aber ausschließlich über negative Aspekte von Zuwanderung und Flucht berichten  bilden eine Basis. Dazu kommen dann einzelne Artikel, oft von Gastautoren, die Munition über „Umvolkung“, Pegida und die angeblich drohende Islamisierung liefern. Garniert wird das ganze dann noch mit Halbwahrheiten oder schlicht Fake News. Am Ende hat sich die “Epoch Times” so eine treue Leserschaft herangezogen, die sich in den Kommentarspalten austobt und die Artikel immer weiter verbreitet. Für die Website bedeutet das Klicks, hohe Zugriffszahlen und viel Traffic. In anderen Worten: wirtschaftlicher Erfolg und Geld. 

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