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„Ziviler Ungehorsam ist notwendig“

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Frau Ibrügger, die NPD will mit ihrem ?Fest der Völker? nach Altenburg ausweichen. Wie reagiert das Bündnis gegen Rechts?

Nun, wir fangen ja nicht bei Null an. Auch bei uns treffen sich Neo-Nazis schon jetzt viel zu oft. Das Altenburger Bündnis gegen Rechts ist bereits seit einigen Jahren aktiv, daher glaube ich, auch wir werden einen ebenso langen Atem haben aber auch brauchen. Die ersten Reaktionen sind sehr gut, im Bündnis haben sich gleich etwa 60 Personen getroffen und wir haben gemeinsam überlegt, was zu tun ist.

Viel Zeit bleibt ihnen ja nicht mehr, das Fest soll am 13. September stattfinden…

Sicher, die Zeit ist kurz, aber wir haben ein breites und entschlossenes Bündnis. Da sind alle Parteien und Landtagsabgeordneten, die Sportvereine, die Gewerkschaften und Kirchen vertreten. Wir können im Bündnis auf Erfahrungen aus den letzten Jahren zurückgreifen. Und wir haben die Unterstützung aus Jena. Es ist sehr ermutigend, dass mich beispielsweise der Oberbürgermeister aus Jena anruft und sagt, wir haben seine volle Unterstützung, er hilft uns wo er kann. Es hat auch bereits Treffen zwischen beiden Bündnissen gegeben, so dass wir von den Erfahrungen aus Jena profitieren können. Und nicht zuletzt haben Menschen aus Jena angekündigt, auch an dem Tag vor Ort zu sein. Das zeigt uns, es geht nicht nur um die Neo-Nazis vor meiner eigenen Haustür, es geht um Thüringen.

Inwieweit?
Wir haben eine Altenburger Erklärung erarbeitet, die der Erklärung aus Jena sehr ähnlich ist. Wichtig war uns, zu zeigen, dass wir wirklich entschlossen sind, dieses Fest zu verhindern. Das schließt Aktionen des Zivilen Ungehorsams ein. Wir setzen dafür auf eine sehr breite Öffentlichkeit. Um die zu sensibilisieren, müssen wir aufklären. Wenn so ein Fest am Stadtrand stattfindet und den eigentlich freundlichen Titel ?Fest der Völker? trägt, sind die Bürger vielleicht geneigt zu sagen ‚Was geht mich das an?‘.

Was plant das Bündnis konkret?

Zunächst haben wir mit unserer Altenburg Erklärung eine Unterschriftenaktion gestartet. Außerdem wird es eine Kundgebung geben. Wann und wo genau, ist aber noch nicht entschieden. Wie weit Einzelne sich Aktionen im Rahmen des Zivilen Ungehorsams zutrauen, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Aber Jena hat gezeigt, dass Grenzüberschreitungen manchmal notwendig sind.

Wo das ?Fest der Völker? stattfinden wird, ist ja auch noch nicht entschieden. Besonders der angemeldete Platz im Gewerbegebiet Poststraße ist auf heftige Gegenwehr gestoßen. Warum?

Ja, der Platz ist aber ganz vom Tisch. Auf dem Gewerbegebiet Poststraße war bis 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die Häftlinge mussten dort im so genannten Hasag Werk, einem Rüstungsbetrieb, unter Aufsicht der SS Munition herstellen. Das Gelände wäre das letzte, wo so etwas stattfinden kann.

Das Interview führte Haidy Damm.

Hier finden sie die Altenburger Erklärung.

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