Antifeminismus ist in der Neuen Rechten ein weit verbreitetes Thema. Mit dem Blog “radikal feminin” wollen zwei junge Frauen gegen Feminismus und den sogenannten Genderwahn eintreten und die klassischen Rollenbilder von Mann und Frau rehabilitieren.
Screenshot Facebook

Der Antifeminismus der Neuen Rechten: Die Frau als Bedrohung für die inneren Sicherheit

Rechtspopulist_innen und Aktivist_innen der Neuen Rechten schreiben Frauen Eigenschaften zu, die sie zu einer permanenten Bedrohung der inneren Stabilität machen. Die Sehnsucht und die Wiederaneignung einer dominanten Männlichkeit und dem damit einhergehenden Antifeminismus dienen oft als Einstiegsdroge in ein national völkisches Weltbild.

 

Von Kira Ayyadi

 

In einem Video von IB-Anführer Martin Sellner argumentiert eine IB-Aktivistin, selbst Autorin des IB-nahen, antifeministischen Frauenblog “radikal feminin”:  Frauen seien zu emotional, um Politik zu machen. Daher solle man dieses Feld doch besser den Männern überlassen. Die seien ja schließlich grundsätzlich logischer als sie und alle anderen Frauen. Sie ist praktisch die perfekte Kronzeugin für die steile These, die Rechtspopulist_innen, die Neue Rechte und die Alt Right bis heute eint: Das weibliche Geschlecht sei schwach, dass männliche stark und überlegen. In der Wirtschaft und in der Politik seien ja fast nur Männer tätig und erfolgreich, weil diese eben nicht so enorm von ihren Emotionen gesteuert würden wie Frauen. Deshalb würden sich Frauen nicht als Politikerinnen eignen und vielleicht nicht einmal als Wählerinnen, schließlich würden Frauen durch die Bilder der Flüchtlingskinder in den Medien manipuliert. Und deswegen, so schlussfolgert IB-Kopf Sellner, würden Frauen in der Regel eher linke Parteien wählen, die für weitere Grenzöffnungen sein. Und dass, so Sellners Schluss, obwohl das doch letztendlich dazu führe, dass Frauen vergewaltigt würden und sich verschleiern müssten. Danke, möchte man da als Frau zu Martin sagen, dass er einem dass so schlüssig erklärt hat.

 

Sellner: „Welche Rolle spielt die europäische Frau im großen Austausch?“

Rechtspopulist_innen und Aktivist_innen der Neuen Rechten schreiben Frauen Eigenschaften zu, die Frauen zu einer Bedrohung für die innere Sicherheit machen. Schuld an dem ganzen vermeintlichen Übel sei also der Feminismus – zumindest in diesem Punkt ist man sich innerhalb der verschiedenen rechten Strömungen einig. Von der Vorstellung eines angeblich um sich greifenden Feminismus, der den Mann klein halte, ist es kein weiter Schritt zur Vorstellung, dass die verweichte Männlichkeit zu einer Schwächung des Nationalstaats führe. Der norwegische Attentäter Anders Breivik argumentierte in seinem Manifest genauso.

 

Antifeminismus als Brutstätte für rechtsnationale Weltanschauungen

Antifeminismus kann daher auch als Einstiegsdroge in ein national völkisches Weltbild gewertet werden. Als anschauliches Beispiel kann hier der Berliner Leiter der „Identitären Bewegung“ in Berlin dienen, Robert Timm. Bevor er sich der rechtsextremen IB anschloss, war Timm ein großer Fan der so genannten Pic-Up-Szene. Männer, die das Gefühl haben, sie kämen bei Frauen nicht an, kommen innerhalb dieser Szene zusammen, um sich gegenseitig über ihre Erfahrungen auszutauschen. In Seminaren „lernen“ sie, wie sie Frauen ins Bett kriegen. Viele sind dabei nicht nur von Frauen, sondern auch von der Gesellschaft an sich enttäuscht. Eine gefährliche Mischung, besonders wenn der Hass auf Frauen mit der Ablehnung gegen vermeintlich Fremde kombiniert wird.

 

Neurechte Geschlechternarrationen

Während eines Diskussionsabends der Amadeu Antonio Stiftung zum Thema „Sexismus und Antifeminismus als Demokratiegefährdung“ am 11. Januar 2018 in Berlin wurde darüber diskutiert, wie Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus funktionieren kann. Zunächst erläutere Regina Frey, Leiterin der Geschäftsstelle zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, welche neurechten Geschlechternarrationen erzählt werden.

 

„Die Zerstörung der Familie“ und „Deutsche zuerst“

Die traditionelle, heterosexuelle (Klein-)Familie sei laut AfD & Co. die einzig wahre - anderen Konstellationen und Lebensentwürfen wird jegliche Berechtigung abgesprochen. In diesem Kosmos gibt es für Frauen sehr festgelegte Rollen, Themen und Engagement-Felder, vor allem rund um Familien- und Antifeminismus-Themen und gegen Gender und Geschlechtergerechtigkeit. Erstaunlich ist, dass Frauen, die sich in diesem, oft auch christlich inspirierten, Weltbild wiederfinden, eine erstaunliche Karriere machen können, wie beispielsweise Beatrix von Storch (AfD-Politikerin), Birgit Kelle (Journalistin und Autorin) und Ellen Kositza (neurechte Autorin und Ideengeberin).

 

Frauen als Antifeministinnen

Besonders gefährlich sind hier Vertreter_innen, die sich als „besorgte Eltern“ ausgeben. Getarnt als „besorgte Mutter“ tingelt beispielsweise Birgit Kelle von Talk-Show zu Talk-Show und darf ihre Theorien und den von ihr geprägten Begriff „Gender-Gaga“ vor einem Millionen-Publikum präsentieren - mit Erfolg. Leider übernehmen etablierte Medien oft unreflektiert solch antifeministische Begriffe wie eben „Gender Gaga“, „Genderwahn“ oder „Gender-Mainstream“. Das Misstrauen gegenüber der Gleichberechtigung der Geschlechter ist noch so verbreitet, dass Erzählungen fruchten, mit der Anerkennung der Gleichwertigkeit solle eine “Auflösung” der Geschlechter betrieben werden.

 

Quelle: Screenshot vom 12.01.2018 "Die Welt": Wie der Genderwahn deutsche Studenten tyrannisiert vom 19.11.2014 

 

Auch Antifeminismus verfolgt eine Genderideologie

Regina Frey wies darauf hin, dass jeglicher Antifeminismus eine eigene Genderideologie verfolgt, im Kampf gegen den Feminismus diese jedoch verschleiert ist. So bezieht sich beispielsweise die Forderung „Deutsche zuerst“ darauf, dass deutsche Frauen, statt Karriere machen zu wollen, sich doch lieber auf das Kinderkriegen konzentrieren sollen, um so den „Bevölkerungsaustausch“ aufzuhalten.

 

Getroffene Hunde bellen

Die massive Aufrüstung von rechter Seite gegen den Feminismus kann als schleichender Untergang des Patriarchats gewertet werden. Denn Männer, die sich vom angeblich grassierenden Feminismus klein gehalten fühlen, folgern, dass die Verweichlichung des westlichen Mannes zur Schwächung nationaler Souveränität führe. Diese bei vielen als reale Angst wahrgenommene Bedrohung spiegelt sich in der Aggressivität des derzeitigen Antifeminismus wieder. Anne Wizorek sieht in der Stärke des Backlashes, also der antifeministischen Agitation, einen Erfolgsindikator und bezeichnet diesen Backlash als Darth Vader in der feministischen Rebellion.  

 
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