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Die “Identitäre Bewegung” will die Rettung Geflüchteter auf See stoppen – durch Spenden

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Die "Identitäre Bewegung" will Seenotretter auf dem Mittelmeer an ihrer humanitären Arbeit hindern (Quelle: picture alliance)

 

Bisher fiel die “Identitäre Bewegung” (IB) in Deutschland vor allem mit rassistischen Provokationen auf, die jedoch nicht unmittelbar zum physischen Schaden anderer führte. Doch die neueste Aktion ist von einer ganz anderen Qualität:

 

Für ihr Ziel, eine „Festung Europa“ zu errichten, sammelt die IB Spenden, um so die Seenotrettung auf dem Mittelmeer zu verhindern. Bereits Mitte Mai hatten französische Aktivist_innen ein Boot gemietet und damit ein Schiff der Hilfsorganisation „SOS Mediterranee“ am Auslaufen im Hafen der sizilianischen Stadt Catania gehindert. Seither fordert die IB dazu auf, für „Defend Europe“ zu spenden, um so eine Schiffsflotte zu finanzieren.

 

Spendenziel der “Identitäre Bewegung” bereits erreicht

In einem Video von Martin Sellner, Star der deutschsprachigen „Identitären Bewegung“, vom 5. Juni 2017, bedankt dieser sich für die eingegangenen Spenden in Höhe von 63.000 Euro, angepeilt waren lediglich 50.000 Euro.

 

„Dank dieser Summe können wir als erste und einzige Gruppe im gesamten patriotischen Europa in See stechen, um das Unrecht dort zu beenden wo es anfängt.“

Scheinbar sind Sellner und Co. gar nicht mehr in der Lage das eigentliche Übel zu sehen. Die Argumentation, dass das Unrecht laut IB dort bekämpft wird wo es anfängt, verkennt, dass  die Überfahrt über das Mittelmeer keine Fluchtursache ist, diese liegen ganz woanders, beispielsweise bei Dürrekatastrophen, Kriegen und Armut.

 

Wegen ihrer hanebüchenen Wahnvorstellung eines großen Austausches der europäischen Bevölkerung durch muslimische Migrant_innen, sehen sich diese neurechten Verschwörungstheoretiker_innen dazu berufen, in italienischen Häfen die Abfahrt von NGO-Schiffen zu verhindern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Geflüchtete aus dem Mittelmeer zu retten.

 

Die Neurechten bezeichnen die Seenotretter als “Schlepper”

„Defend Europe“ fordert ein Ende der NGO-Missionen auf dem Mittelmeer, eine Unterstützung der libyschen Küstenwache und Sammelzentren an der nordafrikanischen Grenze. Um diesen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, wollen die IB-Aktivist_innen eine Dringlichkeit schaffen. Und um dies zu erreichen, sind sie dazu bereit, Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen.  

 

Das Verdrehen der Tatsachen

Das perfide: All die Aktivist_innen, die auf dem Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken retten, werden von den Neurechten kriminalisiert indem sie diese als „Schlepper“ bezeichnen. Um eine Rechtfertigung für ihre Aktion zu haben, sprechen die Rechtsextremen den Organisationen ab, dass sie im humanitären Einsatz seien und geben ihnen die Schuld für die toten Geflüchteten.

 

Mit ihrer Aktion will die IB vordergründig das Massensterben im Mittelmeer aufhalten. Die vermeintlichen Erklärungsansätze entbehren jedoch jeglicher Logik: Sie meinen das Leben der Geflüchteten retten zu können, indem sie die Route noch gefährlicher gestalten.

 

Dass sie jedoch zahlreiche Menschenleben mit ihrer Aktion einer direkten Gefahr aussetzen, darüber findet sich kein Sterbenswörtchen.

 

Die Seenotretter retten Leben im Mittelmeer

Laut Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn des Jahres, bis zum 7. Juni 2017 bereits 1.650 Menschen im  Mittelmeer gestorben. Dank der Arbeit zahlreicher Hilfsorganisationen und etlicher freiwilliger Retter ist die Zahl nicht noch höher. Vergangenes Jahr starben bis zu diesem Zeitpunkt über 2.000 Menschen.

 

Bis Ende Mai dieses Jahres gelangten knapp 70.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. Etwa 60.000 von ihnen kamen über die gefährliche und lange Route über das zentrale Mittelmeer nach Italien. Im selben Vergleichszeitraum 2016 begaben sich insgesamt 200.000 Menschen auf den Seeweg, doch nur 40.000 von ihnen über das zentrale Mittelmeer, die meisten Menschen flüchteten über das östliche Mittelmeer nach Griechenland. Insgesamt sind es also weniger Menschen, die aber eine gefährlichere Route einschlagen mussten. Prozentual gerechnet sind dieses Jahr deswegen mehr Menschen im Mittelmeer gestorben, als 2016.

 

Obwohl in diesem Jahr trotz sinkender Geflüchteten-Zahlen 20.000 Menschen mehr die Route über das zentrale Mittelmeer eingeschlagen haben, ist die absolute Todesrate im Vergleichszeitraum zu 2016 mit 1.400 zu 1.800 niedriger. Dies ist zu großen Teilen ein Verdienst der humanitären Seenotretter.

 

Gegenkampagne sammelte binnen weniger Stunden 80.000 Euro Spenden für Seenotrettung

Nachdem „The Guardian“ am Sonntag über „Defend Europe“ berichtet hatte, startete die britische Journalistin Caroline Criado-Perez kurzerhand eine Gegenaktion. Binnen zwei Tagen sind bereits über 80.000 Euro für „Unite Against Terror“ zusammen gekommen.   

Das gespendete Geld geht an „Ärzte ohne Grenzen“ und deren Such- und Rettungstrupps für in Not geratene Flüchtlinge.

 

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