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Die Neue Rechte und das Neuheidentum

Friedrich Paul Heller

 

Die intellektuelle Neue Rechte wollen als politisch-kulturelle Avantgarden jeden Anschein des Sektierertums vermeiden. Da sie sich auf vorchristliche oder nichtchristliche europäische Traditionen beziehen, gehört das Neuheidentum zu ihren Begründungsfiguren, und sie praktizieren die entsprechenden Kulte mit Hingabe. Das Thule-Seminar verkündet eine ?europäische Wiedergeburt?, die es ohne den Rückgriff auf vorchristliche Mythen nicht begründen kann. Nach einem Aufschwung in den achtziger und frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist das Thule-Seminar politisch bedeutungslos geworden.

Die Europäischen Synergien und das Deutsche Synergon (gegründet 1995, Hamburg) sind nüchterner als das Thule-Seminar, zu dem sie eine Alternative sein wollen. Aber auch diese Organisation lässt sich einen gemäßigten Götterkult nicht nehmen.

Entscheidend an den unpolitischen und den politischen neuheidnischen Gruppen ist nicht die Anzahl ihrer Mitglieder, sondern ihre Stichwortgeberfunktion. Sie haben in die Musikszene und in die Esoterik hineingewirkt. Ihre Schriften hatten oder haben kleine Auflagen und sind meist vergriffen, aber im Internet schwirren Bruchstücke von Gedanken und Texten umher und tragen zur ?Sprache des Hasses? bei. Wenn Skinheads sich Odin-Embleme in die Haut tätowieren lassen, dann haben sie diese Stich-wörter aufgenommen und in ihre Subkultur integriert.

Dieser Auszug des Essays „Mythologie und Okkultismus bei den deutschen Rechtsextremen“ ist aus dem Buch Handbuch Rechtsradikalismus, Thomas Grumke und Bernd Wagner (Hrsg.), Leske + Budrich, 2002

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