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Die Thor-Steinar-Welt der Zufälle Teil II

Wie kommen die rechtsextremen Symbole auf die Klamotten – hat das alles nur eine modische Komponente und ist absolut unpolitischer Zufall?

 

Der Modemarke Thor Steinar wird immer wieder vorgeworfen, ein Designerlabel „von Nazis für Nazis“ zu sein. Die Motive würden mit ihrer Runensymbolik und durch die Glorifizierung der Wehrmacht einen rechtsextremen Lifestyle fördern und völkische Ideologien salonfähig machen. Der Verfassungsschutz Brandenburg bezeichnet Thor Steinar sogar als „Szene-Kleidung von Rechtsextremisten“.

Die Mediatex GmbH, die für Thor Steinar auftritt, betont jedoch immer den völlig unpolitischen Charakter ihrer Kleidungsmarke.

Hat sich die Neonazi-Szene also Thor Steinar rein zufällig als eine ihrer Lieblingsmarken ausgesucht? Werden absolut harmlose Begriffe und Symbole auf Thor Steinar-Shirts von böswilligen Menschen einfach fehlinterpretiert? Ist alles wirklich NUR Zufall?

Zufall Nummer 4: Tarnfarbenmuster

Ein Hauch von Wehrmacht ©Thor Steinar

Tarnfarbenmuster sind bei Jugendlichen angesagt. Ob Hip Hop, Punk oder sportlicher Style – viele Modemarken benutzen das Militärdesign. Vor allem das derzeitige Tarnfarbenmuster der US-Army ist beliebt, aber auch die Tarnung von anderen Streitkräften.

Thor Steinar hat ebenfalls einige Kleidungsstücke mit Tarnfarben im Programm. Aber bei näherer Betrachtung sieht das Tarnmuster der Thor Steinar-Klamotten irgendwie anders aus. Weder bei der US-amerikanischen Armee noch bei der Bundeswehr findet man ähnliche Muster. Eine kurze Nachfrage beim Deutschen Historischen Museum bringt die Antwort: „Es handelt sich eindeutig um den Wunsch das Splittertarnmuster der Wehrmacht nachzuempfinden, nur die Größenverhältnisse stimmen nicht ganz“, bestätigt uns Museums-Historiker Dr. Sven Lütken.

Das original Splittertarnmuster der deutschen Wehrmacht ©Wikipedia

Zufall Nummer 5: Motiv ?Ultima Thule?

Ende der Welt oder Bezug zur rechtsextremen Szene? ©Thor Steinar

Wieder ein flotter Begriff aus der nordischen Mythologie. Thule gilt als nördlichster Punkt Grönlands und als „Rand der Welt“. Andererseits gilt Thule als beliebter Begriff der Neonazi-Szene.

Schon 1918 gründete sich in München die faschistische „Thule-Gesellschaft“, die sich mit der „arischen Rassentheorie“ befasste und in Ihrem Wappen schon damals das Hakenkreuz benutzte. Thule-Mitglied Alfred Rosenberg war später Mitbegründer der NSDAP. Auch eine konspiratives Neonazi-Internet-Netzwerk aus den 90er Jahren gab sich den Namen „ThuleNetz“. Und dann gibt es da noch die bekannte Rockband „Ultima Thule“ aus Schweden. Sie gilt in der rechtsextremen Skinheadszene als eine der beliebtesten skandinavischen Gruppen. Eine CD-Produktion der Band wurde von einer rechtsextremen Organisation bezahlt und von dem extrem rechten Politiker Bert Karlsson produziert.

In der Neonazi-Szene Kult – die schwedische Band „Ultima Thule“ ©apabiz

Zufall Nummer 6: Motiv ?No Inquisition?

Ein neonazistisch geprägtes Logo bei einer unpolitischen Modemarke? ©Thor Steinar

Der Kapuzenpullover „No Inquisition“ von Thor Steinar zeigt einen Adler, der einen Fisch, der als Symbol für das Christentum gilt, aus dem Wasser greift. Offensichtlich um ihn zu verspeisen. Ein T-Shirt gegen Christen? Na gut, Thor Steinar benutzt bekanntlich viele Motive aus der nordischen Mythologie und da die Wikinger Christen nicht ausstehen konnten macht das natürlich Sinn.

Aber ist so ein bekanntes Symbol nicht eventuell schon markenrechtlich geschützt?

Ein Anruf beim Deutschen Marken- und Patenamt führt zu einem interessanten Ergebnis: Tatsächlich hat sich die Rechte an dem Motiv die neonazistische „Artgemeinschaft“ bereits im Januar 2003 durch den Nazi-Anwalt Jürgen Rieger als Bildmarke Nummer 30238105-8 sichern lassen. Rieger, der gleichzeitig Chef der Hamburger NPD ist, gilt als wichtiger Drahtzieher der rechtsextremen Szene und fungiert seit Jahren als Anmelder der Rudolf-Hess-Gedenkaufmärsche in Wunsiedel.

Jetzt könnte man meinen, dass ein knall-harter Neonazi wie Rieger die ?völlig unpolitische? Modemarke Thor Steinar sofort verklagen würde, wenn diese widerrechtlich sein Motiv für kommerzielle Zwecke missbraucht. Über eine Klage der „Artgemeinschaft“ gegen die Mediatex GmbH ist aber bis heute nichts bekannt.

Bestechende Ähnlichkeit: Das von Neonazi Jürgen Rieger geschützt Logo ©Deutsche Marken- und Patentamt

Sehen Sie hier Folge 1, Zufall 1 bis 3

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