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Druckschriften- und Zeitungsverlag (DSZ-Verlag)

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Programmschwerpunkte:
In der Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH (DSZ-Verlag) erscheint die auflagenstärkste Publikation des rechtsradikalen Spektrums in der Bundesrepublik, die National-Zeitung. Die Zeitung fungiert als Organ der Deutschen Volksunion (DVU).
Der DSZ-Verlags GmbH ist die Freiheitliche Buch- und Zeitschriftenverlags GmbH angegliedert, die über ein reichhaltiges Angebot an verschiedensten Produkten verfügt, das sich offensichtlich an Käufer mit rechtsradikalen Einstellungen wendet.

Historischer Überblick:
1958 gründete der von Hause aus wohlhabende Gerhard Frey die Deutsche Soldaten-Zeitungs-Verlags GmbH, die 1968 in Druckschriften und Zeitschriftenverlags GmbH umbenannt wurde. Er übernahm mit der Gesellschaft 50% der Anteile an der Deutschen Soldaten-Zeitung, die u.a. von ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS gegründet wurde. Gerhard Frey arbeitete in den 50er Jahren an der Deutschen Soldaten-Zeitung mit. 1960 kaufte er schließlich die restlichen Anteile vom bisherigen Herausgeber, dem Schild-Verlag, und änderte den Namen der Zeitung in Deutsche Soldaten-Zeitung und National-Zeitung. Ab 1963 erschien sie unter dem Namen Deutsche National-Zeitung (DNZ). Auch erschien sie nun nicht mehr nur monatlich, sondern wöchentlich, und der Inhalt des Blattes wurde umfangreicher. Mit der Übernahme der Zeitung stieg ihre Auflage von 27.500 im Jahre 1958 auf 60.000 Exemplare 1962. Die Deutsche National-Zeitung sollte sich nach Freys Vorstellung als Wochenzeitung für das gesamte rechte Spektrum etablieren.
1963 erwarb Frey die Vertriebenen-Zeitungen Schlesische Rundschau und Der Sudetendeutsche, deren Inhalte in die DNZ eingegliedert wurden. In den 60er Jahren konnte Frey seinen Anzeigenteil durch Werbeanzeigen bekannter Firmen ausbauen, was sicherlich zu einem seriöseren Erscheinungsbild und zur fortschreitenden Etablierung des Blattes beitrug. Die Auflage konnte bis Mitte der 60er auf ca. 100.000 Exemplare gesteigert werden.
1969 sollte das Erscheinen der Zeitung aufgrund antisemitischer Berichterstattung eingestellt werden. Der damalige Bundesinnenminister Ernst Benda stellte beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag nach Artikel 18 GG, um das weitere Erscheinen zu unterbinden und Frey das „Grundrecht auf freie Meinungsäußerung“ zu entziehen. Der Antrag wurde 1974 vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.
1971 gründete Frey neben der DVU den Deutschen Anzeiger (DA), der als ihr Organ fungierte. 1986 kaufte Frey die Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) auf, die sich hauptsächlich revisionistischer Themen annahm. Ursprünglich wurde die DWZ von ehemaligen NPD-Funktionären herausgegeben (u.a. Adolf von Thadden). Die Inhalte der National-Zeitung und der DWZ glichen sich sehr schnell an und waren oft fast deckungsgleich. 1991 integrierte Frey den Deutschen Anzeiger in die DWZ, die von da ab Deutsche Wochen-Zeitung ? Deutscher Anzeiger hieß. Die inhaltliche Übereinstimmung blieb nach wie vor erhalten. Ab der Ausgabe 36 vom 3. September 1999 folgte der inhaltlichen Gleichsetzung auch der formelle Zusammenschluß. Seitdem existiert eine wöchentlich erscheinende Zeitung mit dem Namen National-Zeitung ? Deutsche Wochen-Zeitung (NZ). Mittlerweile ist die Auflage auf 45.000 Exemplare wöchentlich zurückgegangen.
Die ehemaligen Publikationen der DSZ-Verlags GmbH zeichneten sich durch reißerisch aufgemachte Artikel aus, die an den Stil von Boulevard-Zeitungen erinnern. Die heutige NZ führt diesen Stil fort. Die Inhalte besitzen deutlich rechtsradikale Charakterzüge.

Bedeutung:
Die Bedeutung des DSZ-Verlags liegt in der ungeheuren Kontinuität der Herausgabe der National-Zeitung ? Deutschen Wochen-Zeitung. Die NZ ist immer noch die auflagenstärkste Publikation im rechtsradikalen Lager. Sie kann aufgrund der Person Freys und seiner Funktionen im Verlag und der Partei praktisch als Presseorgan der DVU bezeichnet werden. Die revisionistische, antisemitische, nationalistische und zuweilen rassistische Agitation der NZ besitzt mit ihrer hohen Auflage allerdings eine große Wirkung über das Personenspektrum der DVU hinaus. Ebenso erreicht der angegliederte Buch- und Versandhandel der FZ-Verlags GmbH mit seinem Angebot große Teile der rechtsradikalen Szene.
Der DSZ-Verlag versorgt Teile des rechtsradikalen Spektrums in der Bundesrepublik mit einer Zeitung, die eine ideologisierende Wirkung besitzt, und diversen Artikeln, mit denen sich neonazistische Kreise bis zu rechtskonservativ ausgerichtete Personen ausstatten können.
Der finanzielle Aspekt für Frey und seine Familie ist hierbei sicherlich nicht zu vernachlässigen. Der erhebliche Profit den Frey mit seinem Verlagsimperium erzielt, half ihm in der Ve¬rgangenheit, den Motor seiner eigenen Partei, der DVU, am Laufen zu halten. Freys Geschäfte werden von Teilen der rechtsextremen Szene, so u.a. Teilen der NPD, sehr kritisch gesehen.

Dieser Text ist aus dem Buch Handbuch Rechtsradikalismus, Thomas Grumke und Bernd Wagner (Hrsg.), Leske + Budrich, 2002

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