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Kölsche Mitte Kölner Wutbürger auf dem Weg nach ganz rechts

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Wenig Botschaften auf den Versammlungen, aber aggressiver Auftritt: Die "Kölsche Mitte" steht rechts.

Bläck Fööss distanzieren sich sehr deutlich von den Rechten

Danach wachte die Kölner Zivilgesellschaft endgültig auf:  Am 26.11. veröffentlichten die in Köln äußerst beliebte, traditionsreiche Band Bläck Fööss eine sehr deutliche Erklärung zu den Kölner Rechten. Diese hatten immer wieder ihre Lieder wie den „Stammbaum“ und „En unserem Veedel“ abgespielt. Dieser Song war Ende der 70er Jahre als Protest gegen städtebauliche Fehlentwicklungen in Köln entstanden. Zusammenhalt, Respekt vor der Vielfalt, dies war immer die Grundhaltung der Bläck Fööss. Dementsprechend heißt es im Veedel-Song: „Denn he hält m’r zosamme / ejal, wat och passeet / en unsrem Veedel.“ Die Bläck Fööss distanzierten sich „in aller Form“ von der „Kölschen Mitte“. Man habe keine Genehmigung für das Abspielen ihrer Lieder bei ihnen angefragt, diese hätten sie auch nicht erteilt. Leider sähen sie keine rechtliche Möglichkeit, dagegen vorzugehen.

Aufgeschreckt durch weitere gewaltsame Auftritte dieser Gruppierung (vgl. Störungsmelder)  haben sich nun auch eher bürgerliche Gruppierungen wie die Musikerinitiative Arsch Huh und Köln stellt sich quer den Protesten gegen die Wutbürger angeschlossen.

Am 17.11. versammelten sich 450 Rechtsradikale und Wutbürger u.a. der „Patrioten NRW“  in Düsseldorf, vorgeblich um gegen den – inzwischen beschlossenen – Migrationspakt zu protestieren. Darunter war auch eine Gruppierung der von Dennis M. angeführten „Kölschen Mitte“. Es kam zu durch Videos belegte massiven Auseinandersetzungen und Versuchen, Journalisten und Gegendemonstranten anzugreifen, an denen auch Mitglieder der „Kölschen Mitte“ beteiligt waren. Medial stark aufgegriffen wurde eine von „Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ)“ in einem Film dokumentierte Szene, bei dem ein Gegenstand, nach Angaben von DSSQ höchstwahrscheinlich ein Messer, in Richtung der Polizei und Gegendemonstranten geworfen wurde (vgl. terz)

Die NRZ titelte am 26.11.: „Messer-Attacke auf Gegendemonstranten bei rechten-Demo?“ DSSQ benannte eine konkrete Person der „Kölschen Mitte“ als mutmaßlichen Täter.

Am 9.12. ging es weiter. Diesmal meldeten die Begleitschützer der „Kölschen Mitte“ keine Standkundgebung, sondern einen Demonstrationszug von der Rückseite des Hauptbahnhofes hin zum Ebertplatz an. Sie vermochten nur 50 Wutbürger zu mobilisieren. Auffallend war, dass diesmal erstmals keine jungen Frauen dabei waren, offenkundig war man auf eine Auseinandersetzung aus. Die meisten Kölschen Wutbürger trugen gelbe Westen, 200 Gegendemonstranten dominierten akustisch die Atmosphäre. Ein Sprecher der Gegenkundgebung von Köln gegen Rechts machte per Megafon auf die Anwesenheit des durch einen Fernsehfilm über das Schicksal der Juden bundesweit bekannt gewordenen rechten Kölner Dauerdemonstranten Samy M. aufmerksam. In dieser Fernsehdoku wurde ein „Hitlergruß“ des bei zahlreichen extrem rechten Demonstrationen bundesweit Präsenten in Berlin (3.3.2018) dokumentiert; weitere große Medien haben das Foto veröffentlicht. Nach nachdrücklicher Aufforderung des Sprechers von KgR nahm die Polizei dessen Personalien auf und erstattete Anzeige. Ein weiterer Rechter wurde von der Kundgebung ausgeschlossen, weil er mit Quartzsand gefüllte Handschuhe dabei hatte.

Aufsehen erregte die Festnahme des durch RTL2 bekannt gewordenen „Kölschen Jung“ Achim v. M., dessen kölsch-proletarischen Videoauftritte teils mehrere 10.000 mal aufgerufen werden. Er wurde für Angriffe gegen Gegendemonstranten verantwortlich gemacht (vgl. Kölner Stadtanzeiger).

Kein Glühwein für Nazis auf dem Ebertplatz

Kurz vor dem Ebertplatz löste Dennis M. – der auf seinem Facebookprofil nun sogar einen zu Gewalt ermutigenden Werbefilm der Hooligantruppe „Cologne Streetfighters“ gepostet hat- formal die Kundgebung auf und ging mit einer größeren Gruppe zum Ebertplatz. Dieser war im Oktober 2017 nach einem Mord im Drogenmilieu bundesweit in die Schlagzeilen gekommen, was Rechtsradikale mehrfach zu instrumentalisieren versuchten. Anfang November 2017 hatten sich 60 Hooligans der selbsternannten Kölner Bürgerwehr unter Anleitung besagten Achim V. M.s dort versammelt. Es kam zu Verfolgungsjagden gegen People of Colour und ortsansässige Künstler, auch der Hitlergruß war gezeigt worden (vgl. BNR).  Die Situation auf dem Ebertplatz hat sich zwischenzeitlich grundlegend verbessert: Der Brunnen wurde nach zwei Jahrzehnten wieder in Gang gesetzt; seit zwei Wochen findet eine Eislauffläche gerade bei Familien mit Kleinkindern großen Anklang. Das Symbol jedoch ist geblieben. Der Betreiber des  Glühweinstandes weigerte sich gemäß der Kölschen Tradition „Kein Kölsch für Nazis“, den sehr Rechten Glühwein auszuschenken. Es kam zu massiven Beleidigungen und Schubsereien. Die zahlreich vorhandene Polizei schritt ein und erteilte der „Kölschen Mitte“ ein Platzverbot. Der Kundgebungsleiter Dennis M. beschimpfte die Polizei in filmisch dokumentierten Szenen daraufhin in derber Weise. Inzwischen hat Dennis M. bundesweite Berühmtheit erlangt: Die Bild-Zeitung titelte nach deren Kundgebung „Rechter Demo-Leiter geht auf Polizisten los“. M. sei als Versammlungsleiter „ausgetickt“ und sei „körperlich wie verbal auf Polizisten“ losgegangen.

Zwei Tage nach der Kundgebung kamen mehrere Bürgerwehr-Vertreter erneut zum Glühweinstand auf dem Ebertplatz. Die Polizei wurde gerufen und teilte mit, dass das Platzverbot weiterhin bestehe.

Der Radikalisierungsprozess der „Kölschen Mitte“, aber auch ihre gesellschaftliche Marginalisierung haben zugenommen. Ob sie weiterhin regelmäßig Kundgebungen durchführen werden, erscheint als ungewiss. Diese Einschätzung teilt auch Klaus Lober (Köln gegen Rechts): „Wir beobachten bei der Gruppierung einen zunehmenden Radikalisierungsprozess und Einfluss gewaltorientierter Hooligans und offener Neonazis. Offene Naziparolen und Angriffe bzw Drohungen gegen Gegendemonstranten sind dafür ein deutliches Zeichen. Das „Rheinische antifaschistische Bündnis gegen Antisemitismus“ (RABA) weist zudem auf antisemitische verschwörungstheoretische Reden auf Kundgebungen wie offen antisemitische Facebookprofile im Umfeld der Gruppe hin.“ Der Migrationspakt wird als satanisch-jüdische Verschwörung, als Plan der Illuminaten dargestellt“ so Daniel Müller für das Bündnis.

 

Dieser Text erschien zuerst bei Blick nach Rechts. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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