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Latussek, Paul

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1990 zog der rechtskonservative Latussek für die DSU in die letzte DDR-Volkskammer ein. Dort trat er für die schnelle Einigung der beiden deutschen Staaten ein. Seine größte politische Aktivität entfaltete Latussek beim Bund der Vertriebenen (BdV), dem von Kritikern oft vorgeworfen wird, sich zu wenig mit extrem rechtem oder geschichtsrevisionistischem Gedankengut seiner Mitglieder auseinanderzusetzen. Seit 1990 war er Landeschef des BdV Thüringen und gehörte von 1992 bis 2001 dem Bundes-Präsidium an, zeitweise sogar als Vizepräsident.

Im Jahr 1998/1999 war er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bund freier Bürger (BfB). Die Partei „Bund freier Bürger – Offensive für Deutschland“ gilt als eine rechtspopulistische Splitterpartei. Sie existierte sechs Jahre. Auf sich aufmerksam machte der BFB unter anderem durch Demonstrationen gegen das Holcaust-Mahnmal in Berlin.

Als Publizist war Latussek unter anderem in rechtskonservativen oder rechtsextremen Zeitschriften wie Nation und Europa, Deutsche Wochenzeitung und Junge Freiheit tätig. Auch gab es immer wieder Berührungspunkte zwischen Latussek und der NPD. Beispielsweise wurde er im Mai 2004 als Referent bei einem Kongress des NPD-Verlags Deutsche Stimme angekündigt.

Latusseks Karriere im Vertriebenenverband endete nach wachsendem öffentlichen Druck auf den BdV. Im Jahr 2000 hatte er im Thüringer Landtag ein Flugblatt mit dem Titel „Was jeder Deutsche wissen sollte“ verteilt. Darauf wurde eine „willkürliche Verschiebung der deutschen Ostgrenze“ und ein „Gebietsverlust des Deutschen Reiches“ beklagt. Die meisten Abgeordneten sahen in dem Schriftstück „deutschtümelnden und geschichtsverfälschenden“ Inhalt. Danach wurde Latussek als Redner beim „Tag der Heimat“ des BdV am 7. November 2001 wieder ausgeladen. Nur zwei Tage später, am 9. November 2001, dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 sorgte er für einen weiteren Skandal. Latussek sprach im Zusammenhang mit der Opferzahl im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Lügen und verharmloste die Tötung von Juden in Auschwitz. In der Folge verlor er seine Ämter im BdV und verließ den Vertriebenenrat beim Bundesinnenministerium. Eine Dozentenstelle an der TU Dresden wurden gekündigt.

Nach einem Prozess durch mehrere Instanzen wurde Latusseks Verurteilung wegen Volksverhetzung (Verharmlosung der Ermordung der Juden in Auschwitz) im Januar 2006 vom Bundesgerichtshof endgültig bestätigt.

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