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Leipziger Fußball Bei Lok nur rechts außen? – Teil 3

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Werbevideo eines "Imperium Fight Team"-Kämpfers (Quelle: Screenshot Youtube)

 

Teil 1: Leipziger Fußball: Bei Lok nur rechts außen?Teil 2: Leipziger Fußball: Bei Lok nur rechts außen?

 

Neue, bunte Leipziger Fangruppen wie die „Fankurve 1966“ schafften es, sich innerhalb der Fanschaft zu etablieren und konnten sich bei Lok frei entfalten. Das ist ein Zeichen, dass  die „Schreckensherrschaft“ der Nazis in der Fankurve allmählich ein Ende hat. Doch ganz ist das Problem auch damit nicht behoben. Teilweise haben sich nur die Label geändert.

Bereits seit 2010 bestand ein Anfangs loser Zusammenschluss der „Blue Caps“, „Leipziger Jungs“ und der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften „Scenario Lok“ unter dem Namen „Fanszene Lok“. Seit der Auflösung von „Scenario“ 2014 entstand neben der „Fanszene“ noch das Projekt „Eastside Rowdys“, beide Projekte dienten als Auffangbecken für die ehemaligen Scenario sowie Blue Caps Mitglieder. Um die gemeinsamen Projekte tummelt sich ein Spektrum von unpolitischen und rechtsoffenen Fußballfans bis hin zu Neonazis. Zudem weisen einige Mitglieder auch eine Nähe zu den Leipziger „Hells Angels“ auf. (vgl. Robert Claus)

Rechtsextreme Hooligans: Professionalisierung der Gewalt im Kampfsport

Neue Fangruppen, alte Probleme und neue Betätigungsfelder

Von Vereinsseite wurde 2013 ein Fanbeirat ohne Beteiligung von „Scenario“-Mitgliedern gegründet und man gab sich zusätzlich ein Vereinsleitbild, in dem Gewalt und Diskriminierung abgelehnt werden. Der neu gewählte Vorstand arbeitete deutlich intensiver mit dem sozialpädagogischen Fanprojekt zusammen. Neue, antidiskriminierende Fangruppen wie die „Fankurve 1966“ schafften es zudem, sich innerhalb der Fanschaft zu etablieren und gleichzeitig andere Wege aufzuzeigen. „Jegliche Formen von Diskriminierung und sonstigem menschenverachtendem Gedankengut haben in unseren Reihen definitiv keinen Platz“, schreibt die Gruppe auf ihrer Internetseite. Ein wichtiges Zeichen der eigenen Anhänger_innen im Kampf gegen die Nazis im Stadion. Das diese sich zumeist immer noch mit dem 1. FC Lok identifizieren, zeigen beispielsweise verunglimpfende Aufkleber in der Stadt mit Aufschriften wie „ACAJ – All Chemiker Are Jews“ und „Juden Chemie“.

Die „Fankurve 1966“ versucht gegen das Image der eigenen Fans zu kämpfen. Screenshot „Fankurve 1966“

Sieg oder Spielabbruch

Die Skandale blieben vorübergehend aus und der Verein sah sich in seiner Strategie bestätigt. Doch dieser Zustand währte nicht allzu lang. 2015 kam es nach einem Platzsturm und Angriffen auf die eigenen Spieler und anwesenden Polizist_innen beim Auswärtsspiel in Erfurt zu einem Spielabbruch. Unter den Randalierern waren auch wieder einige „Scenario Lok“-Mitglieder, die teilweise trotz Stadionverbot den Weg fanden.

Tweet des 1. Fc Lokomotive Leipzig nach dem Spielabbruch in Erfurt. Quelle Screenshot Twitter.

 

Der Schaden für den Verein war groß und zwang die Verantwortlichen ein weiteres Mal zum Handeln. Der damalige Team-Manager Rene Gruschka sagte nach dem Spiel, dass sich Ex-„Scenario“-Mitglieder wahrscheinlich mit anderen gewaltbereiten „Lok“-Anhänger_innen – teils aus der Free-Fight-Szene – sowie befreundeten Hooligans aus Halle zusammengetan hätten und einzig auf Konfrontation aus gewesen seien. (vgl. 11Freunde)

Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die rechte Hooliganszene abseits des Fußballs weiterentwickelt hat. Die Hooligans haben sich andere Betätigungsfelder suchen müssen, da sie mehr und mehr aus den Stadien verdrängt wurden. Fündig wurden die Straßenkämpfer beim Free Fight, einer Kampfsportart, bei der so ziemlich alles erlaubt ist, was einen Gegner umhaut. Egal ob in Dortmund, Leipzig oder anderswo. Das Vorbild ist in den meisten Fällen Russland, wo diese Art des Gruppenkampfs als „offizielle Sportart“ gilt.

In Leipzig bestehen diese Strukturen schon länger. Anfangs schlossen sich Hooligans und „Erlebnisorientierte“ zum „Boxclub Lokomotive“ zusammen. Heutzutage besser bekannt als „Imperium Fight Team“. Einer der  Trainer ist Benjamin Brinsa, der jahrelang ein führendes Mitglied der „Scenario Lok“ war.

 

Das „Imperium Fight Team“ in Leipzig

Benjamin Brinsa, ehemaliges Scenario Mitglied, MMA-Kämpfer und jetzt Trainer des „Imperium Fight Teams“ in Leipzig, gilt als äußerst gut vernetzt in der rechten Szene und wurde dafür teilweise von Wettkämpfen aufgrund seiner Vergangenheit ausgeladen. Seit einigen Jahren findet in Leipzig jährlich das  Kampfsportevent „Imperium Fighting Championship“ statt – Ausrichter ist das „Imperium Fight Team“ von Brinsa, der auch Mitorganisator dieses Events ist

Die Kampfsportevents des „Imperium Fight Teams“ sind die größten ihrer Art in Deutschland. Unterstützung gibt es natürlich auch aus der Fanszene Lok, die mit einem Spruchband während eines Spiels für das Event mobilisierten: „Support your local MMA Team“.

 

Mehr Informationen:

Teil 1: Leipziger Fußball: Bei Lok nur rechts außen?Teil 2: Leipziger Fußball: Bei Lok nur rechts außen?Rechtsextreme Hooligans: Professionalisierung der Gewalt im Kampfsport

Runter von der Matte – Kein Handshake mit Nazis: https://runtervondermatte.noblogs.org/

 

 

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Seit den 80er Jahren sind gewaltbereite, rechtsextreme Hooligans für Fußballvereine ein Problem. Immer wieder kam es in Stadien oder am Rande von Fußballspielen zu Gewaltausbrüchen. Heute begeistert sich diese Szene zunehmend für Mixed Martial Arts und Kampfsport-Events die sie zum Vernetzen und zur Verbreitung ihrer menschenfeindlichen Ideologie nutzen. Ein Interview mit Szenekenner und Autor Robert Claus über vegane Kampfsport-Nazis, die Professionalisierung der Gewalt und die internationale Vernetzung.

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