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Nach der Cola-Krise 2018 Wo können Wutbürger*innen eigentlich noch einkaufen?

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(Quelle: Pixabay / Evelynlo)

Die AfD widmet sich aktuell wieder den wichtigen Themen, die das Land bewegen. Digitalisierung, Mieten, Pflege? Nicht ganz. Nicht mal der Dauerbrenner Migration sorgt für Empörung rechtsaußen. Es ist offenbar Cola, die die Welt bewegt. Im Rahmen einer satirischen Adventskalenderaktion tauchte ein Foto eines vermeintlichen Coca-Cola-Werbeplakats mit der Aufschrift „Für eine besinnliche Zeit: Sag nein zur AfD“ auf. Coca-Cola sagte dazu wenig, allerdings meldete sich Patrick Kammerer, Kommunikationsdirektor des Konzerns via Twitter zu Wort und ließ wissen: „Nicht jeder Fake muss falsch sein“. Spätestens jetzt setzt Schnappatmung unter Rechtspopulist*innen ein. Die ersten Aufrufe zum Boykott werden laut.

Das funktioniert allerdings nur mäßig. Der AfD-Ortsverband Dahme Spreewald postet ein blaues Plakat mit einem Weihnachtsmann, der Aufschrift „Für eine besinnliche Zeit: Sag ja zur AfD“ und dem Pepsi-Logo. Daraufhin kündigt nicht nur Pepsi rechtliche Schritte an, sondern offenbar auch der Urheber des Weihnachtsmann-Fotos, ein Kostümversand. Ein Direktkandidat der sächsischen AfD lädt ein Video hoch, in denen er Coca Cola, die er offenbar vorher extra gekauft hat, wütend ausschüttet. Am nächsten Tag legt er nach, denn: „Unglaublich aber wahr. Wie erst heute bekannt wurde, ist Fanta eine Erfindung der Coca Cola Company!“ Ähnlich gut informiert sind auch andere Parteifreunde. Malte Kaufmann, Sprecher der AfD Heidelberg postet stolz ein Bild, auf dem er Fritz Cola trinkt. Offenbar ohne zu wissen, dass sich das Unternehmen seit Jahren gegen Rechtsextremismus positioniert. Fritz Cola reagiert prompt. Kaufmanns Facebook-Post ist mittlerweile verschwunden.

Björn Höcke greift lieber zur thüringischen Vita Cola. Offenbar ohne zu wissen, dass das Unternehmen auch immer wieder mit schwulen Paaren wirbt. Auch Vita Cola distanziert sich prompt. Und so geht es weiter. Der Limonadenhersteller Sinalco zeigt schon vorsorglich Haltung.

Sinalco ist ein deutsches Familienunternehmen aus Duisburg, das für Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt steht….

Gepostet von Sinalco am Mittwoch, 7. März 2018

Auch die kleine Firma Neunspringe, ebenfalls aus Thüringen, beteiligt sich:

Generell gilt natürlich weiterhin: Jeder blamiert sich so gut er kann. Eine Maxime, die der AfD-Kreisverband Saalekreis verinnerlicht hat und sich mit diesem – mittlerweile von der Facebook-Seite verschwundenen – Beitrag zu Wort meldet.

Die AfD und ihr Antisemitismus Wie kommt die AfD auch nur auf den Klops, dass man sie bei Wörtern wie „Volkskörper“…

Gepostet von Gegen die Alternative für Deutschland am Donnerstag, 13. Dezember 2018

 

Aber Rechtspopulist*innen hören nicht bei Cola auf. Schon seit längerem gibt es immer wieder Boykottaufrufe. Und langsam müssten wir uns eigentlich sorgen, dass  die Ernährungssituation der Wutbürger*innen langsam kritisch wird. Schon im April hat „Hass hilft“ eine Liste zusammengestellt, die wütenden Bürger*innen beim Boykott helfen soll.

Dazu gehören:

Kaufland, wegen eines Ramadankalenders.

Lindt, weil Erika Steinbach dachte, die Warenbezeichung „Jahresendfigur“ eines Supermarktes sei von Lindt selbst und damit ein Zeichen für die Islamisierung.

Karstadt, weil Erika Steinbach und diverse andere AfD-Sympathisant*innen dachten, dass der in goldenen Folie verpackte Hase von Lindt, der seit den 1950er Jahren Traditionshase und nicht Osterhase heißt, ein Zeichen für die Islamisierung ist.

Katjes, weil die Firma mit einem Model mit Hijab wirbt.

Edeka und Netto, weil die Supermarktketten Halal-Fleisch verkaufen und weil Edeka eine Kampagne für Toleranz gestartet hat.

Lidl, weil der Discounter das Kreuz einer griechisch-orthodoxen Kirche von einer Mousaka-Packung wegretouschiert hat und außerdem Frauen mit Kopftuch dort einkaufen. Erika Steinbach witterte Unterwerfung.  

Penny, weil der Supermarkt eine Schokoladenfigur namens Zipfelmann verkauft – UND IHN DANN AUCH NOCH SCHWUL GEMACHT HAT!!!!

Rewe, weil die Kette mit Schokolinsen für Toleranz und ein friedliches Miteinander wirbt.

Real, weil die Kette Halal-Produkte verkauft.

Maggi, weil die Würze der Firma ein Halal-Siegel trägt.

Der Striezelmarkt in Dresden, weil er nicht Weihnachtsmarkt heißt. Allerdings bereits seit 583 Jahren.

Der Lichtermarkt Elmshorn, weil er nicht Weihnachtsmarkt heißt und mit einem schwarzen Kind wirbt.

Subway, weil die Kette in Singapur eine Halal-Zertifikat bekommen hat.

Milka, wegen des Schmunzelhasens, der nicht Osterhase heißt.

Das ist natürlich noch längst nicht alles, was auf der Boykott-Liste steht, die Krankenkasse DAK wird zum Beispiel boykottiert, weil sie mit einer weißen Frau und einem schwarzen Mann wirbt, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, weil sie sich in die Mannschaft umbenannt hat und einige Spieler nicht deutsch genug aussehen, Hellweg, weil sie eine Pflanze namens Liebesstern verkaufen, von der Wutbürger*innen verlangen, sie müsste eigentlich Weihnachtsstern heißen. Eine Liste, die man noch weiter fortführen könnte.

Es zeigt sich also: Einkaufen ist für Rechtspopulist*innen und Rechtsextremist*innen zum Problem geworden und es zeichnet sich ab: Es wird nicht einfacher. Die Satireaktion des „AfDentskalenders“ zieht weiter Kreise. Auch McDonald’s hat sich nach einem manipulierten Bild positioniert.

Gut zu wissen immerhin: Kartoffeln kann man notfalls auch im Blumenkasten anpflanzen. Vielleicht die letzte Möglichkeit dem Hungertod zu entgehen.

 
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