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Neonaziaufmarsch in Dresden Mobilisierungserfolg der Geschichtsrevisionisten

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Angeführt von einer internationalen Delegation von Neonazis aus Frankreich, Griechenland, Italien, Russland, Schweden, Tschechien und der Ukraine zog die Demonstration durch die Dresdner Innenstadt. Auch Udo Voigt (NPD) war mit dabei (Quelle: Tim Mönch)

Angeführt von einer internationalen Delegation von Neonazis aus Frankreich, Griechenland, Italien, Russland, Schweden, Tschechien und der Ukraine zog die Demonstration durch die Dresdner Innenstadt. Hinzu kamen bekannte Neonazis aus Kameradschaften und NPD, angereist aus der gesamten Republik.

Dazu aufgerufen hatte das neonazistische Bündnis „Dresden Gedenken“ um den Dresdner Maik Müller (JN), das die jährlichen Demonstrationen um den 13. Februar seit Jahren organisiert. Zusätzlich beworben wurde die Veranstaltungen durch Videos in den sozialen Medien, die durch bekannte Aktivist*innen der extremen Rechten wie den selbsternannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling oder die neonazistische Gruppe „Balaclava Graphics“ aus Bautzen erstellt und verbreitet wurden. Dementsprechend konnten dieses Jahr auch überraschend viele junge Demonstrationsteilnehmer*innen mobilisiert werden und die Veranstalter*innen konnten die Teilnehmerzahl im Vergleich zu den letzten Jahren fast verdoppeln. Ziel von Müller und seinem neonazistischen Bündnis dürfte es sein die Teilnehmerzahl im nächsten Jahr zum 75. Jahrestag der Bombardierung weiter zu steigern, um so an frühere Mobilisierungserfolge anzuknüpfen. Damals war Dresden fest im Terminkalender der bundesweiten und europäischen Neonaziszene eingeplant. Mit bis zu 6.500 Teilnehmern gehörten die geschichtsrevisionistischen Aufmärsche zu den größten Neonazidemonstrationen in Europa, bis Antifaschist*innen die Demonstration mit Massenblockaden verhinderten.

Auch in diesem Jahr verbreiteten die Maik Müller und die Redner der internationalen Delegation ihren Geschichtsrevisionismus. Statt der offiziellen Zahl von 25.000 Toten sprach man von mindestens 200.000 Toten, die dem „angloamerikanischen Bombenterror“ zum Opfer gefallen waren. Ziel der Allierten sei es gewesen, möglichst viele zivile Opfer zu erreichen. Dass Dresden wichtiger Knotenpunkt für das Militär im zweiten Weltkrieg war, wird dabei gerne verschwiegen.

Städtisches Gedenken mit rechten Teilnehmern

Bereits am Mittwoch (13.02.), dem Jahrestag der Bombardierung, hatte es verschiedene Gedenkveranstaltungen gegeben. Auf dem Heidefriedhof mischten sich dabei auch Teile der extremen Rechten unter die Teilnehmer*innen des städtischen Gedenkens. Die NPD nahm mit einer Gruppe um Landeschef Jens Baur und Spitzenkandidat Peter Schreiber teil, die „Junge Alternative“, die am Vorabend noch einen Vortrag über die „Tieffliegerangriffe auf Dresden“ organisiert hatte, brachte ebenso einen eigenen Gedenkkranz mit. Die AfD hatte bereits vor Beginn der offiziellen Veranstaltung ihr eigenes Gedenken inszeniert und ein selbstgedrehtes Video davon in den sozialen Medien verbreitet. In der Innenstadt legte die Partei dann einen weiteren Kranz ab, dessen Aufschrift den Aussagen der Neonazis zum Verwechseln ähnlich war: „Den zivilen Opfern des Alliierten Bombenterrors in stillem Gedenken. AfD Bundestagsfraktion.“ Am Mittwochabend protestierten mehrere hundert Personen gegen die rechte Vereinnahmung durch AfD und die extrem rechte Gruppierung „Wellenlänge Heidenau“ in der Innenstadt.

Polizei geht hart gegen Gegenprotest und Presse vor

Auch am Freitag waren erneut mehrere hundert Personen auf der Straße, um den rechten Spuk nicht unwidersprochen zu lassen. Immer wieder versuchten Menschen mit Sitzblockaden den Aufmarsch zu verhindern, doch die Polizei ging äußerst rabiat vor und räumte die Blockierer*innen. Dabei gingen die Einsatzkräfte allerdings auch mehrfach gewaltsam gegen Pressevertreter*innen vor, die versuchten den Aufmarsch der Neonazis und den Gegenprotest zu dokumentieren.

Zahlreiche Verstöße gegen die Versammlungsauflagen durch Neonazis wie Vermummung, das Tragen von Schlagschutzhandschuhen oder Stahlkappenstiefeln, blieben unterdessen ungestraft. Auch mehrere Neonazis, die mit vermeintlichen Presseausweisen ausgestattet und mit Schals im Gesicht versuchten Gegenprotest und Pressevertreter zu fotografieren, ließ die Polizei trotz mehrfacher Hinweise gewähren. Nachdem „Hutbürgerskandal“ im vergangenen Jahr hatte die sächsische Polizei eigentlich Verbesserung in der Pressefreiheit versprochen, davon war am vergangenen Freitag in Dresden nicht viel zu sehen.

Bilder vom 13. Februar:

13.02.2019 Rechte Beteiligung an Bombardierungsgedenken

Bilder vom 15. Februar:

15.02.2019 Neonaziaufmarsch zur Bombardierung in Dresden

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