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Neuer Bericht der Anti-Defamamation League (ADL) und von Expo (Schweden) Das „Nordic Resistance Movement“ verbreitet Antisemitismus in Skandinavien

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Infostand des Nordic Resistance Movements im Juli 2017 in Visby, Gotland (Quelle: Wikipedia / Newsoersund / CC by 2.0)

Ein neuer Bericht der ADL (Anti-Defamation League) in Kooperation mit der Expo-Stiftung bezeichnet Schwedens „Nordic Resistance Movment“ (dt. Nordische Widerstandsbewegung) als die gefährlichste rechtsextreme Gruppe in Skandinavien und stellt fest, dass die virulente antisemitische Hassgruppe eine „anhaltende und ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ darstellt – und Hass sogar in andere europäische Länder exportiert.

Das „Nordic Resistance Movement (NRM)“ ist eine rechtsextreme Organisation, die in Schweden eine Revolution durchführen möchte, um die Demokratie zu stürzen und durch eine Nazi-Diktatur zu ersetzen, die alle skandinavischen Länder umfassen soll. Ortsgruppen gibt es außer in Schweden in Norwegen, Dänemark, Finnland (hier ist NRM verboten) und Island. Darüber hinaus steht das „Nordic Resistance Movement“ in Kontakt mit amerikanischen „White Supremecist“-Gruppen, also Anhänger:innen der Idee einer „Vorherrschaft der weißen Rasse“.

In der rechtsextremen Gruppe spielt Antisemitismus immer wieder eine entscheidende Rolle. So wurde während des letztjährigen Pessach-Festes eine schwedische Synagoge mit blutigen Babypuppen verwüstet hat. Das spielt an auf die jahrhundertealte antisemitische Verschwörungserzählung der Ritualmordlegende, die besagt, dass Juden:Jüdinnen nicht-jüdische Kinder töten und ihr Blut zur Herstellung von Matze verwenden würden. Als Folge dieses Angriffs werden die jüdischen Gemeinden in ganz Skandinavien in diesem Jahr vor dem Pessachfest erhöhte Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Der Bericht stellt fest: Das „Nordic Resistance Movement“ macht seit 25 Jahren den Antisemitismus zum Kernstück seiner Propaganda und seines Aktivismus, was ihm eine anhaltende Anziehungskraft im rechtsextremen Milieu verleiht. Das „Nordic Resistance Movement“ bringe seinen Anhänger:inne  die antisemitische Ideologie als  „Schlüsseltheorie“ nahe, die alles erklären und jeden anderen Strang des rechtsextremen Denkens einbeziehen kann.

„Was am Nordic Resistance Movement so alarmierend ist, ist ihre Besessenheit von Gewalt und ihre antisemitischen Grundüberzeugungen“, sagte Sharon Nazarian, ADL Senior Vice President für internationale Angelegenheiten .„Ihr Name bezieht sich auf ihre Überzeugung, dass sie einen Widerstandskrieg gegen die Juden führen, und sie haben Hunderte von Kampftrainings abgehalten, um sich auf das vorzubereiten, was sie als Umsturz der europäischen Demokratien bezeichnen.“

„Das Nordic Resistance Movement unterscheidet sich von anderen schwedischen Rechtsextremen“, sagte Daniel Poohl, Geschäftsführer der Expo-Stiftung. „Sie sind gewalttätiger, ehrgeiziger und besser organisiert als jede andere Gruppe. Sie arbeiten aktiv daran, die Demokratie auf lokaler Ebene zu stören, indem sie jeden einschüchtern und angreifen, den sie für ein Ziel halten – Juden:Jüdinnen und andere Minderheiten ebenso wie Aktivist:innen, Lokalpolitiker:innen und Journalist:innen. Seit einem Vierteljahrhundert versuchen sie erfolgreich, ihren Aktionsradius über die Grenzen Schwedens hinaus auszudehnen, indem sie Zweigstellen in Nachbarländern gründen und Allianzen mit Rechtsextremisten auf der ganzen Welt schmieden.“ Poohl ergänzt:„Rechtsextremismus war schon immer eine grenzüberschreitende Bedrohung, heute mehr denn je“, sagte Poohl. „Die länderübergreifende Zusammenarbeit zur Bekämpfung dieser Bedrohung ist von entscheidender Bedeutung.“

Insgesamt zeigt der Bericht, wie das „Nordic Resistance Movement“  eine zunehmende Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft in skandinavischen Ländern und insbesondere in Schweden darstellt.

Einige der wichtigsten Erkenntnisse sind:

  • Das „Nordic Resistance Movement“ hat den Antisemitismus zum Kernstück ihrer Propaganda und ihres Aktivismus gemacht. Es ist davon auszugehen, dass die Gruppe sowohl ihre eigenen Mitglieder als auch den weiteren Kreis der Konsument:innen rechtsextremer Propaganda weiter radikalisieren wird, wodurch das Risiko von terroristischen Anschlägen steigt.
  • Das „Nordic Resistance Movement“ ist nach wie vor gefährlich und einflussreich und inspiriert weiße Rassist:innen im Ausland. Vertreter:innen pflegen Verbindungen zu weißen Rassistengruppen in Russland, Deutschland und Südafrika. Mit einem Bestehen von 25 Jahren hat sie ihr Durchhaltevermögen erwiesen. Der amerikanische Neonazi Matthew Heimbach von der „Traditionalist Workers Party“ sagt etwa, er habe die „Unite the Right“-Kundgebung 2017 in Charlottesville, Virginia, nach dem Vorbild des NRM organisiert.

Das „Nordic Resistance Movement“ organisierte allein im Jahr 2020 185 Veranstaltungen für lokale Gruppen. Dabei übten sie ihre Gewalt und erprobten  paramilitärische Taktiken, um bei Krawallen oder dem Aufeinandertreffen mit der Staatsgewalt, gewappnet zu sein. Die Gruppe war 2020 für 1.232 Propagandaverteilungen in allen 290 schwedischen Gemeinden verantwortlich.

In dem Vierteljahrhundert ihres Bestehens hat das „Nordic Resistance Movement“ eine länderübergreifende, hierarchische Organisation mit paramilitärischen und sektenähnlichen Elementen aufgebaut, die stark auf Gewalt setzt. Die Gruppe hat eine lange und blutige Geschichte bewaffneter Angriffe auf Privatpersonen, Minderheiten und demokratische Institutionen. Sie stellt eine ständige und ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Sicherheit dar, auch wenn ihre Mitgliederzahl derzeit sinkt. Mit seinen zahlreichen Medien und Social Media Accounts übt das „Nordic Resistance Movement“ einen großen Einfluss auf die globale weiße supremistische Bewegung aus, unterhält Allianzen in ganz Europa und inspiriert Gruppen in den Vereinigten Staaten.

Deshalb fordern ADL und Expo, die Regierungen Skandinaviens  müssten jetzt handeln, um diese Bedrohung einzudämmen. Bisher ist das „Nordic Resistance Movement“ nur in Finnland verboten. Auch die anderen Regierungen sollten sich Maßnahmen überlegen, wie sie den Handlungsspielraum von Anhänger:innen der gefährlichen Gruppe  verkleinern können – und sich klar und öffentlich gegen den Rechtsextremismus und Antisemitismus der Gruppe positionieren. Außerdem fehlten öffentliche Zahlen über Mitglieder und Taten, wie sie in Deutschland etwa Verfassungsschutzberichte darstellen – die es in Schweden nicht gibt. Zudem sei Rechtsextremismus nichts mehr, was sich in einzelnen Ländern lösen ließe, weil sich die Nazi-Szene transnational vernetzt – und entsprechend auch transnational bedroht.

 

Der Bericht digital aufbereitet:

https://www.adl.org/resources/reports/the-nordic-resistance-movement#recommendations

 

Das Foto wird veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz CC by 2.0.

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