Skip to content

Saarland 2018 Propaganda an der Uni und gefährliche „Hammerskins“

Jahresrückblick 2018: Was bleibt uns in Erinnerung? Im Saarland sind auch in diesem Jahr noch flüchtlingsfeindliche Gruppen aktiv. Hammerskins veranstalten in der Grenzregion rechtsextreme Konzerte. Auf einem Grundstück im benachbarten Lothringen, das für solche Veranstaltungen genutzt wird, tauchte ein Gedenkstein für eine SS-Divsion auf. Und auch die Universität des kleinsten Flächenlandes blieb 2018 nicht von rechtsextremer Propaganda verschont.   

 
(Quelle: Pixabay)

Bereits im Jahr 2017 geriet die saarländische Stadt Sulzbach in den Fokus rechtsextremer Aktivitäten. Teile der rechtsextremen Szene nutzten die Debatten um den Neubau einer Moschee, deren Gemeinde vom Verfassungsschutz des Saarlandes als salafistisch eingestuft wird, zur fremdenfeindlichen Mobilisierung. Als Mitte 2017 der Moscheebau eine größere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr, gründeten rechtsextreme Aktivist*innen die Gruppe „Sulzbach wehrt sich“, die zu zwei Kundgebungen aufrief, bei denen sich neben Szenemitgliedern zunächst auch Menschen aus dem bürgerlichen Milieu beteiligten. Als Redner traten neben dem NPD-Landesvorsitzenden auch überregionale Akteure auf, darunter eine Person, die sich selbst als Vertreter der neurechten Aktionsform „Ein Prozent“ bezeichnete.

Im Jahr 2018 organisierten die Anhänger der Gruppierung „Sulzbach wehrt sich“ ein Konzert mit der rechtsextremen Band „Kategorie C“, das von Gegenprotesten begleitet wurde. Die Aktivitäten der rechtsextremen Szene sowie rechtspopulistischer Akteure vor Ort befeuern in der Kleinstadt eine Konfliktspirale, die nicht nur eine demokratische Auseinandersetzung mit dem Moscheebau deutlich erschwert, sondern auch Sorgen und Ängste vor allem bei muslimischen Einwohner*innen auslöst.

Auch in den Städten Homburg, Blieskastel und Neunkirchen fanden im Jahr 2018 Aktionen der rechtsextremen Szene statt. Die Kameradschaft „Nationaler Widerstand Zweibrücken“ organisierte dort Anfang März ihre jährliche Kundgebung. Erstmals trat im August 2018 die Initiative „Kandel ist überall“ im Saarland in Erscheinung. In der Stadt Homburg führte die Initiative eine Kundgebung durch, die maßgeblich von Akteuren der saarländischen rechtsextremen Szene unterstützt wurde.

Auch das international agierende Neonazi-Netzwerk Hammerskins ist im Saarland aktiv. Die Hammerskins betreiben in der saarländischen Kleinstadt Dillingen ein Clubhaus mit dem Namen „Hate Bar“. Die Räumlichkeiten dienen zudem der Band „Wolfsfront“ als Proberaum. Daneben unterhalten die Hammerskins im grenznahen lothringischen Volmunster-Eschviller eine Immobilie, die in der Vergangenheit für Veranstaltungen der Szene genutzt wurde. Anfang des Jahres rückte das Grundstück in die Öffentlichkeit, als dort ein Gedenkstein für eine SS-Division aufgestellt wurde.

Im Dezember 2017 sowie im Frühsommer 2018 wurden an der Universität des Saarlandes Flyer- und Plakate mit islamfeindlichen Botschaften verbreitet. Zu der Aktion bekannte sich eine „Neue Hochschulgruppe“, die sich auf einem Flugblatt selbst als angegliedert an die AfD-Landtagsfraktion verortet hatte.

Neben den Aktivitäten der rechtsextremen Szene setzt sich auch im Saarland die besorgniserregende Entwicklung fort, dass abwertende und rechtsextreme Begriffe und Botschaften zunehmend in der gesellschaftlichen Mitte geäußert werden. Die Hemmschwelle für menschenverachtende Äußerungen scheint in Debatten und Diskussionen zu sinken. Dies ist vor allem in Sozialen Medien zu verzeichnen, aber auch beispielweise in Schulen oder sozialen Einrichtungen. Der Umgang mit diesen Entwicklungen stellt Menschen in ihrem privaten und auch beruflichen Leben weiter vor Herausforderungen. Befeuert wird dies durch Akteure, die die Grenzen des Sagbaren Stück für Stück verschieben und dadurch menschenfeindliche Botschaften verfestigen und an den Grundwerten der liberalen Demokratie kratzen.

 

Jahresrückblicke 2018 aus den einzelnen Bundesländern

Alle Jahresrückblicke auf Belltower.News:

| 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Read more

1456px-Saarlouis_Rathaus_Lennart

Brandanschlag im Saarland Endlich Anklage gegen den mutmaßlichen Täter

Fast 31 Jahren nachdem der 27-jährige Samuel Yeboah nach einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Saarlouis-Fraulautern gestorben ist, erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Täter: Peter S., ein bekannter Neonazi aus der Region.

Von
54407129080_25a3a73c7c_k

Rechtsextreme Demo 100 Meter Revisionismus in Berlin

In Berlin Friedrichshain trafen sich am 22. März Neonazis aus ganz Deutschland, um gegen einen vermeintlichen „Linksextremismus“ auf die Straße zu gehen. Mit dabei: Viel junges Klientel, ein Ex-AfD Mitglied und eine Rechtsrockband mit Verbindungen zur Hooligan-Szene.

Von
Foto_Saarland_a

Saarland 2012 In der rechtsextremen Szene bleibt vieles vage

Auch das Jahr 2012 war geprägt durch neonazistische Aktivitäten im Saarland. Und das auf einer Vielzahl von Ebenen. Eine große,…

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.