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Sachsen Holocaustrelativierung bei Marsch von christlichen Fundamentalisten in Annaberg-Buchholz

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(Quelle: Tim Mönch)

Schweigend zog die Demonstration der selbsternannten Lebensschützer*innen durch Annaberg-Buchholz. Auf Plakaten, die auch von kleinen Kindern getragen wurden, waren Forderungen wie „Die Schwächsten schützen“ oder „Hilfe zum Leben statt Hilfe zum Töten“ zu lesen. Einzelne Teilnehmer*innen waren in Gebete vertieft oder schoben leere Kinderwägen vor sich her, die an abgetriebene Kinder erinnern sollten. Bewusst vermittelte die Demonstration, die vom Erzgebirgsklinikum zur St. Annenkirche in der Annaberger Innenstadt lief, das Bild einer Trauerprozession.

Bereits seit 2010 findet der „Schweigemarsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz statt. Als Organisator tritt dabei der Verein „Lebensrecht Sachsen e.V.“ auf. Laut der eigenen Website sei das Ziel des Vereins „menschliches Leben von der Empfängnis an bis zu seinem natürlichen Tod zu schützen“ und dies tue man „im Sinne des biblisch-christlichen Menschenbildes.“

Redner*innen relativieren den Holocaust

Wie diese Forderungen zu verstehen sind, zeigte sich auf der Abschlusskundgebung der christlichen Fundamentalist*innen. Der Pfarrer Theo Lehmann, regelmäßiger Teilnehmer bei PEGIDA-Demonstrationen, stellte in seiner Rede biblische Inhalte als historische Fakten dar und sprach Frauen die Selbstbestimmung über ihren Körper ab: „In der Bibel steht: Wisst ihr denn nicht, dass euer Leib, also euer Bauch, ein Zentrum des heiligen Geistes ist?“

Der Initiator der Demonstrationen in Annaberg-Buchholz Joachim Hadlich sagte in seiner Rede, dass „die jüngste Gesetzgebung in Alabama […] ein ermutigendes Zeichen“ sei. Dort sind Abtreibungen nach der neusten Gesetzesänderung auch nach Vergewaltigungen nicht mehr erlaubt.

Noch einen Schritt weiter ging der Liedermacher Jörg Swoboda, der in seinem Lied „Kindersterblichkeit“ Abtreibungen und Präimplantationsdiagnostik in der Kontext des Holocaust setzte und diesen damit relativierte – die Demonstrationsteilnehmer sangen trotzdem lauthals mit.

Die Vorsitzende des Vereins „Lebensrecht Sachsen e.V.“ Susanne Georgi verteidigte die Holocaustrelativierung im Gespräch mit einem anwesenden Journalisten: „Es ist die Wahrheit. Es ist ein Fakt, der steht, und da stehen wir auch dazu.“

Gegendemonstration und feministisches Straßenfest

Den selbsternannten Lebensschützern stellte sich „Pro Choice Sachsen“, ein feministisches Bündnis aus verschiedenen sächsischen Städten, entgegen. Auf einem Straßenfest stellten verschiedene Vereine und Initiativen ihre Arbeit vor. Zudem gab es ein musikalisches Rahmenprogramm mit verschiedenen Künstler*innen, eine Hüpfburg und eine „Küche für alle“.

Feministische Gegendemo

Das Bündnis fordert Möglichkeiten zu Informationsfreiheit über Abtreibungen und die legale Durchführung eben dieser. Außerdem wird eine Gesellschaft gefordert, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben und in der eine Gleichberechtigung „aller sexuellen Lebensweisen und geschlechtlichen Identitäten“ möglich ist.

Bei der Gegendemonstration zum „Schweigemarsch“ wurden diese Forderungen, von den aus verschiedenen Bundesländern angereisten Protestierenden, auf zahlreichen Plakaten und Transparenten zum Ausdruck gebracht. An drei Stellen protestierten die feministischen Demonstrant*innen bunt und lautstark an der Route der Fundamentalist*innen. Ein Blockadeversuch wurde von der Polizei unterbunden.

 

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