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„The Answer to 1984 is 1776“ Alex Jones, die New World Order und der Antisemitismus – Teil 4

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Teil 4: Truther und Infokrieger

Moderne Verschwörungstheorien, die sich eines strukturellen Antisemitismus bedienen, fristen in der öffentlichen Wahrnehmung maximal ein Nischendasein. Die Verschiebungen durch das Web 2.0 sorgen aber dafür, dass antisemitisch geprägte Verschwörungstheorien Zugang zu einer breiteren Öffentlichkeit erhalten, ohne dass dies zwingend von etablierten Medien rezipiert wird oder zu skandalträchtigen Ereignissen kommt, die meist erst für eine Berichterstattung sorgen.

Die Popularität der Verschwörungstheorien zeigt sich daran, dass sich im Internet Zusammenschlüsse gefunden haben, die sich auf Akteure wie Alex Jones berufen: es ist eine Bewegung entstanden, die sich selbst als Truther, also in etwa Wahrheitssucher, oder Truthmovement bezeichnet. Die Truther unterscheiden sich nochmals in einzelnen Communitys, die sich auf entsprechenden Websites finden. Die Übergänge sind dabei aber durchaus fließend. Anhänger von Alex Jones und infokrieg.tv, dem deutschen Ableger seiner infowars-Seite, nennen sich teilweise auch folgerichtig Infokrieger. Daneben existiert noch das sogenannte Zeitgeist-Movement, was auf die im Internet äußert populären Filme von Peter Joseph „Zeitgeist ? The Movie“ und „Zeitgeist – Addendum“ zurückzuführen ist. Der Tenor der Zeitgeistfilme ist mit Alex Jones‘ Thesen über die NWO identisch, auch die Machart gleicht sich und Unterscheidungen haben nur szeneinterne Bedeutung.

Die Begriffe Infokrieger und Zeitgeist-Movement sind also nur als Synonyme für den zusammenfassenden Begriff Truther zu betrachten . Die Akteure der Trutherbewegung sind zu unterscheiden zwischen dem Autoren der jeweiligen Propaganda (wie z.B. Alex Jones) und den Multiplikatoren, die für eine breite Streuung im Internet sorgen. Bei den Multiplikatoren handelt es sich meist um einfache User, die kein geschlossen antisemitisches und/oder rechtsextremes Weltbild haben, dafür aber starke Vorbehalte gegenüber Regierungen und Behörden aufzeigen. (Selbst dieser Artikel wird wieder als diffamierendes Machwerk eines beliebigen Medienkonzerns wahrgenommen werden.)

Die Verbreitungskanäle sind neben „infokrieg“ auch entsprechende Blogs, von denen „Alles Schall und Rauch“ zu den bekanntesten gehört. Ebenso zeigen die Truther starke Präsenz auf den verschiedenen Plattformen sozialer Netzwerke. Auf den Plattformen gründen sie entsprechende Gruppen, um sich dort nicht nur untereinander auszutauschen, sondern auch aktiv neue Mitglieder anzuwerben. Dazu treten sie auch anderen Diskussionsgruppen bei, um ihre Thesen zu postulieren. Auf die Problematik des strukturellen Antisemitismus in Filmen von Alex Jones hingewiesen, reagieren die Truther mit Unverständnis, Gegenanschuldigungen und NS-Vergleichen, wie das Beispiel der Löschung von Truther-Gruppen auf der Plattform studiVZ zeigt.

Anbieter von Web2.0-Plattformen zeigen sich überfordert, da die teils komplexen Formen des modernisierten Antisemitismus eine tiefe Einarbeitung in die Thematik erfordern und dadurch entsprechende Interventionen nicht stattfinden können. Sofern diese nicht so leicht sanktionierbare Ausformung des Antisemitismus aber nicht wirksam entlarvt wird, kann sie sich weiter im Web2.0 ausbreiten.

| Teil 1: Alex Jones

| Teil 2: Die „New World Order“

| Teil 3: Der spezielle Antisemitismus in Alex Jones? Filmen

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Web 2.0

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Gegenrede zu Rassismus und Hass besteht auch aus Debunking, also dem Entlarven falscher Tatsachen. Wie das in der pädagogischen Arbeit funktioniert, beschreibt dieser Auszug aus der Broschüre „Digital Streetwork – Pädagogische Interventionen im Web 2.0“ des Projektes „Debate“ der Amadeu Antonio Stiftung zu den Möglichkeiten der präventiven Arbeit mit rechtsaffinene Jugendlichen in Sozialen Netzwerken.

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