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Und dann doch Antaios auf der Buchmesse – als Loci-Verlag

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Aus Raider wird Twix und aus Antaios wird Loci. Jetzt auf der Frankfurter Buchmesse. (Quelle: BTN/KA )

 

 

Am Mittwoch, dem 10. Oktober 2018, pünktlich zur Eröffnung des Publikumsverkehrs auf der Frankfurter Buchmesse, geht es überraschend durch die Medien: Götz Kubitschek, DER Vordenker der sogenannten Neuen Rechten im deutschsprachigen Raum, soll seinen „Verlag Antaios“ verkauft haben. Mit dieser Aktion wird der bekannteste rechtsextreme Verlag, der letztes Jahr wegen Tumulten im Rahmen seiner Veranstaltungen durch die Medien ging und für dieses Jahr nicht auf der Teilnehmerliste stand, nun doch auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein.

In der Ausgabe der FAZ vom 10. Oktober berichtet AfD-Experte Justus Bender,  dass der Verleger Götz Kubitschek seinen Verlag „Antaios“ verkauft habe und nun eine Karriere als politischer Berater anstrebe. Diese Meldung wird noch am selben Tag von Kubitschek selbst per Pressemitteilung im Internet und auf der Buchmesse untermauert. Die Nachricht platzt in die öffentliche Debatte um den Umgang mit Rechtsaußen-Verlagen, die nach dem Skandal des vergangenen Jahres die diesjährige Frankfurter Buchmesse von Beginn an prägte. Nach den tumultartigen Szenen im Vorjahr sollten in diesem Jahr zumindest die klar rechtsextremen Verlage an einem abseits gelegenen Standort separiert werden. Der „Verlag Antaios“ signalisierte Desinteresse, meldete sich nicht an. Nun aber, und das ist der Coup am überraschenden „Verlagsverkauf“ -, ist Antaios oder zumindest Götz Kubitschek und Ellen Kositza nun doch dabei. Der angegebenen Käufer heißt „Loci-Verlag“ und steht mitten auf dem Buchmessen-Gelände, weit weg von der „rechten Ecke“ – und die „Neue Rechte“ feiert.

 

Thomas Veigel (rechts) am Stand des Loci-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse 2018

 

Der 2000 gegründete Antaios-Verlag mit Sitz im thüringischen Schnellroda ist das bekannteste Verlagshaus im rechtsextremen Spektrum, das mit der „Sezession“ ein wichtiges Mitteilungsblatt zur neurechten Ideenbildung herausgibt. Der Verlag wie auch das ebenfalls in Schnellroda ansässige und von Götz Kubitschek mitgegründete „Institut für Staatspolitik“ (IfS) gelten als das Zentrum eines neurechten Netzwerks, das von führenden Vertretern der extremen Rechten sozusagen als geistige Heimat und Ideologieschmiede betrachtet wird. Exponierte AfD-Politiker wie Björn Höcke oder Andreas Poggenburg und Kader der „Identitären Bewegung“ wie Martin Sellner oder Daniel Fiß gehen dort ein und aus. Besonders die Winter- und Sommerakademien erfreuen sich großer Beliebtheit im rechtsextremen Milieu. Das thüringische Schnellroda wurde so in den letzten Jahren, begünstigt durch den allgemeinen Rechtsruck, zu einer wichtigen Kaderschmiede für alle jene, die sich um die Eroberung der kulturellen Hegemonie von rechts bemühen und  sich selbst  als die „Neue Rechte“ bezeichnet werden. Eine bis dahin nicht gekannte öffentliche Aufmerksamkeit erfuhren Verlag und dahinter stehendes Personal mit dem Eklat auf der Frankfurter Buchmesse 2017, als eine Podiumsdiskussion, an der u. a. Björn Höcke, Götz Kubitschek und Martin Sellner teilnahmen, durch die Gegendemonstrant*innen gesprengt wurde. Der Status von Schnellroda als wichtigster rechtsextremer Denkfabrik befand sich seitdem auf einem Höhepunkt.

 

Dieser „Verkauf“ ist Trolling auf der Buchmesse

Und nun der angebliche Verkauf des „Antaios“-Verlags, einer der Stützen dieser rechtsintellektuellen Kaderschmiede. Der Käufer soll Thomas Veigel sein, ein Zahnarzt aus dem baden-württembergischen Rheinau, der seit vielen Jahren in der Rechtsaußen-Szene unterwegs ist und eine einschlägige Vergangenheit hat: In den 1970er Jahren war er Mitglied des rechtsextremen „Hochschulrings Tübinger Studenten“, einer 1968 gegründeten antikommunistischen Vereinigung, die von Verbindungsstudenten getragen wurde. Damals tat er sich u. a. durch die Verharmlosung der Diktatur von Pinochet in Chile hervor, wo er auch längere Zeit lebte (vgl. BNR). 2015 wurde er zum Sprecher des AfD-Kreisverbandes Ortenau gewählt und hat erst im April 2018 den „Loci-Verlag“ gegründet. Als Imprint dieses Verlags soll laut Eigenangabe „Antaios“ nun fortbestehen und unter diesem Namen auch weiterhin Bücher publizieren. „Programmleiterin“ soll Kubitscheks Ehefrau und ebenfalls neurechte Autorin Ellen Kositza werden. Letzterer zieht sich laut eigener Aussage komplett aus dem Verlag zurück und will sich auf seine bisher rein informelle politische Beratertätigkeit konzentrieren, um Politiker*innen der AfD, aber auch der CDU an seiner „dreißigjährigen Erfahrung in einem rechtsintellektuellen Milieu“ teilhaben zu lassen.

Der „Loci-Verlag“, gegründet nach Eigenangabe im April 2018, hatte sich schon vor längerer Zeit zur Buchmesse angemeldet. Allerdings hat er noch kein einziges Buch veröffentlicht. Kein Wunder also, wenn sein Stand wird nun inhaltlich von „Antaios“ geprägt, wie aktuelle Bilder von der Messe bestätigen.

 

Was nach außen zunächst wie ein, wenn auch überraschender, aber doch gewöhnlicher betriebswirtschaftlicher Umstrukturierungsprozess wirkt, erweist sich bei näherer Betrachtung als sehr zweifelhafter Vorgang. Der neue Eigentümer, der erst wenige Monate alte „Loci-Verlag“, ist ein völlig unbeschriebenes Blatt, die dazugehörige dürftige Internetseite wirkt eilig zusammengeschustert. In seinem Programm werden gerade einmal vier Bücher aufgeführt, deren Veröffentlichung auf „später“ verschoben ist, darunter eine „Homestory“ über das Ehepaar Kubitschek/Kositza, die mit satirischen Insider-Witzen gespickt ist. Die anderen drei Titel behandeln die Erfahrungen migrantischer Deutscher und diie neurechte Youtube-Sendung über Literatur von Ellen Kositza und der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Die hat bisher auf gerade einmal vier Folgen gebracht hat. Zwei von vier angeblichen Titeln des Loci-Verlags sind also in unmittelbarer Zusammenarbeit mit dem Kreis um Götz Kubitschek entstanden.

Mindestens ebenso interessant in diesem Zusammenhang sind andere, weniger offensichtliche Details. So ist die Verlagsadresse identisch mit der Adresse der Zahnarztpraxis des neuen Verlegers und als offizielle Telefonnummer dient dessen Handy. Schwer vorstellbar, dass ein praktizierender Zahnarzt aus rein intellektuellem Interesse („Lese in jeder freien Minute Antaios-Bücher“) einen zwar kleinen, aber gut laufenden Verlag mit vielen Mitarbeitern aufkauft, um sich dann zwischen zwei Wurzelbehandlungen als Verleger zu betätigen. Auch taucht sein Verlag laut NDR nicht im Handelsregister auf und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels listet ihn lediglich als unverbindliches „Schnupper-Mitglied“ auf, wie unsere Recherchen ergeben haben. Ist diese Verlagsgründung also eine Art Hobby eines bibliophilen Zahnarztes?

Es drängt sich ein anderer  Verdacht massiv auf: Hat Götz Kubitschek mit Hilfe eines finanzstarken und weltanschaulich sympathisierenden Freundes den Verkauf seines Verlags bloß inszeniert, um die Frankfurter Buchmesse bzw. den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Medien und die gesamte Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen? Zuzutrauen wäre es ihm und es sprechen noch einige andere Argumente für diese These.

Götz Kubitschek sitzt hinter dem Loci-Stand – und feiert mutmaßlich seinen Coup mit der rechten Netzgemeinde.

 

So erscheint es vor diesem Hintergrund plötzlich plausibel, warum die Öffentlichkeit im Vorfeld der Messe in dem Glauben gelassen wurde, der „Antaios“-Verlag würde dieses Jahr nicht teilnehmen. Durch den inszenierten Verkauf seines Verlags an einen bisher unbekannten Verleger entgeht Kubitschek einer Aussonderung durch die Messeleitung, wie sie die „Junge Freiheit“ erfahren hat, und befindet sich mit seinem Stand nun in Halle 4.1 mitten im Geschehen der Messe, gleich gegenüber der taz – im Gespräch mit der FAZ gibt er selbst zu, dass er „keinen Bock auf einen Katzentisch“ hatte.

Das überzeugendste Argument liefert Kubitschek jedoch selbst: In einem Interview, das er Ende September dem islamfeindlichen Internetmagazin pi-news.net gegeben hat, deutet er offen an, dass ein mögliches Mittel, der „Ungleichbehandlung“ durch die Messeleitung zu begegnen, „etwas Subversives“ zur Unterlaufung des Messekonzepts sein könnte – etwas Subversiveres als eine solche Inszenierung, die die Gründung eines eigenen Verlags einschließt, ist kaum vorstellbar.

Während es also durchaus glaubhaft ist, dass der Strippenzieher Kubitschek sich aus der unmittelbaren verlegerischen Tätigkeit zurückzieht – das IfS wird schon seit Längerem von seinen Zöglingen Benedikt Kaiser und Erik Lehnert geleitet -, um als Berater in die aktuelle Politik hineinzuwirken, ist der Verkauf von „Antaios“ wohl als das zu bezeichnen, was er bei näherer Betrachtung zu sein scheint: Eine von langer Hand vorbereitete Inszenierung, mit der er der Frankfurter Buchmesse ein Schnippchen schlägt, nebenbei Unruhe in der CDU stiftet und darüber hinaus die mediale Aufmerksamkeit von seinen neurechten Konkurrenten vom „Junge Freiheit Verlag“ ablenkt.

Wenn man dann noch bedenkt, dass der Name des ominösen neuen Verlags in klassischer Philologen-Manier wie „Loki“ ausgesprochen wird und dass dies auch der Name des altnordischen Gottes des Schabernacks ist, dürften sich auch die letzten Zweifel in Luft auflösen.

 

Ergänzung vom 16. Oktober 2018:

Wie Götz Kubitschek selbst in einer Mitteilung vom 15. Oktober 2018 bestätigt hat, handelte es sich tatsächlich um eine Inszenierung, die lediglich den Zweck hatte, Messeleitung und Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Er und seine Frau Ellen Kositza bleiben weiterhin alleinige Besitzer des „Verlags Antaios“ und Verantwortliche von dessen Programm. Ihr Verlag wird kein Imprint irgendeines anderen Verlags und eine politische Beratertätigkeit, die für besonders viel Medienecho gesorgt hatte, schließt Kubitschek für sich kategorisch aus.

Vgl. dazu https://www.mz-web.de/wirtschaft/-alles-nur-fake–goetz-kubitschek-behaelt-antaios-verlag-31444904

 

Mehr auf Belltower.News:

Der Antaios-Verlag: http://www.belltower.news/lexikon/antaios-verlag

Institut für Staatspolitik: http://www.belltower.news/node/11556

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