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Wahrnehmungsschwächen von Wutbürgern Ist Samuel L. Jackson nach Italien geflüchtet?

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Herumlungernde Migranten?

 

Von: Kira Ayyadi

 

Der Hollywoodstar Samuel L. Jackson und der ehemalige NBA-Profi Earvin „Magic“ Johnson  haben sich in einem italienischen Badeort eine ausgiebige edele Shopping-Tour gegönnt. Bei einem Päuschen auf einer Bank in der Fußgängerzone des Badeortes Forte die Marmi, wurden sie von zahlreichen Passanten umringt.

Sam & I chilling out on a bench yesterday in Forte dei Marmi, Italy. The fans started lining up to take pictures with us. pic.twitter.com/uzXx698PiN

— Earvin Magic Johnson (@MagicJohnson) 16. August 2017

 

 

 

Wenn Wutbürger_innen einen Scherz ernstnehmen

Der italienische Satiriker Luca Bottura erlaubte sich einen Scherz und verbreitete ein Foto der beiden mit dem Text: „Mit Regierungsgeldern in Forte dei Marmi – sie shoppen bei Prada mit den 35 Euro, die sie jeden Tag bekommen“.

 

Tausende Nutzer griffen dieses Bild auf, erkannten nicht, dass es sich hier um zwei prominente Millionäre handelt und verbreiteten es in den sozialen Medien, um gegen Migrant_innen und Geflüchtete zu hetzen. Mit unschönen Worten machen sie ihrer Empörung Luft, dass diese „Migranten“ auf Staatskosten in Luxus-Geschäften shoppen gehen würden.

 

Eine die diesen Vorwurf teilt, ist das Model Nina Morica. Sie schrieb unter ein Bild der beiden US-Stars auf der Bank:

 

„Nun sieht man selbst schon an Touristenorten wie Forte Dei Marmi und Milano Marittima diese Immigranten unterstützt von unseren 35 Euro auf den Bänken herumlungern, das ist wirklich zu viel.“

 

Als Medien ihren Beitrag aufgreifen, behauptet das Model, dass es sich bei ihrem Beitrag lediglich um einen beabsichtigten Scherz gehandelt habe. Allerdings ist Nina Morica eine prominente Befürworterin der neofaschistischen, antisemitischen Bewegung „Casa Pound Italia“. Dass es sich bei ihrem Post lediglich um einen Scherz gehandelt habe, ist daher zu bezweifeln.

 

Weitere Beispiele für solche Fails

Es ist bei weitem kein Einzelfall, dass Rechtsextreme und rechtspopulistische Medien Bilder verbreiten, die ihnen als Belege dienen und ihre Weltsicht untermauern sollen, die sich jedoch als aus dem Kontext gezogen und als schlicht falsch darstellen.

 

„Breitbart“ macht Poldi zum Geflüchteten

Vor einigen Tagen sorgte eine Schlagzeile und das dazugehörige Titelbild des rechtsextremen Mediums „Breitbart“ weltweit für Lacher: Der britische Ableger der ultrarechten Website von Stephen Bannon hatte ein Artikel über Schleuserkriminalität mit einem Foto des Fußballers Lukas Podolski bebildert, der glücklich auf einem jet-Ski sitzt.  

Quelle: Screenshot

Als dann auch „Breitbart“ bemerkte, dass das Bild einen deutschen Fußballer 2014 während der WM in Brasilien zeigt und keinen Geflüchteten oder Schleuser, schrieben die Autor_innen unter den Artikel: „Es gibt keinen Beleg dafür, dass Herr Podolski einer Schleuserbande angehört oder selbst Flüchtling ist.“

 

Leere Bussitze lösen Debatte über Burkas aus

In Norwegen zeigte vor einigen Wochen ein ähnlicher Fall, wie unkritisch Rechtspopulist_innen und Rechtsextreme ihre eigene Weltsicht bestätigen und reproduzieren.

In den sozialen Medien sorgte ein Foto für Aufregung. Darauf meinten Islamophobiker mehrere Frauen in Burkas in einem Bus zu sehen. Nutzer verschiedener Foren forderten daraufhin ein Burka-Verbot und hetzten gegen den Islam. Blöd für sie nur, dass es sich hier nicht um Frauen in Burkas, sondern um ein Bild von leeren Bussitzen handelt.

Der Norweger Johan Slåttavik hatte das Bild zunächst in die Geschlossene Facebook-Gruppe “Das Vaterland zuerst” gepostet und die User_innen gefragt, was sie hier sehen. Mitglieder der Gruppe vermuteten, dass auf dem Bild Frauen mit Sprengstoff unter ihrer Vollverschleierung zu sehen waren. Andere kommentierten den Beitrag mit „ekelig“ oder formulierten Forderungen nach vermehrter Abschiebung.

 

Wider jede Vernunft

Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich, wie so viele Menschen so schnell eine Bestätigung ihres eigenen Irrtums finden können. Statt zunächst zu prüfen, ob es sich tatsächlich um Geflüchtete mit Louis Vuitton-Einkäufen, um einen Geflüchteten auf einem Jet-Ski oder um eine Reihe Frauen in Burkas handelt – was bereits bei genauerem Hinsehen den Irrtum zeigt – halten Bürger in Wut lieber an gewohnten Überzeugungen fest.  

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