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Warum wählen Migrant/innen AfD?

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Screenshot von der Facebookseite von Alexander Tassis.

Warum wählen Migrant_innen AfD? Grundsätzlich ist die Antwort klar: Weil sie sich politisch mit deren Zielen identifizieren können. Und obwohl die AfD gegen Zuwanderung ist und sich ums „deutsche Volk“ sorgt, das sie bisweilen auch völkisch und kulturrassistisch definiert, wirbt sie andererseits auch um Deutsche mit Migrationshintergrund als Wähler_innen. Wo also kommen AfD und Deutsche mit Migrationshintergrund zusammen?

 

Wählen Migrant/innen AfD?

 

Es gibt bisher wenige Erhebungen speziell zu diesem Thema.  

Eine Befragung nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2016 in der Stadt Freiburg liefert das erstaunlichen Ergebnis, dass dort 34 Prozent der AfD-Wähler_innen einen Migrationshintergrund hatten. Damit war sie die beliebteste Partei bei Menschen mit Migrationshintergrund. Ergänzend ist zu sagen: Natürlich handelte es sich hierbei um Migrant_innen mit deutschem Pass, sonst hätten sie ja nicht mitwählen dürfen. In Freiburg sind die meisten Deutschen mit Migrationshintergrund Russlanddeutsche. (vgl. Badische Zeitung)

Ebenfalls im März 2016 gab es vor der Landtagswahl  in Sachsen-Anhalt eine „Probewahl“ unter Migrant_innen ohne deutschen Pass. Hier erreichte die AfD kaum Zustimmung, kam nicht unter die großen vier Parteien und lag mit anderen kleinen Parteien gemeinsam bei unter 5 Prozent (vgl. Lamsa). Möglicherweise können sich also Migrant_innen mit deutschem Pass mehr für die AfD begeistern als Migrant_innen ohne deutschen Pass.

 

Hat die AfD Mitglieder und Funktionäre mit Migrationshintergrund?

 

Die AfD hat keine genauen Zahlen zu ihren Mitgliedern mit Migrationshintergrund, spricht gegenüber der Welt von rund 2 Prozent der Mitglieder. Es gibt auch AfD-Funktionäre mit Migrationshintergrund – einige haben sich jetzt in der Organisation „Neudeutsche Hoffnungsträger“ zusammengeschlossen (siehe unten im Text).

Werden die Migrant_innen und Deutsche mit migrantischen Wurzeln in der AfD zu ihren Erfahrungen dort befragt, geben sie an, sie hätten innerhalb der AfD (oder gar in ganz Deutschland) noch nie Rassismus erlebt, so etwa Achille Demagbo zur taz: „Ich würde nie in einer fremdenfeindlichen Partei Mitglied werden, aber jetzt mal umgekehrt: Welche rassistische Partei würde einen Schwarzafrikaner in den Vorstand wählen?“ und „Nein, nein, in Deutschland habe ich keinen Rassismus erlebt. Im Gegenteil: Die Deutschen sind hilfsbereite, freundliche Menschen.“. Sind sie selbst nach Deutschland zugewandert, sprechen sie oft davon, dass sie selbst von der Willkommenskultur in Deutschland profitiert hätten, die sich deshalb nicht ändern solle – aber sie sei von Geflüchteten bedroht.

 

Was spricht Wähler/innen mit Migrationsgeschichte an?

 

Wertet man Medieninterviews und Social-Media-Kommentare zu diesem Thema aus, lassen sich folgende Themen erkennen:

Etabliertenvorrechte oder “besorgte Migrant_innen“

Hierbei geht es vor allem um Migrant_innen aus der ersten Einwanderungsgeneration, die sich gegen neue Zuwanderer und gegen Geflüchtete wenden und für sich selbst Etabliertenvorrechte fordern. Sie sprechen sich vor allem gegen Armutsmigration aus und wollen eine stärkere Begrenzung von Zuwanderung und Asyl.

Damit einher gehen auch wirtschaftschauvinistische Nützlichkeitsargumentationen, etwa, man selbst habe sich genügsam und fleißig viel in Deutschland erarbeitet, die neuen Zuwanderer oder Geflüchteten wären dagegen faul und nicht dazu bereit. Auch beliebt sind in migrantinschen Communitys Erzählungen von angeblich steigender Straßenkriminalität – die es manchmal gibt und manchmal nicht.

Gründe können außerdem sein: Sorge um Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, weil mit vielen Geflüchteten auch billige neue Arbeitskräfte gerade im Niedriglohnsektor ins Land kommen,  Angst vor Verdrängung von denen, die selbst wenig Ressourcen habe. Aber auch Angst, etwa für die angeblich steigende Straßenkriminalität als Mensch mit Migrationsgeschichte in gesellschaftliche „Mithaftung“ genommen zu werden. (vgl. Süddeutsche)

So schreibt etwa „rozum“ unter einen Artikel von “PI News” zum Thema [alle Zitate im Original]: „Ich bin soooo froh, dass es so viele von ,uns’, den ,zugezogenen, die nicht den Sozialstaat ausnutzen wollen’, ,…patriotisch, konservativ, national aufgestellten’, gibt, die jetzt mit den einheimischen, echten Patrioten, die sehen, was los ist, die Heimat / das Vaterland verteidigen wollen.“

AfD-Mitglied Aslan Basibüyük sagt der Welt: „Wir müssen die Probleme, die es mit der Zuwanderung und der Integration gibt, offen ansprechen. Denn sonst besteht das Risiko, dass auch meine Kinder und ich eines Tages zu Außenseitern in dieser Gesellschaft werden, weil man Migranten insgesamt negativ sieht.“

Rassismus, Antiziganismus, Islamfeindlichkeit

Rassismus und Antiziganismus gibt es auch unter Deutschen mit Migrationshintergrund, ebenso die Kulturalisierung von Konflikten und Kriminalität. Verbreitet ist etwa Feindlichkeit gegenüber Roma aus Bulgarien oder Rumänien, mit denen Erzählungen von Straßenkriminalität, Gewalt und sexualisierter Gewalt verbunden werden, aber auch Feindlichkeiten zwischen Gruppen mit verschiedenen religiösen Überzeugungen oder zwischen in Herkunftsländern in Konflikt stehenden Gruppen.

Neben der Abwertung von Menschen aufgrund der Zuschreibung zu einer Gruppe geht es auch um Abgrenzung und Aufwertung der eigenen Gruppe.

Auch mit Islamfeindlichkeit kann die AfD unter Migrant_innen punkten. Viele berichten, dass sie an der AfD die „Islamkritik“ mögen, auch wenn sie undifferenziert sei, weil sie den Eindruck hatten, in anderen Parteien nicht einmal berechtigte Kritik an undemokratischen Praxen der islamischen Gemeinden und Gläubigen anbringen zu können.

So schreibt etwa „Emo” unter einem Blogpost über AfD-wählende Migrant_innen: „Es reicht der Gesellschaft sie verarmt und muss sein hab und Gut vor kriminellen schützen die von irgendwelchen Ostblockländern gekommen nur sind weil sie ja zu Europa gehören ,sorry das klingt jetzt vielleicht sehr Rechts ,aber wenn ich mich umgucke sehe ich nichts anderes als Rumänische sintis Bulgarische Sintis obendrein noch Syrer obwohl ich finde das sie nicht mal so schlimm sind wie die vorher genannten.“

Vitaly meint:  „(…) Als Ausländer (Russisch-Israelisch) werde ich an der Seite derer Kämpfen, die gegen den Islam und den Sozialismus kämpfen. Egal ob Hetero, Schwul, Christ, Atheist, reich, arm, alt, jung, Deutscher, Österreicher, Italiener, Inder oder Ghanese, egal ob AFDler, CDUler oder NPRDler. Es ist ein Kampf ums Überleben.“

Konservatives Familienbild

Menschen mit Migrationshintergrund, die selbst ein rechtskonservatives oder streng katholisches Weltbild haben, begeistern sich für die AfD, weil die ein antimodernes Familien- und Geschlechterbild vertritt und sich gegen Geschlechtergerechtigkeit, sexuelle Vielfalt und Aufklärung darüber in der Schule und gegen Abtreibungen ausspricht.

Dies trifft insbesondere den Geschmack vieler Russlanddeutscher, die ein so konservatives Weltbild verinnerlicht haben, dass sie die Zeit in Deutschland gern in vielfacher Hinsicht zurückdrehen würden – auch in Bezug auf Geschlechterrollen.

AfD-Mitglied Aslan Basibüyük sagt der Welt: „Die AfD betont ja den Schutz der Familie, und die Familie ist für die meisten Migranten sehr wichtig – SPD und CDU, die haben auf diesem Gebiet ja in den letzten Jahren alles aufgegeben.“

Nationalstolz

Viele Einwander_innen haben viel Einsatz gezeigt, um nach Deutschland zu kommen und hier zu leben. Sie fühlen sich deshalb teilweise stolzer auf Deutschland als es hier gebürtige Deutsche tun. Dies ist einmal mehr unter Russlanddeutschen der Fall, die in Russland deutsche Traditionen unter Widerständen und Repressalien gepflegt haben und dort als Deutsche beschimpft worden sind. Nach ihrem Umzug nach Deutschland stellten sie oft fest, dass das Deutschland ihrer Vorstellung nicht (mehr) existiert und sie hier wiederum als „Russen“ nicht anerkannt werden. Ihr Stolz auf das Deutschsein wird hier vielerorts misstrauisch beäugt – außer am rechten Rand. So gab es bereits seit 2008 eine Gruppe „Russlanddeutsche in der NPD“, 2014 übersetzte auch die AfD ihr Wahlprogramm auf Russisch (vgl. Bento).

„Bunter Irrsinn“ schreibt unter einem Post zum Thema bei „Pi News”: Kein Wunder: „Die ausländischen AfD-Wähler leiden nicht wie die blockflötenwählenden Doofmichel an masochistischen Selbstausrottungsphantasien.”

Ku-Kuk meint: „Ich bin hier im Jahre 1981 als politischer Flüchtling aus Bulgarien gekommen. Als richtiger politischer Flüchtling. Ich wurde im Bulgarien wie Mensch zweiter Klasse behandelt und mir wurde professionell jegliche Chancengleichheit verwehrt. (…) Ich habe hier länger gelebt als im Bulgarien. Habe meine Kinder hier erzogen und muss sagen, dass meine Kinder Deutsche geworden sind. (…) Ich möchte Freiheit. Richtige Freiheit! Ich möchte, dass die Leute ihre persönliche Meinung frei ausdrücken können, ohne Angst von Repressalien. Ich möchte eine Kinderfreundliche und nicht Moslemfreundliche Politik. Ich möchte in Ruhe und Sicherheit leben. (…) Deswegen habe ich damals Bulgarien verlassen und kann nicht ertragen wenn ich sehe das Deutschland sich auf der Spuren der Kommunisten bewegt. Die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Versammlungsfreiheit sollen die unverrückbaren Säulen unserer Gesellschaft sein.Dafür werde ich AfD wählen.  Und ich habe einmal meine Heimat verlassen, ich habe keine Zeit mehr, meine Zweite zu verlassen.

„Ausländerpolitik“

Aus den zuvor genannten Gründen sind manche Menschen mit Migrationshintergrund angetan von der „Law-and-Order“-Politik die sich die AfD im Umgang mit Einwanderung vorstellt. Sie wünschen sich eine stärkere Begrenzung der Zuwanderung und des Asylrechtes und kritisieren die amtierende Bundesregierung für ihren menschenrechtsorientierten Umgang mit Asylfragen. Laut einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ im November 2015 äußerten sich 64 % der Migrant_innen kritisch zur Einwanderungspolitik, 40 % wollten weniger Flüchtlinge ins Land lassen und 24 % gar keine mehr.

Auffällig ist dabei die Grundannahme, dass sich eine härtere „Ausländerpolitik“ nur gegen andere, „neuere“ oder anderen ethnischen Gruppen zugehörige Menschen richten werde und nicht etwa gegen einen selbst oder die eigene Community. Gewünscht ist stets mindestens ein Erhalt des Status Quo, um die Stabilität in Deutschland zu erhalten.

So kommentiert etwa  „Wanderer“ unter einem Artikel auf einem Blog, der sich mit „migrantischen” AfD-Wählern befasst : „,Schock: Viele ,Ausländer’ wählen ,ausländerfeindliche’ AfD!’ Warum Schock? Die Türken, Iraker, und Asiaten in meinem Umfeld wählen alle AfD. Die fragen sich schon lange, ob die Deutschen verrückt geworden sind. Für die Gut- und Bessermenschen im Klartext: die hier seit langer Zeit lebenden Migranten sind vor genau den Verhältnissen geflohen, die hierzulande gerade aus der Taufe gehoben werden!”

„Taner“ schreibt: „Wir schicken Waffen in kriesengebiete und dafür kommen Flüchtlinge. Gefällt mir das als Türke ..?  Nein , weder die Waffenlieferungen noch das so viele Flüchtlinge hier her kommen. Mir gefällt auch nicht der Euro oder das sich Brüssel in innere Angelegenheiten hier einmischt. Würde ich die AFD wählen …? Nein , aber ich verstehe die , die es tun.“

Heligoland schreibt, seine vor einem Jahr nach Deutschland eingewanderte Frau würde, wenn sie könnte, auch AfD wählen: „Sie mag unser Land, so wie es ist. Die geballte Flüchtlingsflut an ihrer Sprachschule findet sie wenig prickelnd. (…) Sie versteht nicht, warum die Flüchtlinge alles umsonst kriegen, während sie z.B. den Sprachkurs teuer bezahlen muss, bzw, warum sie den Deutschen offenbar soviel weniger willkommen ist, als Syrer, Afghanen, etc… Sie kommt sich daher gelegentlich wie ein Ausländer 2. Klasse vor. Sie stammt aus einem Macho-Land und wollte u.a. deshalb dort weg. Aber die Flüchtlinge an ihrer Schule empfindet sie als wesentlich arroganter (Frauen gegenüber) als sie es zu Hause je erlebt hat.“

Finanzkrise und Anti-Euro-Politik

Angst vor einem persönlichen oder gesamtgesellschaftlichen Abstieg durch die Finanzkrise in Europa gibt es natürlich auch unter Menschen mit Migrationshintergrund – mit ihrer Anti-EU- und Anti-Euro-Politik punktet die AfD hier in diesen Gruppen, aber tatsächlich eher am Rande.

Negierung des Rassismus in der AfD

Natürlich ist eine Unterstützung der AfD durch Menschen mit Einwanderungsgeschichte nur möglich, wenn man den Rassismus und die Islamfeindlichkeit innerhalb der Partei weitestgehend negiert. Dabei kommt der Partei zugute, dass sie bundesweit über viele verschiedene Mitglieder verfügt, so dass ein nicht-rassistisch agierender AfD-Kontakt vor Ort manchen rassistischen Kommentar der AfD-Spitze wett zu machen scheint. Auch entscheidend: Dass die AfD in ihrem Rassismus Unterschiede macht.

So gehört hier zu den Erzählungen:

Ich habe keinen Rassismus in der AfD erlebt, alle unterstützen mich (dass dies taktische Gründe haben mag, wird dabei nicht thematisiert. Ebenso wird dazu gern gesagt, es gebe auch keinen Rassismus in Deutschland).

Der Rassismus und die Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft gehen nicht weg, egal wen man wählt – dann ist AfD auch nicht schlimm, die ist wenigstens offen rassistisch.

Parteikollegen seien „ungeschickt“ oder „von Angst getrieben“ (vgl. Süddeutsche)

Die AfD sei nicht gegen Migrant_innen an sich,  sondern gegen „Migrantenchaos“.

Die AfD sei zwar gegen Muslime und Geflüchtete, aber nicht gegen andere Menschen mit Migrationshintergrund wie z.B. Russlanddeutsche, Asiaten, Christen aus europäischen Ländern etc.

Dies praktiziert etwa „Tiefseetaucher“, der als Antwort auf die Aussage „Es gibt auch Migranten mit Verstand. Die wollen ja auch nicht, dass Deutschland verfault!“ von „Aussteiger“ schreibt: „Klar, wir reden hier von nichtmoslemischen Migranten, die in aller Regel gut bis sehr gut integriert sind und hier mit ihren Kindern wie Deutsche leben wollen. Ich kenne keine einzigen Mitbürger mit tschechischen, russischen, polnischen oder ostasiatischen Wurzeln (und ich kenne recht viele!), der nicht a. bestens interiert ist und b. die AfD-Positionen weitaus besser versteht als die der linksrotzgrün-vermerkelten Deutschlandabschaffer. (…) Mohammedaner definitiv nicht. Die haben nicht das geringste Interesse, Teil der deutschen Gesellschaft zu werden.“

Dem pflichtet auch Logixx bei: „Diese Ausländer, die in großer Zahl AfD gewählt haben, sind aber nicht Araber oder Türken, also diese aufdringlichen Fremdkörper, an die man beim Migrationshintergrund sofort denken muss. Die gehen normalerweise gar nicht wählen, sofern sie überhaupt Papierdeutsche sind. Diese Migranten, die die AfD wählen, sind vielmehr eingedeutschte Polen, Russlanddeutsche, Russen, Italiener, Griechen, Asiaten. Ich denke, viele dieser Migranten waren vorher Nichtwähler. (…) Kaum ein integrierter christlicher Migrant hat irgendein Interesse daran, seinen bescheidenen Wohlstand mit neu hereinströmenden unverschämten Barbarenhorden zu teilen.“

 

Will die AfD den Menschen mit Migrationshintergrund als Wähler/innen oder Funktionär/innen?

 

Die AfD bemüht sich besonders um Russlanddeutsche, bei denen sie viel thematische Übereinstimmung sieht, gepaart mit Frustration über die persönliche Situation, die sich für die AfD nutzen lässt. Seit 2014 übersetzt die AfD ihre Wahlprogramme auch auf Russisch. Das lohnt sich auch deshalb, weil die meisten Russlanddeutschen einen deutschen Pass haben und so auch wahlberechtigt sind.

Wo die AfD Chancen auf Wähler_innen sieht, ist sie lokal auch bereit, von bundesweiten Prinzipien abzuweichen. So berichtet etwa Spiegel Online über AfD-Kandidaten in Duisburg-Marxloh, die sich dort wohlwollend für Moscheegemeinden aussprechen – nicht nur, weil sie sich dadurch mehr Zustimmung erhoffen, sondern auch, weil die Moscheegemeinden eine größere Ordnung ins Viertel gebracht hätten.

Ein Blick in Diskussionen über Migrant_innen in der AfD, zeigt aber auch immer Positionen wie die von „Volker S.“: „Wie es wohl beim kommenden irregulären, ethnisch-religiösen Volkskrieg mit den Überläufern aussehen wird? Grundsätzlich werden natürlich die Antifanten an der Seite der fremdländischen Eindringlinge gegen die deutsche Urbevölkerung kämpfen, während die weltlichen Muselmanen versucht sein könnten zu uns überzulaufen. (…) Das Problem hierbei werden freilich wir selbst sein, denn der kommende Volkskrieg wird ganz entschieden ein ethnisch-religiöser sein (…), weshalb die Aufnahme der Überläufer abgelehnt werden könnte.“

 

Neu: Die “Neudeutschen Hoffnungsträger“ in der AfD

 

Am 21. Mai 2017 hat der Bremer AfD-Politiker Alexander Tassis die „Neudeutschen Hoffnungsträger – Migranten in der Alternative für Deutschland“ ins Leben gerufen – gemeinsam mit weiteren Migrant_innen in der AfD, die nun im „Vorstand“ aktiv sind: Neben Tassis sind das Laleh Hajimohamadvali, Ireneusz Cichocki, Adrian Ochmanski, Miso Esic, Nicolai Boudaghi, Achille Demagbo und Fatih Sarikaya. Laut Eigenangabe sei dies die „erste Vertretung patriotischer Deutscher mit sogenanntem Migrationshintergund. Genau diese Lebenswirklichkeit führte persisch-, polnisch-, bosnisch-, türkisch-, afrikanisch- und griechischstämmige Menschen als stolze Deutsche zusammen.“ Damit solle die AfD zur „führenden Einwandererpartei“ entwickelt werden. Die Ankündigung trifft größtenteils auf Zustimmung,allerdings gibt es auch Kommentatoren wie Ted, der meint: „Kann man so was einfach gründen, ohne die Partei vorher zu informieren? Ich bin dagegen. Was kommt als Nächstes – Veganer in der AfD?“

Ein Blick in die „Präambel“ zur Vereinigung, die Tassis ebenfalls auf Facebook veröffentlicht hat, zeigt einige verblüffende Forderungen. So wolle man „den Missbrauch ethnischer Minderheiten für die Zerspaltung unseres Volkes“ bekämpfen: „Wir bekennen uns als Deutsche zum Deutschen Volk, als ethnisch bunte Deutsche auch zu einem Schutz des ethnischen Erbes, vorallem aber zum deutsch geprägten Volksgedanken als einer der Grundlagen der Weltzivilisation und der Zukunft der Menschheit.“

Wem solche Formulierungen merkwürdig vorkommen, liegt nicht verkehrt. Später im Text geht es um klassisch neurechte, also rechtsextreme Konzepte: „Wir bedürfen als ,Internationalisierungskonzept’ einzig das,Europa der Vaterländer’ und „Wir wollen ein Europa der Vaterländer statt den Ruin Europas durch die EU!“

Natürlich wendet man sich gegen „verdummenden Multikulturalimus“ und „beschämende Islamisierung“, und findet: „Es ist eine offene Meinungskultur auch in sogenannten ,Minderheitenfragen’ anzustreben. So muss die politische Korrektheit entschieden bekämpft werden.“ Damit geht einher: „Wir fordern ein Ende jeglicher staatlichen Finanzierung von Projekten gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Diese Forderung sehen wir verknüpft mit einem völligen Neuanfang in diesem Bereich, der einer Bereinigung von fragwürdigen wissenschaftlichen Vorstellungen vom Ende des Nationalstaates und politischen ,linken’ Wahnvorstellungen und gewaltbereiten Kreisen, gleichkommen muss.“ Ob dies allerdings den Nerv der Migrant_innen trifft, die mit der AfD sympathisieren, bleibt abzuwarten. In den gesichteten Interviews oder Social Media-Kommentaren wurde das nicht geäußert.

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