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Wie kann ich einen lokalen oder regionalen Internetauftritt gegen Neonazis aufbauen?

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Holger Kulick: Ein lokaler Internetauftritt macht auf jeden Fall Sinn, um Andere für das Thema zu sensibilisieren und Unterstützer für eine Aktion zu gewinnen. Drei Formen bieten sich an.
1) Eine individuelle Homepage oder ein Blog mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus.
2) Eine Homepage für eine Initiativgruppe, die kontinuierlich aktualisiert wird, über ihr Engagement informiert und eventuell Spenden einwirbt.
3) Eine Website, die nur für ein spezifisches Event wirbt, zum Beispiel eine Demonstration oder ein Konzert.

Die ersten Schritte zum eigenen Auftritt

Individuelle Homepages kannst Du beispielsweise bei myspace oder auch im Schüler- oder StudiVZ kostenlos einrichten und gegebenenfalls später ausbauen. Jan R., ein Ilmenauer Student startete so vor zwei Jahren zunächst ein Forum über Neonazis in seiner näheren Umgebung unter myblog.de/bluejax. Er holte sich dafür Rat bei erfahrenen Websites, wie er beispielsweise mit Drohungen aus der rechtsextremen Szene umgehen soll und fragte andere Initiativen, ob er sie verlinken darf, Websites wie mut-gegen-rechte-gewalt.de erlauben das prinzipiell. Inzwischen hat er sein Hobby zum Studieninhalt gemacht und betreibt zusätzlich die Website bluejax.de, die sich längst auch anderer zeitkritischer Themen annimmt.

Ein hervorragendes Projekt, das eine beispielhafte Website aufgebaut hat, ist das ABC-Pößneck in Thüringen: abc-poessneck.de dient zur Vernetzung der Mitglieder der Gruppe und zur Information Neugieriger. Sie bietet zahlreiche Features wie ein Gästebuch, Umfragen, Presseinfos sowie Veranstaltungskalender. Zum Gästebuch gehört selbstverständlich eine Hausordnung:

„Das Aktionsbündnis Courage distanziert sich ausdrücklich von allen Einträgen im Gästebuch und im Forum. Wir haben keinen Einfluss darauf, wer was in unser Forum posted. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass extremistische, das 3. Reich verherrlichende Einträge gelöscht werden.“ So viel Ethik sollte mindestens sein.

Juristische Vorkehrungen

Wichtig sind auch juristische Vorkehrungen. Das ABC-Pößneck hat dies relativ vorbildlich gelöst: Im notwendigen Impressum finden sich zwei wichtige rechtliche Vorbehalte, der Link-Disclaimer und eine Notiz zum Urheberrecht, beides kann helfen, viel Ärger – und Kosten – zu sparen. Sie lauten so:

„Link-Disclaimer:
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann, so das LG, nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich habe auf meiner WebSite Links zu anderen Seiten im Internet gelegt. Für alle diese Links gilt: Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe. Deshalb distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner WebSite. Diese Erklärung gilt für alle auf meiner Website ausgebrachten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen die Banner und Links führen.“

Urheberrecht:
Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Grafiken, Sounds und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Sounds und Texte zurückzugreifen. Sollte sich auf den jeweiligen Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch fremdes Copyright geschützte Grafik, ein Tondokument, eine Videosequenz oder Text befinden, so konnte das Copyright vom Autor nicht festgestellt werden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung wird der Autor das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus seiner Publikation entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen. Das Copyright für veröffentlichte, vom Autor selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten. Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Autors nicht gestattet.“

Sozialrabatte

Eigene Websites lassen sich heutzutage relativ kostengünstig, gegebenenfalls sogar kostenlos einrichten. Manche Provider geben auch „Sozialrabatt“ für Initiativen. Wichtig ist, Euch einen griffigen Domain-Namen auszudenken, den auch Google schnell einordnen kann. Fast noch wichtiger ist, dass sich mindestens einer aus der Gruppe für die Website verantwortlich fühlt und auch über ein entsprechendes Zeitbudget verfügt. Denn eine einigermaßen aktualisierte Website mit einem moderierten Forum erfordert im Durchschnitt mindestens zwei Stunden Arbeit am Tag!

Etwas weniger aufwändig sind Websites, die nur zu einem Anlass eingerichtet werden, sei es für einen Demonstrationsaufruf oder ein Konzertprogramm. Auf Werbezetteln bzw. Flugblättern wird dann auf die Website hingewiesen, auf der sich alle wichtigen Aktualisierungen, Fotos und Details zum Programmablauf finden. Ein Beispiel ist leipzig-courage-zeigen.de, ein kostenloses Konzert-Event gegen Nazis, das seit elf Jahren jedes Jahr im April vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal stattfindet.

Learning by Doing

Auch das sollte beherzigt werden: Sich nicht abschrecken zu lassen, wenn manche andere Website beneidenswert perfekt aussieht – alle technischen Kniffe lernt man nur durch das Prinzip „learning by doing“. Auch die eigene Website wird sich „steigern“. Wenn sie ist eingerichtet, sollte in der Lokalpresse dafür geworben werden. Bitte Lokalreporter, Dein Anliegen und Deine Website vorzustellen und vergiss nicht, auch Wochenwerbeblätter deshalb anzusprechen. Die suchen in der Regel händeringend nach Lesestoff. Der Vorteil: sie landen in jedem Haushalt, eine eigene Tageszeitung wiederum leistet sich nicht jeder.

Was solltest Du noch beachten? Bitte einen guten Freund oder eine Freundin, auf frische Texte zu schauen und sie gegenzulesen. Dieses „Vieraugenprinzip“ lohnt sich, um Sinn- und Tippfehler schnell zu beheben, denn alleine am Monitor übersieht man oft doch sehr viel.

Und wenn Neonazis schreiben, Dich beschimpfen oder drohen? Erst einmal entspannt bleiben und im Zweifel der Polizei melden. Eigentlich kannst Du Dich aber freuen, denn Euer Internetauftritt wird augenscheinlich ernst genommen.

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