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Burak Bektaş Nach sechs Jahren immer noch ein unaufgeklärter Mord

In der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 stehen Burak Bektaş und vier Freunde an einer Bushaltestelle in Neukölln. Ein Mann zwischen 40 und 60, zwischen 1,70 Meter und 1,80 Meter, taucht aus der Dunkelheit auf – vielleicht mit Basecap, vielleicht mit Kapuze, so die Personenbeschreibung der Polizei.  Dann fallen Schüsse. Niemand kann sich erinnern, wieviele genau es waren. Zwei der Freunde werden schwer verletzt, aber überleben die Tat nach Notoperationen. Burak Bektaş stirbt im Krankenhaus an einem Lungendurchschuss. Er war 22 Jahre alt.

 
Dieses Foto wurde 2014 aufgenommen. Auch vier Jahre später, ganze sechs Jahre nach der Tat, wissen die Behörden nicht, wer Burak Bektaş ermordet hat. (Quelle: (c) dpa)

Seit mittlerweile sechs Jahren ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft – ohne Erfolg. Das Umfeld der vier Überlebenden wurde ergebnislos durchleuchtet. Ein gezielter Anschlag wurde ausgeschlossen. Die fünf hatten sich zufällig getroffen, der Angriff hätte so nicht geplant werden können. Die Polizei konnte zu wenige Spuren sichern, um Rückschlüsse auf den Täter ziehen zu können.

Wo heute, sechs Jahre nach der Tat, neue Spuren herkommen könnten, ist fraglich – einzig, dass sich Mitwisser_innen melden könnten oder der Täter sich stellte. Der Journalist Philip Meinhold, der für den RBB eine Podcastserie über den Mord produziert hat, sagt 2017 in einem Interview mit dem RBB, dass weiterhin ermittelt wird: „Der Stand der Ermittlungen ist im Prinzip so, wie er damals war. Die Hinweise und Spuren, die es gab, sind abgearbeitet, und der Fall ist nicht geschlossen. Das heißt, die Ermittler warten im Prinzip darauf, dass neue Hinweise auftauchen, denen sie nachgehen können.“ Auch ein Jahr später hat sich das nicht geändert.

Die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş“, die sich wenige Monate nach der Tat gründete, vermutete schon damals einen rassistischen Hintergrund:  „Auch wenn wir es nicht mit Sicherheit sagen können, gehen wir davon aus, dass Burak B. von Rassisten ermordet wurde.“

Ein merkwürdiger Zufall: Am selben Tag, nur 20 Jahre früher, wurde Georg Kaindl in Neukölln tödlich verletzt. Kaindl war Funktionär der Neonazi-Organisation „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ und gilt Rechtsextremen bis heute als „Märtyrer“.

Weitere Hinweise könnte ein Fall geben, der sich 2015 auch in Neukölln ereignete. Damals wurde der in Berlin lebende Brite Luke Holland vor einer Bar mit einer Schrotflinte erschossen. Der Täter war Rolf Z., mittlerweile wegen Mordes zu elf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Der 63-Jährige war Stammgast der Bar und hatte sich beschwert, dass „nur noch Englisch und Spanisch gesprochen“ würde.

Philipp Meinhold weist in einem aktuellen Beitrag auf die „auffälligen Ähnlichkeiten“ in den beiden Fällen hin. Auch beim Mord an Luke Holland kannten sich Opfer und Täter vor der Tat nicht. Rolf Z. flüchtete nicht sofort, sondern verharrte kurze Zeit am Tatort. Dasselbe soll auch der Mörder von Burak Bekta? getan haben.

Obwohl in Z.s Wohnung massenhaft Nazi-Devotionalien, inklusive einer Hitler-Büste und mehreren Waffen, gefunden wurden, konnte das Gericht kein eindeutiges Motiv feststellen. Dem Täter Hass auf Migrant_innen zu unterstellen sei nur “ein vager Rückschluss aus seiner Sammelleidenschaft”.

Onur Özata, der Anwalt der Eltern dazu: “Es wurde halt euphemistisch ein bisschen als Herrenzimmer, Sammlerzimmer bezeichnet, dort, wo sich diese Portraits gehäuft haben, wo sich eine Büste gefunden hat, wo eine Flagge gefunden wurde der rechtsradikalen Band Landser. Aber das alles war nicht Beleg genug für das Gericht, da eine Fremdenfeindlichkeit des Angeklagten zu sehen, und auch in der Tat keine fremdenfeindliche Motivation zu sehen.“

Melek Bektaş, die Mutter des Opfers, ist sich sicher, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Morden gibt.

Z. war auch schon in den Ermittlungen zum Mord an Burak Bektaş aufgetaucht. Ein Zeuge hatte ausgesagt, ihn zu Schießübungen im Keller des Hauses von Z.s Bruder gefahren zu haben, ganz in der Nähe des späteren Tatorts. Z. soll damals auch nach Pistolenmunition gefragt haben. Im Gegensatz zu Luke Holland wurde Burak Bektaş mit einer Pistole ermordet.

Auch nach sechs Jahren ist Burak Bektaş nicht vergessen. Am Sonntag (08.04.2018) wird an der Rudower Straße, Ecke Möwenweg ein Mahnmal enthüllt, das an ihn erinnern und gleichzeitig die Ermittlungsbehörden auffordern soll, die Ermittlungen neu aufzunehmen. 40.000 Euro an Spenden wurden gesammelt, um den Gedenkort zu ermöglichen. “Der Gedenkort steht für all den Schmerz, die Trauer und die Wut, welche Buraks Angehörige seit dem Mord begleiten”, so eine Sprecherin der Initiative.

Ab 14 Uhr findet eine Demonstration ab der U-Bahnstation Britz Süd statt, die zum Gedenkort führen wird. Dort wird dann ab 15 Uhr die Gedenkskulptur enthüllt.

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