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Berlin Antisemitischer Angriff auf offener Straße

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(Quelle: JFDA)

Der Betroffene hatte den Vorfall gefilmt und in einer Facebookgruppe geteilt. Im Video ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und dabei immer wieder „Yahudi“, das arabische Wort für „Jude“, brüllt. Erst im Dezember 2017 wurde ein ähnlicher Vorfall gefilmt, bei dem der Betreiber des israelischen Restaurants „Feinberg’s“ in Berlin-Schöneberg von einem Passanten auf übelste antisemitisch beschimpft wurde.

Die Polizei gibt an, dass der mutmaßliche Täter von Dienstag bereits vor der Szene im Video versucht hatte, den Betroffenen mit einer Glasflasche zu schlagen, das sei von einer Zeugin verhindert worden. Der Staatsschutz ermittelt jetzt gegen insgesamt drei Beschuldigte wegen Beleidigung und schwerer Körperverletzung.

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung sagt dazu: „Lange war Antisemitismus kein Thema, aber es gab ihn trotzdem. Dass er heute bemerkt wird, ist ein erster Schritt. Antisemitismus gibt es leider nicht nur in Schulen, wir müssen uns hier ganz dringend auch die Jugendeinrichtungen anschauen. In der offenen Jugendarbeit geht mitunter die Post ab, doch hier wird es kaum problematisiert. Daran muss sich etwas ändern. Besonders Pädagog_innen und Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, müssen wissen, was an den Schulen und auf der Straße passiert und dürfen nicht wegschauen. Die Politik kann das Problem nicht verschwinden lassen, aber sie kann Bedingungen schaffen, unter denen es bearbeitet werden kann.“

Auch Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations äußerte sich zu dem Vorfall: “Der jüngste Übergriff zeigt, dass bei antisemitischer Gewalt mittlerweile sämtliche Hemmschwellen gefallen sind. Wir dürfen die Augen vor dem immer häufiger auftretenden Antisemitismus in Teilen der arabischen und muslimischen Community nicht verschließen. Es darf nicht sein, dass Juden auf unseren Straßen zu Freiwild werden.“

Der Angriff kommt kurz nach der skandalösen Echo-Verleihung bei der ausgerechnet an Jom haScho’a, dem Tag an dem in Israel den Opfern des Holocaust  und dem jüdischen Widerstand gedacht wird, die Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Beide waren immer wieder durch antisemitische Textzeilen aufgefallen. Schon im Vorfeld gab es Proteste gegen die Auszeichnung, was die Echo-Organsiator_innen allerdings nicht daran hinderte, den beiden auch noch die Bühne für einen mehrminütigen Auftritt zu überlassen. Mehrere Künstler_innen haben mittlerweile angekündigt, ihren Echo zurückzugeben.

 

Warum nicht einfach die #Echos, die alle „zurückgeben“ wollen, auf @eBayDE_News an Fans versteigern und den Erlös an ein Antisemitismus-Projekt spenden? @igorpianist @Klaus_Voormann @MMWesternhagen @AmadeuAntonio @JFDA_eV #ECHO2018

— Vice_Germany (@Vice_Germany) 18. April 2018

 

Auch wenn die Gesellschaft endlich sensibler auf Judenhass reagiert, so ist doch immer noch sehr viel zu tun. Viele Übergriffe werden nicht angezeigt oder nicht genug beachtet. Anetta Kahane dazu: „Auch dort, wo Juden es nicht mit dem Handy filmen, gibt es solche Vorfälle.“

 

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