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Hallo besorgte Bürger und Bürgerinnen Rassismus löst Ihre Sorgen nicht!

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Es gibt wirklich keinen guten Grund, rechtspopulistisch zu wählen - denn dort gibt es keine Lösungen, nicht mal für die Probleme, die sie selbst erfunden oder dramatisiert haben. (Quelle: BTN / Kein Grund, Rassist zu werden)

 

Wer AfD-Vertreter_innen zuhört oder in der rechten Internetsphäre unterwegs ist, der muss wirklich Angst bekommen um den Frieden in Deutschland und die Lage in der Welt. Aber stimmt das so und warum wird es erzählt? Hier gibt es eine kurze Gegenrede zu den beliebtesten rechtsalternativen Erzählungen des letzten Jahres, die jetzt auch im Wahlkampf viel Konjunktur haben.

 

Heute: “Fremde sind schlecht und Barbaren” und “Der Widerstand ist auch schon da”.

 

Die beliebtesten toxischen Narrativen der „alternativen Rechten“ im Internet hat der Monitoring-Bericht des Projektes „De:Hate“ der Amadeu Antonio Stiftung ermittelt.

Hier finden Sie die Broschüre „Toxische Narrative – Monitoring Rechts-Alternativer Akteure“ zum Download. 

 

“Fremde sind schlecht und Barbaren”

 

Was wird erzählt?

„Fremde“ – gemeint sind in der Regel Menschen aus nicht-europäischen Ländern und/oder Muslime – haben durch Herkunftsland  eine Kultur oder Wertvorstellungen, die rückständiger sind als in Deutschland / Europa.  Varianten: Sie halten sich nicht an Recht und Gesetzt, behandeln Frauen schlecht und/oder betrachten sie als Freiwild, haben keine Ahnung von Hygiene, verachten Homosexuelle. Schlimmstenfalls sind sie Gewalttäter und Vergewaltiger.

 

Warum wird es erzählt?

Die Abwertung von etwas, was als „anders als ich“ wahrgenommen wird, dient auch dazu, die eigenen Einstellungen aufzuwerten, also hier die eigene Gesellschaft als fortschrittlich und freiheitlich darzustellen.

Gerade in diesem Fall werden einzelne Erlebnisse als Grundlage allgemeiner Erkenntnisse interpretiert: Ich kenne eine Person aus Land X oder mit Religion Z, die unfreundlich zu Frauen ist, dann müssen alle so sein. Medien tragen auch zu dieser Wahrnehmung bei, wenn sie etwa vor allem bei Kriminalberichterstattung den Bezug zur Herkunft oder Religion setzen.

Wird das mit Herkunft oder Hautfarbe verknüpft, ist das Rassismus – und der ist in Deutschland durchaus verbreitet mit Zustimmungsraten um die 30 Prozent  (vgl. Studie „Enthemmte Mitte“) . Wir das mit dem Islam verknüpft, ist es Islamfeindlichkeit – die ist auch verbreitet mit Zustimmungen um die 45 Prozent (auch da).

 

Was ist das Problem?

Stellen Sie sich einfach einmal vor, jemand würde das über alle Menschen behaupten, die in Deutschland wohnen oder die Christen sind – dann wird die unsinnige Verallgemeinerung deutlich, die in diesen Vorwürfen steckt. Hier ist es aber nicht nur eine Verallgemeinerung, sondern eine Abwertung.

Aus diesen Erzählungen wächst nicht nur Misstrauen gegenüber Menschen, die mir nichts getan haben, außer dass ich sie nicht kenne, sondern schlimmstenfalls Beschimpfungen und Gewalt (siehe Angriffe auf Geflüchtete).

Dieser Rassismus schürt Ängste und schafft Probleme. Lösen tut er nichts.

 

Und warum stimmt es nicht, dass Fremde schlecht und Barbaren sind?

Weil es in allen Menschengruppen Menschen mit mehr oder weniger Bildung gibt, mit fortschrittlichen oder konservativen Ansichten,  mit mehr oder weniger Fähigkeiten, auf Neues und Ungewohntes zuzugehen.

Es gibt auch Konflikte, wenn Menschen aus anderen Ländern zuwandern. Aber zu sagen, dass alle Menschen aus Land X oder mit Religion Z. rückständige Barbaren sind, ist eine rassistische Abwertung.

Die rassistische Abwertung löst keine Probleme, nie. Dafür schafft sie neue: Statt über konkrete Konflikte zu reden und Lösungen zu finden, die Zusammenleben besser machen, werden verbale Mauern zwischen „Wir“ und „Die“ aufgebaut, die Konflikte verschärfen.

Wer Werte hat, mit denen er oder sie glücklich ist, muss sie vermitteln, statt Menschen abzuwerten, die sie vermeintlich nicht teilen.

Auch unter Migrant_innen und Geflüchteten finden Menschenfeindlichkeit wie Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit , Antiziganismus oder Antisemitismus bei einigen Menschen Zustimmung – genau wie etwa in der deutschen Gesellschaft auch. Und die müssen genauso inhaltlich bearbeitet werden – nicht markiert, ausgestellt und instrumentalisiert, um abzuwerten.

Dazu kommt: Nicht alle, die als „fremd“ oder „Muslim“ markiert werden, sind es auch. Deshalb sind rechtspopulistische „Lösungen“ (z.B. Grenzen dicht, kein Asyl) sinnlos und auch wirkungslos – denn dann gibt es immer noch Muslime und Deutsche mit verschiedenen Hautfarben und Herkünften im Land, die „Rechtsalternative“ nicht als „deutsch“ anerkennen, obwohl sie es sind.

Außerdem ist Deutschland leider nicht so fortschrittlich, etwa bei  Homo- und Transfeindlichkeit oder Sexismus, wie es diejenigen behaupten, die damit Zuwanderer abwerten (vgl .auch hier Studie „Enthemmte Mitte“)

 

“Der Widerstand ist auch schon da”

 

Was wird erzählt?

In Wirklichkeit sind Rechtsopulist_innen die Mehrheit in Deutschland. Ganz viele Menschen wachen auf und wehren sich gegen Zuwanderung oder gegen die Islam. Aber ganz viele trauen sich auch nicht (Zensur, Nazikeule usw.).

 

Warum wird es erzählt?

Rechtspopulist_innen sind eine Minderheit in Deutschland (Einstellungsforschung: Knapp 25 % der Menschen in Deutschland, vgl. Studie „Enthemmte Mitte“). Die Moderne- und Vielfalt-Verweigerer möchten aber gern eine Mehrheit sein.

Es gibt – gerade in Wahlkampfzeiten– deutlichen Widerstand gegen die menschenfeindlichen oder autoritaristischen Aussagen von Rechtspopulist_innen.

Deshalb versuchen Menschen in Rechtsaußen-Kreisen, sich gegenseitig zu versichern, sie wären noch viel mehr – sicher auch als Wunsch einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

 

Was ist das Problem?

Die Überzeugung, eine (unterdrückte) Mehrheit zu sein, macht die Minderheit der Rechtspopulist_innen in Deutschland gerade so laut und sendungsbewusst.

Weil die rechtspopulistischen Einstellungen seit 2013 neue Formen gefunden haben – weg vom Stammtisch und geschlossenen Internetforen, hin zu Straßenprotest (Pegida) oder in Parteiform (AfD), bekommen deren Vertreter_innen und ihre Hass-Themen viel Aufmerksamkeit in Medien und Politik – und bestimmen damit leider manchmal Diskurse (etwa in den Talkshows im Bundestagswahlkampf 2017).

Teile der „rechtsalternative“  Kreise sehen darin auch eine Begründung für Beschimpfungen und Gewalttaten.

 

Und warum stimmt es nicht, dass der Widerstand gegen Zuwanderung wächst?

Die Erzählung funktioniert auch hier über Verallgemeinerungen: Einzelne Fälle von rassistischen oder islamfeindlichen Übergriffen in Deutschland werden als „Widerstand“ gedeutet und damit für Rechtspopulist_innen aufgewertet. Die Funktion ist Empowerment für die „rechtsalternative Szene“.   Verstärkt wird sie durch eigene, rechtsalternative Medien.

Problematisch wird das übrigens, wenn es dazu führt, dass über manche realen Probleme vor Ort nicht mehr gesprochen wird aus Angst vor dem rechten Hass, der sie instrumentalisieren wird.

Wenn Schweineköpfe vor Moscheen gelegt, Frauen das Kopftuch heruntergerissen wird oder Flüchtlingsunterkünfte angegriffen werden, ist dies aber kein „Widerstand gegen Zuwanderung“, sondern Islamfeindlichkeit und Rassismus.

Und wer so etwas gut findet, ist selbst ein Islamfeind und Rassist, der grundlegende Mechanismen des demokratischen Diskurses nicht verstanden hat.

Der Großteil der Menschen in Deutschland läuft allerdings nicht bei „Pegida“ mit, wählt nicht die AfD, ist daran interessiert, dass das Zusammenleben in Deutschland funktioniert und begreift Zuwanderung als Chance und Glück für mehr Vielfalt und Freiheit und ist daran interessiert, die eigenen Werte und Überzeugungen zu diskutieren und zu vermitteln.

 

Mehr gute Nachrichten gibt es morgen!

 

Dann beschäftigen wir uns mit den rechtsalternativen Thesen

„Deutschland geht unter“ und „Der politische Gegner ist schlecht“.

 

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