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Kommentar von Robert Claus Das Neonazi Kampfsport-Event KdN wurde zu Recht verboten

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Das extrem rechte Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ (KdN) – geplant für den vergangenen Samstag im sächsischen Ostritz – wurde von staatlichen Behörden verboten. In letzter Instanz sah es das Oberverwaltungsgericht in Bautzen als erwiesen an, dass auf dem KdN „Kampftechniken gezeigt werden, die auch gegen Polizeikräfte zum Einsatz kommen sollen“ und somit die „grundgesetzlich geschützte staatliche Ordnung betroffen sei“. Material für diese Entscheidung hatten ihnen die Organisatoren des Neonazi-Events selbst zu Hauf über die vergangenen Jahre geliefert: Sponsoren verkaufen ihren Merch auf der Homepage „2yt4u“ – „Too White for you“ – eine rassistische Kampfansage. Organisatoren des KdN bezeichneten unsere Demokratie als „faulendes politisches System“ und sprechen vom Training für den „Straßenkampf“. Damit sind die Ziele klar formuliert.

Somit stand der KdN von Beginn an in der Tradition des militanten Neofaschismus in Deutschland. Für diesen wiederum war es keineswegs neu, das Kämpfen in irgendeiner Form zu trainieren. Doch wurde mit dem KdN seit dem ersten Turnier 2013 in der pfälzischen Eifel eine Event-Kultur aus politischem Hass und gewalttätiger Männlichkeit geschaffen, die sich mit modernem Event-Management, internationalen Netzwerken und engen Verbindungen zum Rechtsrock an Hooligans und Neonazis richtete. Das Ziel war es – und wird es weiterhin sein – die Szene zu vernetzen, extrem rechte Strukturen zu finanzieren und Nachwuchs über die Gewalt zu rekrutieren. Denn im Kampfsport hat die Szene ihre Gewalt professionalisiert, die trainiert für den politischen Umsturz am viel beschworenen Tag X.

Letztlich hat die offen zur Schau gestellte, extrem rechten Militanz des KdN zum Verbot der Veranstaltung geführt. Die Szene des Nazi-Kampfsports verliert für dieses Jahr ihr Schlüssel-Event. Dies ist ein wichtiger Schritt, doch leider kein Anlass zur Entwarnung. Denn erstens kann das Problem extrem rechter Gewalt und rechten Terrors nicht auf das Feld des Kampfsports reduziert werden – wie die lange Liste extrem rechter Gewalttaten zeigt. Zweitens ist der KdN als Organisation (noch) nicht verboten, zumal mit dem Tiwaz ein Nachfolge-Event in den Startlöchern stünde. Auch könnte die Szene wieder dazu übergehen, kleinere regionale Fight Nights geheim zu organisieren. Drittens sind die Personen und Netzwerke weiterhin aktiv und insbesondere in die osteuropäischen, extrem rechten, Hooligan-Szenen bestens vernetzt. Viertens beschränkt sich das Problem von Neonazis im Kampfsport nicht auf Events aus der extrem rechten Szene. Noch immer stehen Neonazis viel zu oft auf den Fight Cards gängiger Fight Nights: Von der German MMA Championship bis hin zur Vogtländer Fight Night am kommenden Samstag.

Auch die Landschaft des Kampfsportes in Deutschland generell – Gyms, Eventveranstalter und Verbände – hat eine soziale Verantwortung und sollte den Auftrag pädagogischer Prävention sowie einer klaren Haltung gegen extrem rechte Gewalt deutlich ernster nehmen. Denn natürlich sind Neonazis auch im Kampfsport prozentual nur eine Minderheit, doch lernen sie dort Kampftechniken, die zu politischer Gewalt genutzt werden. Ohne eine konsequente und langfristige Präventionsarbeit werden Verbote das Problem der extrem rechten Aktivitäten im Kampfsport nicht lösen.

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Gewaltaffine Neonazis trafen sich am Wochenende beim „Kampf der Nibelungen“ in Ostritz

Am vergangenen Wochenende fand im sächsischen Ostritz das völkisch-faschistoide Kampfsport-Event „Kampf der Nibelungen“ statt. Rund 700 Teilnehmer*innen reisten aus allen Teilen Deutschlands und dem europäischen Ausland an: ein ziemlich gewaltbereites und gefährliches Publikum. Wenige Meter entfernt auf dem Marktplatz wurde auf einem „Friedenslauf“ Geld für Aussteigerprogramme gesammelt.

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