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Land unter? So sehen völkische Familien und ihre Ideologie aus

(Quelle: Unsplash)

Das völkische Denken ist von starren Geschlechterrollen geprägt. Rechtsextreme wollen diese Rollen erhalten, da ihrer Meinung nach der Erhalt des deutschen Volkes davon abhängt. Von Jungen und Männern wird erwartet, stark und streng gegenüber sich selbst und anderen zu sein und keine Schwäche zu zeigen. Ihnen kommt die Rolle des „politischen Soldaten“ zu, der als vermeintliche Elite zentrale Positionen in der rechtsextremen Szene einneh-men und den Nachwuchs führen soll. Frauen wird vermittelt, dass sie erst durch ihre Mutterschaft vollwertige Mitglieder der „Volksgemeinschaft“ werden. Für heranwachsende Mädchen stellt die Erwartungshaltung, viele Kinder auszutragen, einen deutlichen Eingriff in ihre körperliche Selbstbestimmung dar.

Die vermittelten Geschlechterrollen können sich auch in einem traditionalistischen äußeren Erscheinungsbild der Kinder widerspiegeln. In der Regel können die Kinder über ihren Kleidungsstil nicht selbst entscheiden. Ihr äußeres Erscheinungsbild hebt sie deutlich von Gleichaltrigen ab, was zu sozialer Isolation und Unzufriedenheit der Kinder führen kann.

Die Kindeserziehung in völkischen Familien erfolgt zudem in deut-licher Abgrenzung zu Bildungsansätzen von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. Neben starren Geschlechterrollen wird den Kindern vermittelt, dass Heterosexualität die einzig akzeptable Form der Sexualität ist.

Rechtsextreme Frauen werden in der Öffentlichkeit nicht im gleichen Maße als überzeugte Ideologinnen und gewaltbereite Täte-rinnen wahrgenommen wie Männer. Ihr Auftreten als liebevolle Mutter, nette Erzieherin oder freundliche Nachbarin scheint im Widerspruch zu ihren rechtsextremen Positionen zu stehen. Doch hinter dieser Sichtweise steckt das Vorurteil, Frauen seien weniger politisch interessiert oder „von Natur aus“ friedlicher und weni-ger gewalttätig. Das führt dazu, dass das vielfältige politische Engagement von rechtsextremen Frauen übersehen und ihre große Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Szene ausgeblendet wird.

Völkische Familien

Für völkische Akteur*innen ist die Familie die „Keimzelle des Volkes“, die als solche besonders geschützt werden muss. Völkische Familien sind oft kinderreich, da sie ein „Aussterben des Volkes“ als reale Gefahr ansehen und so das deutsche Volk stärken wollen. Die Kinder tragen germanische Namen, moderne Technik ist zum Teil Tabu. Das Wohl des Kindes wird einer strengen Erziehung nach den Prinzipien Disziplin und Gehorsam untergeordnet, die eine Gefährdung der Gesundheit des Kindes oftmals billigend in Kauf nimmt. Eine individuelle Persönlichkeitsentwicklung, die sich an den Wünschen und Bedürfnissen des Kindes orientiert, ist hingegen nicht vorgesehen.

Der Erziehung in völkischen Familien liegt ein stark funktionaler Ansatz zugrunde: Ihr Ziel ist, überzeugte und ideologisch gefestigte rechtsextreme Aktivist*innen großzuziehen, die ihr Leben und Wirken in den Dienst der „Volksgemeinschaft“ stellen. Sie sollen ihre eigenen Bedürfnisse dem Kollektiv unterordnen und sich in die autoritären Machtverhältnisse innerhalb der Szene einfügen. Das Wohl des Kindes wird einer strengen Erziehung nach den Prinzipien Disziplin und Gehorsam untergeordnet. Es soll seine eigenen Bedürfnisse dem Kollektiv unterordnen und sich in die autoritären Machtverhältnisse innerhalb der Szene einfügen. Zudem wird erwartet, dass sie später führende Positionen in der Szene einnehmen und diese stärken. Eine freie Entfaltung der Kinder ist nicht gewährleistet.

Aussteiger*innen berichten, dass Kinder in völkischen Familien mit einem klaren „Freund-Feind-Schema“ aufwachsen, was zu einem für sie ab der frühen Kindheit belastenden „Doppelleben“ führt. Sie sind gezwungen, ihr Privat- und Familienleben gegenüber Außen-stehenden geheim zu halten. Ihre Eltern versuchen, sie von äußeren Einflüssen, die der rechtsextremen Ideologie entgegenlaufen, abzuschotten und eng an die Familie und die rechts extreme Szene zu binden. So wollen sie verhindern, dass ihre Kinder die Ideo-logie kritisch hinterfragen. Soziale Kontakte zu Außenstehenden sollen hingegen begrenzt werden. Dies erschwert den Ausstieg aus der völkischen Szene, da er einen absoluten Bruch mit der eigenen Familie und Freund*innen bedeuten würde.


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