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Land unter? Völkische Siedler*innen – Was tun in der Nachbarschaft und Kommune

(Quelle: Unsplash)

Völkische Rechtsextreme hoffen, „auf dem Land“ möglichst ungestört von zivilgesellschaftlicher Gegenwehr siedeln und Strukturen aufbauen zu können. Wenn dies gelingt, werben Rechtsextreme in ihrer Szene Gleichgesinnte an. Langfristig soll so eine rechte Hegemonie in strukturschwachen Räumen errichtet werden.Die besondere soziale Nähe im ländlichen Raum führt neben einer erhöhten Kontrolle teilweise auch dazu, Problemen aus dem Weg zu gehen, weil andernfalls jahrelange Auseinandersetzungen im eigenen sozialen Nahraum drohen. So bleibt rechtsextremes Verhalten im Alltagsleben oft unkommentiert, da die Skrupel, eine Konfrontation einzugehen und sich dadurch womöglich in Gefahr zu bringen sowie den sozialen Frieden des Dorfes zu stören, zu groß sind.

Wenn Sie in Ihrer Nachbarschaft mit völkischen Rechtsextremen konfrontiert sind:

Seien Sie aufmerksam! Erkennen Sie Rechtsextreme in Ihrem Umfeld, bevor es diesen gelungen ist, die Dorfstrukturen zu unter-wandern. Dafür ist es wichtig, sich mit aktuellen Erscheinungs-, Aktions- und Argumentationsformen von Rechtsextremen zu beschäftigen. Auf den letzten Seiten dieses Hefts finden Sie Infor-mations- und Beratungsstellen sowie wichtige Publikationen zu der Thematik.

Tauschen Sie sich aus! Suchen Sie nach Vertrauenspersonen und tauschen Sie sich mit diesen über die völkischen Entwicklungen aus. Haben Ihre Nachbar*innen ähnliche Beobachtungen und Erfahrungen gesammelt? Sprechen Sie dabei über Ihre konkreten Sorgen und beratschlagen Sie gemeinsam, was zu tun ist. Überlegen Sie sich, welcher Umgang für Sie persönlich der beste ist, wo Sie Ihre Grenzen ziehen und wie Sie sich in bestimmten Situationen verhalten wollen.

Werden Sie aktiv! Suchen Sie sich Hilfe von Expert*innen wie der Amadeu Antonio Stiftung, den regionalen Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus oder Bürgerbündnissen. Mit Informationsveranstaltungen können Sie weitere Menschen auf die Pro-blematik aufmerksam machen. Vernetzen Sie sich mit anderen Personen, die eine ähnliche Problemwahrnehmung haben, und erarbeiten Sie eine gemeinsame Zielsetzung und eine Strategie, wie Sie diese erreichen können.

Was tun in der Kommune?

Der ländliche Raum wird von der rechtsextremen Szene als Expe-rimentierfeld für ihre politischen Aktionsformen angesehen. Völ-kische Siedler*innen lassen sich mit Vorliebe in strukturschwachen Regionen nieder, da sie hier wenig politische Gegenwehr bei dem Versuch, strategisch Räume zu ergreifen, erwarten. Hier haben sich Parteien und zivilgesellschaftliche Akteur*innen weitestgehend zurückgezogen, es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit, die Bevölkerung ist vergleichsweise homogen und durch den Wegzug junger, qualifizierter Menschen zusehends überaltert. Um der rechtsextremen Raumergreifung entgegensteuern zu können, braucht es ein Bewusstsein in Kommunen, Gemeinderäten und Verwaltungen. Ein Austausch mit bereits betroffenen Kommunen und eine Beratung durch die Amadeu Antonio Stiftung oder das lokale Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus – jeweils auch präventiv – sind daher ratsam.

Wenn Sie in Ihrer Kommune mit völkischenRechtsextremen konfrontiert sind:

Ernst nehmen! Nehmen Sie das Problem völkischer Akteur*innen ernst – selbst wenn Ihre Kommune bislang nicht stark betroffen scheint. Völkische Rechtextreme agieren meist unauffällig und treten zunächst kaum öffentlich in Erscheinung. Ein präventives Handeln und ein Konzept zur Entwicklung des ländlichen Raums ermöglichen es, selbst die Kontrolle zu behalten.

Augen auf beim Immobilienkauf! Um zu verhindern, dass eine Region ein völkisches Siedlungsgebiet wird, ist es notwendig, dass sich Kommunen und Verantwortliche vor Ort eine Strategie für den Fall überlegen, dass Rechtsextreme versuchen, Immobilien zu erwerben. Dafür ist es notwendig, bei einem anstehenden Verkauf die Beteiligten für die Problematik zu sensibilisieren. Im Zweifel sollten Kommunen ein eigenes Angebot abgeben, um rechtsextreme Treffpunkte im eigenen Landkreis zu verhindern. Die Immobilien können stattdessen genutzt werden, um zivilgesell-schaftliche Räume vor Ort zu schaffen.

Demokratie gestalten! Eine langfristig wirkmächtige Prävention von Rechtsextremismus besteht darin, die demokratische Kultur vor Ort zu stärken. Dazu gehört es, Formen der zivilgesellschaftlichen Mitgestaltung zu stärken, attraktive kulturelle Angebote für alle Altersschichten zu schaffen sowie gesellschaftliche Minderheiten mit einzubeziehen. Zivilgesellschaftliche Initiativen müssen auch von der Kommune und Landesregierung unterstützt werden, um rechtsextremer Agitation eine offene, vielfältige Gesellschaft entgegensetzen zu können.


Die neue Broschüre „Land Unter? Handlungsempfehlungen zum Umgang mit völkischen Siedler*innen“ können Sie hier bestellen und herunterladen.

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