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Monitoring Was machen die Israel-Fahnen hier? Pegida-Fans über „Jewgida“

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Hier stehen "Jewgida"-Aktivist_innen auf der Pegida-Demonstration in Dresden, auf der Geert Wilders sprach (13.04.2015) (Quelle: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Manifestiert hat sich „JewGida“ bisher vor allem in Berlin. Zu den „Bärgida“-Demonstrationen gesellte sich ab Februar 2015 ein kleines Grüppchen von Menschen mit dem Plakat einer Israelfahne, in deren Mitte aber nicht nur ein Davidstern zu sehen ist, sondern auch der Schriftzug „JewGida“. Hauptinitiator ist ein nach eigenen Angaben amerikanischer Jude namens Samuel oder Sam, der immer Kippa und gern das „JewGida“-Schild trägt.  Von den Organisatoren von „Bärgida“ darauf angesprochen –  so schreibt es „Mario“ von „Bärgida“ auf dem Blog „Politically incorrect“ – sagten die „JewGida“-Aktivist_innen: „Hauptsächlich sind wir gegen Antisemitismus und gegen eine fortschreitende Islamisierung.“ Weiter heißt es: „Sie wollen versuchen, auch mit dem Zentralrat zu sprechen, denn viele Juden stehen klar hinter Pegida, trauen es sich aber nicht zu äußern.“ Bärgida war daraufhin von der Rechts-Schaffenheit der jüdischen Mitdemonstrant_innen überzeugt.

Doch da entweder Jewgida-Aktivist Sam oder die Organisatoren von „Bärgida“ offenbar einen gewissen Erklärungsbedarf, durfte „Sam“ am 23. Febraur 2015 denn auch ans Mikrophon treten und seine Positionen erläutern. Dabei stellt er sich als ein seit 26 Jahren in Deutschland lebender amerikanischer Jude vor und erweist sich in seinen Argumentationen als ein geübter Rechtspopulist,  der die verschiedenen Themenstränge dieses Genres geschickt zu verknüpfen weiß: Nicht Nazis, sondern Islamist_innen sind Schuld am Antisemitismus in Deutschland! Der „Kampf gegen Rechts“ ist pathologisch, ein „Gelddruckmaschine für Berufsbetroffene und Windmühlenkämpfer“. „Sam“ verbreitet Antiamerikanismus („Die USA wollen die Kulturen Europas zerstören“) und kombiniert ihn mit dem derzeit viel kritisierten TTIP-Abkommen, er wettert gegen bezahlte Gegendemonstrant_innen, wie es sich für einen Pegida-Teilnehmer gehört. Doch er sagt natürlich auch Irritierendes, etwa, dass man die Bewachung von Synagogen und jüdischen Kultureinrichtungen nicht „bezahlten Uniformträgern“ überlassen dürfe, sondern selbst „im Wechsel Freizeit opfern und Wache schieben solle.“ 

Doch auch wenn das „Jewgida“-Grüppchen, das inzwischen auf Demonstrationen im Bundesgebiet aufläuft, noch so sehr an die Rechtspopulist_innen anbiedert: Den alten Antisemitismus kriegt man eben doch nicht so schnell aus den Köpfen, auch mit neuem Feindbild nicht. „Manfred“ etwa meint:

Auch bei „Bärgida“ auf der Facebook-Seite muss die Pro-Jewgida-Fraktion hart argumentieren:

Auch „Kristina“ ist kritisch:

Genau! Der richtig wahre Antisemit weiß natürlich, dass „JewGida“ absolut zu erwarten war – schließlich unterwandern „die Juden“ doch alles! 

Da hat ein pragmatischer „Bärgida“-Fan aber schon eine – irgendwie altbekannt klingende – „Lösung“ parat:

Auch der langjährige NPD-Funktionär Karl Richter sagte in München Ähnliches über „JewGida“. Ärgerlich für Bärgida, die würden nämlich Richter und seine politische Mitschreiterin Sigrid Schüßler gern als Redner_innen nach Berlin einladen. Geht jetzt aber nicht – nicht wegen des langjährigen Engagements in der demokratiefeindlichen NPD, sondern:

Das findet „Bärgida“-Mario allerdings nicht richtig:

So viel zum Thema Distanz zu organisierten Neonazis.

Bei Politicallly Incorrect gibt es dagegen auch Kommentatoren, die einen taktischen Vorteil in jüdischen Pegida-Teilnehmer_innen sehen:

Diesem Kommentator dürfte sich „JewGida“ am 25.04.2015 nahe gefühlt haben. Denn an diesem Samstag trat „JewGida“ in Berlin erstmals außerhalb von Pegida auf den Plan: 6 Personen von „Jewgida“ versuchten, an den „Berlin gegen Hamas“-Protesten gegen die „13. Konferenz der Palästinenser in Europa“ in Berlin teilzunehmen.  Allerdings wollten die demokratischen Gegendemonstrant_innen JewGida nicht in ihren Reihen haben, berichtet „Politically Incorrect“. Der stets Kippa tragende „Sam“ und seine in eine Israelfahne gehüllte Begleiterin „ Leonie“ und ihre vier Freunde musste eine eigene Spontankundgebung anmelden, standen dann auf einer Wiese und filmten, dass Pro-Palästina-Demonstrant_innen nicht gerade mit Begeisterung auf das Grüppchen reagierten. Diese Aktion wiederum traf im Großen und Ganzen auf Zustimmung der PI-Gemeinde, auch wenn die Haltung zu „den Juden“ noch unklar bleibt:

Probleme, so zeigte es sich im Laufe der PI-Diskussion, gibt es aber auch anderer Art. Wer die deutsche Flagge verkehrt herum zeigt, der gehört – wohin nochmal?

Es ist heutzutage gar nicht so einfach, ein Rechtsextremer – ach nein, Rechtspopulist – zu sein.

Recherche: Malte Switkes vel Wittels, no-nazi.net

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