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Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern produzieren neue Schulhof-CD, um Jugendliche zu ködern

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Die neueste NPD-Schulhof-CD trägt den Titel „Freiheit statt BRD“, enthält vierzehn Lieder und hat eine Spielzeit von knapp 55 Minuten.

Musikalisch sind, mit Ausnahme von Hiphop und Techno, alle gängigen Musikstile ?von Balladen bis Hardcore? (Eigenbeschreibung) vertreten. Wie schon vor drei Jahren erscheint die Schulhof-CD zum Start des Landtagswahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern. Während die NPD auf ihrer letzen Schulhof-CD noch versuchte, mit moderaten Texten die Erstwähler des Landes zu gewinnen, ist die aktuelle CD offensiver, teils aggressiv ausgerichtet. Dies zeigt sich auch an ihrer Aufmachung, berichtet der Informationsdienst Rex MV : Sind die bisherigen CDs meist mit Begleitmaterial, Texten, Comics und Werbung versehen worden, kommt die aktuelle Ausgabe eher nüchtern daher. Außer einem schlichten Pappcover hat man gänzlich auf Zusatzinformationen verzichtet.

Themen der NPD: Freiheit – für rechte Täter

Die Liste der vertretenen Bands macht den aggressiven Tenor deutlich. Mit ?Blitzkrieg? und ?Arische Jugend? sind zwei Gruppen vertreten, die textlich eine härtere Gangart einschlagen ? allerdings werden sei auf dem Cover verschämt als ?BK? und ?A.J.? angegeben.

Die Themen, die die ?Schulhof-CD? aufgreift, drehen sich, wie der Titel schon vermuten lässt, um all die Freiheiten, um die sich die Rechtsextremen im heutigen Deutschland betrogen sehen. Gleichzeitig biegen sich die Bands und mit ihnen die NPD ein Weltbild zurecht, wie es den Neonazis passt.

So fokussiert etwa ?Division Germania? im Song ?Nazihorrorschau? auf Fälle, in denen ein rechtsextremer Übergriff nur vorgetäuscht oder ein rechtsextremer Täter nicht festgestellt werden konnte. : ?Potsdam, Mügeln und Passau: Willkommen in der Nazihorrorschau! Ein Griff ins Klo, mal wieder voll daneben, denn rechte Täter hat es nie gegeben! (?) Der Terror von Rechts, den es gar nicht gibt. Der Terror von Rechts bedroht die Republik. Der Terror von Rechts und es weiß ein jeder: Der Terror von Rechts stammt aus ihrer Feder.? Die Schlussfolgerung ist also: Dann gibt es insgesamt keine rechtsextremen Täter, die denkt sich immer nur die Presse aus.

Die ?Lunikoff Verschwörung? beklagt ?Und aus dir kleinen Querulanten wird ein Terrorist gemacht.? Und sieht ?Guantanamo? schon überall in Deutschland. Andere sorgen sich im Hier und Heute um ?Deutschlands Freiheit? oder besingen Deutschland in den Grenzen von 1937 und beklagen weinerlich ?Aus Stettin wurde Szczecin und der Fremde ist hier nun der Herr.? Bei ?Moshpit? geht es ? rhethorisch geschickter an Rebellentum appellierend – um Marionetten, Anpassung und neue Regeln, die man nun selbst vorgeben möchte.

Während ?Blitzkrieg? Hartz IV-Elend mit bösen, reichen Herzchirurgen kontrastieren, kann ?Frontalkraft? dem elenden kleinen Mann nicht so viel abgewinnen und macht sich in Moralapostelmanier über die ?Talkshownation? lustig. Auch die Antifa oder demokratische ?Anständige? sind Ziele von Spott. Besonders perfide ist der Song ?Alter Mann? von Nordfront ? hier wird das Schicksal eines Obdachlosen beklagt (der als Deutscher von seiner Umwelt kein Mitleid zu erwarten habe). Doch diese soziale Sorge trügt ? sind es doch oft rechtsextreme Täter, die Obdachlose zusammenschlagen oder gar ermorden, weil sie diese als wertlos und sich als so überlegen ansehen, dass sie sich sogar das Recht anmaßen, zu verletzen und zu töten.

Rechtsextreme Musik wird verteilt ? oft nur in Schulnähe, weil die Schulen wachsam sind

Der CD-Titel ?Freiheit statt BRD? wird auch als Motto bei Demonstrationen benutzt und taucht landesweit bei illegalen nächtlichen Sprühaktionen auf. In den letzen Jahren haben Schulen die Verteilaktionen der NPD auf ihrem Gelände unter Berufung auf ihr Hausrecht verboten ? daher haben NPD-Kader oft in der Nähe liegende Bahnhöfe oder öffentliche Plätze ausgesucht.

Landeskriminalamt will CD verbieten lassen

Nach erster Bewertung wird vom Landeskriminalamt bei einzelnen Titeln eine Jugendgefährdung gesehen. Aus diesem Grund wurde das Trägermedium der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zur Prüfung übersandt und die Indizierung angeregt. Ebenso wird derzeit geprüft, ob die Musiktitel volksverhetzende oder anderweitig strafrechtlich bedeutsame Inhalte enthalten.

Für die Zusammenstellung zeichnet laut Cover der Rostocker Jurastudent David Petereit, der selbst einige der auf der CD vertretenen Bands produziert. Petereit ist Mitarbeiter des NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow und zudem einer der führenden Köpfe der Kameradschaftsszene im Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus betreibt er u.a. den völkischen ?Levensboom?-Versand. Auch die rechtsextreme Internetseite MUPinfo ist auf seinen Namen registriert. Dort wird berichtet, die NPD habe 25.000 Exemplare der Schulhof-CD pressen lassen. Die Verbreitung dürfte aber noch steigen: Die NPD Mecklenburg-Vorpommern bietet die CD auch anderen NPD-Landesverbänden zum Nachdruck an.

Ergänzung vom 13.09.2010

Die Schulhof-CD der NPD wurde indiziert

Die neue Schulhof-CD der NPD ist nach Angaben des Innenministeriums in Mecklenburg-Vorpommern durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden und darf somit nicht mehr an Kinder und Jugendliche verteilt werden. Die Bundesprüfstelle fällte eine entsprechende Entscheidung bereits am 8. September. Als feige und hinterhältig bezeichnete der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns Lorenz Caffier die Strategie der NPD, menschenverachtende Rassen- und Hassideologien in rhythmische Musik zu verpacken und sich damit an wehrlose Kinder heranzuschleichen. Wer dies tue, sei in seinen Augen ein geistiger Kinderschänder, so Caffier weiter.

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| Neonazis verteilen rechtsextreme Zeitungen und „Schulhof-CDs“. Was tun?

| Alles zum Thema „Schulhof-CD“ auf netz-gegen-nazis.de

| Petereit, David

Mehr im Internet:

| Rechtsextreme Öffentlichkeitsarbeit (bnr.de)

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