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Rechtsextreme im Internet

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Viele der deutschen Webseiten werden über Anbieter in Amerika bereitgestellt, denn dort sind rechtsextreme, antisemitische und rassistische Inhalte – im Gegensatz zu Deutschland – nicht strafbar. Vor allem Jugendliche sind im Visier der digitalen Strategie. Fast jede Kameradschaft hat eine eigene Homepage – oft mobilisieren sie ihre jungen Mitglieder für Aufmärsche und werben mit Kontaktangeboten. Rechtsextreme Musik, eines der Hauptmittel, um Jugendliche in die Szene zu locken, wird im Internet beworben und verkauft. Versandhändler aus der Szene vertreiben neonazistische “Devotionalien”. Hakenkreuzfahnen, Schlagstöcke, Wehrmachtsvideos, Nazi-CDs bis hin zu Autogrammkarten von NS-Kriegsverbrechern – alles was sich in der rechtsextremen Szene verkauft, wird auch Online angeboten. Die NPD stellt auf ihrer Webseite kostenlos die rassistischen Schulhof-CDs zum Download bereit, um junge Menschen zu rekrutieren. Auch auf nicht-rechten Internet-Plattformen wie Ebay und Myspace versuchen die Neonazis, an Einfluß zu gewinnen.

Auch sonst versuchen Neonazis stets, die neusten technischen Entwicklungen im Netz zu nutzen. So gibt es semi-professionell produzierte “Nachrichtensendungen” und zu fast jeder rechtsextremen Demonstration mehr oder weniger gut gemacht Mobilisierungsvideos. Auch kann man neonazistische Musik und Interviews mit Rechtsrockbands über rechtsextreme Internetradios anhören. Eine wichtige Funktion erfüllen auch von Neonazis betriebene Internetforen. Dort können sich die Aktivisten der Szene ungestört über Demonstrationen, Rechtsrock, Strategien und andere Themen austauschen und gleichzeitig mit anderen Neonazis Kontakte knüpfen. Allerdings wurden in den letzten Jahren mehrfach bekannte Neonazis-Foren und Online-Versandstellen “gehackt” und ihre zum Teil strafbaren und volksverhetzenden Inhalte offen gelegt. Seitdem herrscht eine gewisse Verunsicherung in der rechtsextremen Szene im Umgang mit den eigenen Webseiten.

Ein wachsendes Betätigungsfeld sind Soziale Netzwerke und Kommentarspalten unter Artikeln: Hier versuchen Rechtsextreme zunehmend, ihre Ideologie als Normalität in Diskussionen mit Nicht-Szene-Mitgliedern einfließen zu lassen. Jugendschutz.net beobachtete 2009 rund 2.000 Postings, 2012 waren es bereits 5.500, Tendenz steigend. Grund ist die große Reichweite der Hetze bei gleichzeitig oft noch geringer Gegenwehr. Auf dem Vormarsch sind ebenfalls Internetseiten der „Identitären“. Mit multimedial aufbereiteten Social Media-Auftritten wirbt diese Bewegung für Anhänger aus dem Mainstream, der rechtsextreme Bezug ist häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar. Außerdem ist ein stetiger Anstieg bei den islamkritischen Websites erkennbar, führte Jugendschutz.net im Jahr 2011 noch 25 derartige Internetseiten auf, waren es im Jahr 2012 bereits 40.

Zum Thema | Alle Artikel zum Thema „Rechtsextremismus im Internet“ | Alle Artikel zum Thema „Rechtsextremismus in Sozialen Netzwerken“ | Burkhard Schröder mit einem Überblick über die rechtsextremen Aktivitäten im Netz | Eine Liste der aktivsten Webseiten | Was konkret tun gegen Rechtsextremismus im Internet | „Rechtsextremismus Online. Jugendliche im Visier der Szene. Trends und Gegenstrategien“ – Interessanter Projektbericht 2008 von Jugendschutz.net. Zum Herunterladen. | Ein Essay des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes über die Erfolge der Neonazis im Netz. Zum Herunterladen. | Eine Studie des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes über internationale Webaktivitäten der Neonazis. Zum Herunterladen |„Rechtsextremismus Online. Beobachten und nachhaltig bekämpfen.“ – Berichte über Recherchen und Maßnahmen 2012 von Jugendschutz.net. Zum Herunterladen.   Aktualisiert am 26.09.2010

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Allein auf weiter Flur? Erfahrungen in deutschen Presseforen

Viele Medien bieten auf ihren Internetseiten Foren, in denen über die Artikel diskutiert werden kann. In nicht wenigen Debatten melden sich dabei Neonazis zu Wort, werden rechtsextreme Argumente munter gepostet und Hassreden verbreitet. Glücklicherweise bleiben diese nicht unwidersprochen. Doch Userinnen und User bekommen dabei nur wenig Unterstützung von der jeweiligen Forenmoderation.

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