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Sächsischer Förderpreis SAfT e.V. – Zivilgesellschaft statt Nazi-Sticker

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(Quelle: SAfT e.V.)

2021 wird der Sächsischen Förderpreis für Demokratie schon zum 15. Mal verliehen. Mehr als 52 Bewerbungen von Initiativen, Vereinen und Kommunen hat die Jury in diesem Jahr gesichtet, am Ende wurden acht Bewerbungen nominiert. Am 8. November wird sich bei der Preisverleihung in Dresden zeigen, wer von den Nominierten ausgezeichnet wird. Belltower.News stellt die Nominierten vor. Mit SAfT haben wir über ihr Engagement in Sachsen gesprochen:

Was macht SAfT e.V.?
Wir sind die Solidarische Alternativen für Taucha, zur Zeit sind wir zehn bis zwölf Menschen die sich aus verschiedenen Gründen viel in und um Taucha bewegen. Die Initiative gibt es seit Anfang 2019 und seit Anfang 2020 sind wir als gemeinnütziger Verein eingetragen.

Warum wurde das Projekt gegründet?
Uns gefiel der Versuch der rechtsgerichteten Raumnahme, die in Form von Stickern und Schmierereien („NS-Zone“, „Taucha bleibt rechts“) aber auch von direkten Bedrohungen stattfand, überhaupt nicht. Da mussten wir aktiv werden. Wir wollen Betroffene unterstützen, aber auch den gesellschaftlichen Raum für eine vielfältige Teilhabe, insbesondere junger Menschen, weiter öffnen. Rechtsextrem zu werden soll nicht die einzige Option sein. Wir wollten einen Ort einen Ort schaffen für die eigene Selbstentfaltung, aber auch für Veranstaltungen. Wir wollen andere Impulse setzen und die Entwicklung immer weiter nach rechtsaußen nicht kommentarlos hinnehmen. Es geht uns aber auch darum Solidarität unter Betroffenen zu schaffen, sie zu bestärken und handlungsfähig zu machen.

Wen wollen Sie erreichen?
Wir sind eine zivilgesellschaftliche Initiative. Das heisst alle und jede*r können mitmachen, die keinen Bock auf Ausgrenzung, Gewalt und Menschenfeindlichkeit haben und sich stattdessen für ein friedliches und solidarisches Miteinander einsetzen. Mit der der Stadtverwaltung sind wir immer wieder in Kontakt, sprechen Probleme an und arbeiten mit an einer inklusiveren Stadtpolitik. Wir wollen die Tauchaer Stadtgesellschaft und den politischen Betrieb für demokratische Kultur begeistern.

Ihr wollt menschenfeindlichen Denkstrukturen in der Gesellschaft entgegenwirken. Brauchen Sachsen und Taucha diese Arbeit besonders?
Es ist immer wichtig, nicht in Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. In Taucha wie auch in Sachsen insgesamt ist die Zahl der konkreten Bedrohungen und Übergriffe, wie auch der eventuell unbedacht ausgrenzenden Äusserungen aber konstant hoch. Dem gilt es entschieden entgegen zu treten. Viele Menschen widersprechen nicht entschlossen oder wollen Probleme mit menschenverachtenden Einstellungen nicht thematisieren. Es braucht Leute, die den Finger in die Wunde legen, Probleme benennen und Gegenstrategien einfordern und gestalten.

Wie sieht sie rechtsextreme Szene in Taucha aus?
Die Szene ist heterogene, ein Teil kommt aus dem Hooligan-Milieu im Umfeld von LOK Leipzig. Das heißt es gibt Verbindungen in Kampfsportszene, seit Ende 2020 gibt es ein Kampfsportgym in Taucha. Dazu gibt es aber auch NPD-nahe Personen, die schon seit den 1990ern kontinuierlich in der Szene aktiv sind.

Seid ihr vielen Anfeindungen ausgesetzt?
Die Anfeindungen sind sehr vielfältig, von verbalen Attacken, Sachbeschädigung, bishin zu Doxing von Vereinsmitgliedern. Es kommt regelmäßig zu Beleidigungen wie „Scheiß Zecken!“, Anfeindungen und Bedrohungen „Wir wissen wo du wohnst!“, auf der Straße oder beim Einkaufen. Auch verfassungsfeindliche Parolen werden gegrölt wie z.b. „frei, sozial, national“, „Sieg Heil“, „Deutschland den Deutschen!“ nur um einige Beispiele zu nennen. In den Sozialen Medien kommt es gelegentlich zu Diskreditierungsversuchen gegen den Verein und Einzelpersonen.

Was muss sich ändern und wie kann die Demokratie gerade in Sachsen gestärkt werden?
Es braucht auf jeden Fall ein tieferes Verständnis dafür, was Demokratie eigentlich ist. Wer die eigene Umgebung bewusst mitgestalten kann, wird den Wert demokratischer Strukturen für sich auch als positiv erleben.

Dazu braucht es auch Streitkultur auf Ebene der Kommunen, statt harmonie-orientierte vermeintliche Sachpolitik. Demokratische Prozesse brauchen Transparenz. Und wir müssen lernen, Zivilgesellschaft als Teil demokratischer Willensbildung zu denken. Sie gehört zur Politik, die mehr ist als reine Arbeit in Ausschüssen und Parlamenten. Die demokratischen Parteien müssen verschiedene Positionen auch öffentlich kommunizieren. Politik heißt auch Streit. Lokal- und Kommunalpolitik muss attraktiver werden, weil sie einbindet, erklärt, motiviert und reagiert.

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