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Soziale Medien Wie Neonazis ihren Lifestyle auf Instagram verbreiten

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(Quelle: Pixabay, Screenshot, BTN)

Die Social Media-Plattform Instagram wird immer beliebter. Besonders junge Menschen posten viele Aspekte ihres Alltags via Foto auf der Plattform oder via Instagram-Story, ein Tool mit dem kurze Videos, Bilder oder Texte für 24 Stunden sichtbar sind und dann unwiderruflich gelöscht werden. Auch Neonazis, Rassist*innen, Antisemit*innen und Co. haben Instagram mit all seinen Funktionen mittlerweile für sich entdeckt. 

Besonders für Aktivist*innen der sogenannten „neuen“ Rechten, wie der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB), ist Instagram mittlerweile ein fester Bestandteil ihrer Propaganda-Strategie. Vieles wirkt auf den ersten Blick unverfänglich, eindeutig rechtsextreme Inhalte werden von ihnen nur zurückhalten verbreitet. 

IB-Aktivist Paul Neumann aus der Oberlausitz hat einen Platz für die AfD im Kreistag und Stadtrat Bautzen bekommen. Auf diesem Instaprampost schwingt er die IB-Fahne.

Gegenwind gegen solche Accounts gab es lange Zeit nicht. In jüngster Zeit werden allerdings immer mehr Profile von eindeutig rechtsextremen „Identitären“-Kadern gelöscht. 

Der Account von Alexander Kleine (Malenki) wurde jüngst gelöscht. 

 

Das ist gut so. Und dennoch, auch eindeutige Neonazis tummeln sich auf Instagram. 

Auch sie nutzen die Plattform zur Darstellung ihres rechten Lifestyles. Dabei verwischen sie gezielt die Grenzen zwischen Propaganda und Privatleben. 

Dieses Reichsadler-Tattoo gefällt unter anderem dem AfD-Stadtrat von Hoyerswerda, Toni Schneider.

 

Neonazis auf Instagram zeigen sich in ihrem privaten Leben und geben so vermeintlich persönliche Einblicke. 

Post von Neonazi-Kader Tommy Frenck (Mitte): Frenck ist ein neonazistischer Geschäftsmann, Gastwirt, und Rechtsrock-Veranstalter. Frenck macht kein Hehl aus seiner Gesinnung, offenbar hat er auf seinem Körper verfassungsfeindliche Symbole tätowiert, weshalb er in öffentlichen Schwimmbädern nur mit Shirt baden gehen darf.  

 

Die Follower*innen solcher Accounts bekommen so das Gefühl die postenden Personen ziemlich gut zu kennen. In der Medienpsychologie nennt man dieses Phänomen Parasozialität. 

Der Antisemit Nikolai Nerling, der unter dem Namen „Der Volkslehrer“ einen Youtube-Kanal betreibt und als mobiler Verschwörungstheoretiker durch Deutschland zieht. Wegen seiner volksverhenzenden Inhalte wird sein YouTube-Kanal regelmäßig gesperrt. Aktuell “feiert” er das Entstehen seines vierten Kanals. 

 

Man fiebert mit, fühlt sich persönlich adressiert und baut mehr oder weniger unwissentlich eine Beziehung auf, obwohl man der postenden Person noch nie begegnet ist.

Das ist gefährlich, da Neonazis ihre Inhalte in der Regel mit einer Prise NS-Verherrlichung und Rassismus schmücken. 

Die Tochter einer IB-Aktivistin stickt eine Odal-Rune. Im Nationalsozialismus stand die Rune als Symbol für „Blut und Boden“.

 

Rechtsextreme Ideologie als ganz normaler Lifestyle

 

Wenn Rechtsextreme Fotos oder Videos posten und sich dabei gesellig in der Kneipe, beim Wandern, im Fitnessstudio oder beim Kampfsport zeigen, inszenieren sie ihre rechtsextreme Ideologie als ganz normalen Lifestyle, der keine Konsequenzen hat und überdies noch Spaß macht.

Neonazi, der sich auf Instagram gerne als sportbegeistert präsentiert. Auf dem Bild sieht man ein Tattoo einer schwarzen Sonne, ein beliebtes Symbol der Szene und Kleidung der Marke „Wardon 21“. „Wardon 21“ ist einer Szenemarke und Kampfgruppe, die einen gesundheitsbewussten und drogenfreien Körperkult und Lebensstil propagiert. 

Viele Bilder wirken dabei unverfänglich und sind den meisten Nutzer*innen, die nicht aus der Szene stammen und sie sehen nicht als das rechtsextreme Inhalte bewusst. Wenn Accounts größtenteils unpolitische Inhalte teilen, wie beispielsweise über Essen, Beauty oder Sport kommt dann und wann doch mal ein klar rechtsextremer Hinweis. 

Hier wirbt der sportbegeisterte Neonazi beispielseise für einen rechtsextremen Kongress der Gruppe “Wardon 21”. 

 

Instagram ist bei Nutzer*innen unter 30 Jahren deutlich beliebter als die Social Media-Alternative Facebook. Die jüngste JIM-Studie zeigt, dass 67 Prozent der deutschen Teenager zwischen zwölf und 19 Jahren Instagram regelmäßig nutzen. So dient rechtsextreme Propaganda auf Instagram zum einen dazu, die eigene Szene zu bespielen und zum anderen junge Menschen für die menschenfeindliche Ideologie zu begeistern. 

Wenn Neonazis Bilder auf Instagram posten, nutzen sie, wie andere Nutzer*innen auch, Hashtags unter ihren Bildern. Der Sinn dahinter: Man kann nicht nur Accounts folgen, sondern auch Hashtags, wie beispielsweise #instafood #gegenRassismus oder #noafd, dann bekommen die User*innen Beiträge die diese Hashtags enthalten in ihre Timeline gespielt.

Dieser neurechte-völkische Account (Bild oben) postet einen Beitrag, der im Tenor sagt „Kauf nicht beim ‘Rassenschänder‘“ und nutzt dabei Hashtags wie unter anderem #versace #mode #kleider #denkmal #europa #unternehmen #liebe #bildhauer #kunst #kultur #fragrances #Antonio #Canova #philosophie. Haben User*innen einen diese Hashtags abonniert, besteht die Möglichkeit, dass sie diesen zutiefst diskriminierenden Inhalt in ihrer Timeline zusehen bekommen.  

Rechtsextreme Propaganda auf Instagram

Plattform zur Selbstdarstellung

Dabei dient Instagram hier nicht nur dazu, neue junge Kamerad*innen anzuwerben. Instagram ist nach wie vor eine Darstellungsplattform. Hier postet man jene Bilder von sich und aus seinem Leben, die vielleicht nicht unbedingt der Realität entsprechen, sondern eher eine Wunschvorstellung zeigen. Es geht hier um die Macht der Bilder. Und so nutzen viele Neonazis die Plattform, um sich als ganz besonders starke Jungs zu präsentieren. 

Neonazis beim Schießtraining in Tschechien

Vernetzung via Instagram

Die rechtsextreme Szene promotet sich auf Instagram gegenseitig. Aktivist*innen mache ihre Follower*innen darauf aufmerksam, wenn es auf anderen Kanälen twas Neues gibt oder fordern sie auf, anderen rechtsextremen Accounts zu folgen und sie zu unterstützen. Auch über Termine wird die Community hier informiert. So promoten Aktivist*innen und Organisationen Konzerte rechtsextremer Musiker*innen, Veranstaltungen, mobilisieren zu Demonstrationen oder informieren über neue Literatur. 

Ankündigung des rechtsextremen Kampfsport-Events “Kampf der Nibelungen”

Neonazi-Labels auf Instagram

Auch rechtsextreme Marken und Labels werben auf Instagram für ihre neuen Waren, Informieren über Rabatt-Aktionen oder werben für Demonstrationen und Events.

Werbe-Post der Steetwear-Marke „Label 23“. „Label 23“ wurde 2009 in Cottbus gegründet und entstammt der Marke „Boxing Connection“. Der ehemalige Inhaber der Marke „Boxing Connection“ ist ein bekannter Neonazi, Hooligan und Kampfsportler aus Cottbus. 

Völkische Siedler*innen auf Instagram

Auch einige sogenannte Völkische Siedler*innen sind auf Instagram. Sie hängen der Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten an und versuchen, im ländlichen Raum ihr Ideal einer homogenen, nicht durch Vielfalt gestörten „Volksgemeinschaft“ zu leben. Neben ihrem antisemitischen und menschenfeindlichen Weltbild, zeichnet sich diese Strömung durch ihre dezidierte Moderne- und Technikfeindlichkeit aus. Daher wirkt es auf den ersten Blick um so erstaunlicher, solche Profile auf Instagram zu finden. Auf den zweiten Blick ergibt es jedoch Sinn: Durch die sorgfältig ausgewählten Bilder der idyllischen Natur und des scheinbar friedlichen altertümlichen Zusammenlebens, werben sie für ihre menschenfeindliche Ideologie und machen sie gegebenenfalls anschlussfähig. Besonders, da unter den geposteten Bildern jede Menge unverfängliche Hashtags verwendet werden, schließlich lässt sich bei den Hashtags #Nostalgie #Natur #Liebe #Brauchtum #Tracht #Dirndl nicht erahnen, dass es sich hier um rechtsextreme Propaganda handelt.

Instastorys: Ideal für Menschenverachtung

Besonders die Funktion der Instagram-Story scheint bei Neonazis beliebt. Hier posten sie deutlich mehr Inhalte die gegen die Community Standards der Plattform verstoßen und offen volksverhetzend sind. Genau wie Bilder auf Instagram, können auch Inhalte einer Instastory gemeldet werden, das Problem dabei ist jedoch, dass der Beitrag ohnehin automatisch nach 24 Stunden gelöscht ist.

Instastory eines Neonazis

Was Machen Neonazis wenn ihre Profile gelöscht werden?

Wenn rechtsextreme Accounts von Instagram gelöscht werden, erstellen die User*innen in der Regel recht schnell neue Ausweich-Kanäle. Befreundete Accounts streuen dann unter ihren Follower*innen, dass dieser ursprünglich gelöschte Account wieder da ist und fordern auf, dem neuen Profil zu folgen. 

Instastory vom rechtsextremen Kampfsport-Event „Tiwaz“, mit dem Aufruf, Frank Krämers neuem Profil zu folgen, da sein ursprünglicher Account gelöscht wurde. Krämer ist Gitarrist der Rechtsrock-Band „Stahlgewitter“ und seit Jahrzehnten engagierter Neonazi-Kader. Hauptsächlich propagiert er seinen Hass auf Youtube.

Wenn jedoch auch hier der Druck von Seiten der Betreiber zu groß wird, ziehen die Rechtsextremen weiter, zu Telegram. Hier sind sie in halb- oder nichtöffentlicher Kommunikation unter sich. 

 

 

 

 

 

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