Skip to content

Uwe Tellkamp Ein Blick in die neurechte Kunstszene

Der umstrittene Autor Uwe Tellkamp veröffentlicht am Samstag ein neues Buch. Es gibt den Blick frei auf den politischen Schulterschluss zwischen neurechter Kunstszene und Pegida.

 

Um Uwe Tellkamps neuen Roman gibt es bereits im Vorfeld viel Diskussion. Bereits 2018 distanzierte sich sein Verlag Suhrkamp von Äußerungen Tellkamps, der zu den Erstunterzeichnern der „Charta 17“ zählt und vor (linkem) „Gesinnungsterror“ im Literaturbetrieb warnt. Seine Bücher verlegt Suhrkamp dennoch. Wann die Fortsetzung seines Bestsellers „Der Turm“ veröffentlicht wird, scheint bislang jedoch nicht ausgemacht. Nun erscheint ein Essay Tellkamps, welches beim neurechten Verlag Antaios von Götz Kubitschek beworben wird. Die Vorstellung des Buches findet naturgemäß im „Buchhaus Loschwitz“ der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen statt – in Dresden ein Ankerpunkt für Literaturliebhaber*innen der Pegida-Fraktion.

In „Das Atelier“ spiegelt Tellkamp seine Version der sächsischen Kunst- und Kulturszene. Neben anderen, durch Tellkamp verlesene Akteur*innen, kommt  Maler Neo Rauch als „Martin Rahe“ vor. Rauch kann auf eine lange Interviewkarriere zurückblicken, in der er wahlweise „den“ Islam als „todesliebende Wüstenreligion“ und Tellkamp als einen „Wiedergänger Stauffenbergs“ titulierte.

Nun gibt es sie vielfach, diese Bezugnahmen zwischen den Künsten, wo Autor*innen-  inspiriert von Maler*innen – durch ihr Werk in Dialog treten. Die Allianzen der Künste sind vielfältig und oftmals zeichnen sich durch sie auch Schulterschlüsse ab, die die Kunst verlassen und in die Politik übergleiten.

In Zeiten des grassierenden Rechtsextremismus und der Erosion dessen, was in Deutschland öffentlich sagbar ist; in Zeiten von rechtem Terror und Pegida gerieren sich etablierte Akteur*innen der Kunst als die selbsternannten Widerständler und Querdenker von Rechts. Klar, die Kultur ist ein Spiegel der Gesellschaft… aber auch einer, in den man am nächsten morgen gerne schauen möchte. In Tellkamps „Atelier“ kann man die Phalanx der wiederbelebten Antimoderne, des Revisionismus und einer sich im Untergang wähnenden und deshalb sich selbst verteidigenden Künstlerschaft um Uwe Tellkamp, Botho Strauss und Neo Rauch wieder begegnen. Dieses Spiegelbild hat bisher wenig mit dem zu tun, was für den zeitgenössischen Kunstdiskurs bestimmend ist.

Positiv gelesen, zeichnet „Atelier“ deshalb ein Bild, was vergangen ist und nur im Angesicht seines fantasierten Untergangs überhaupt Aufmerksamkeit bekommt. Es ist an den Verlegern, Sammlern und Kunstinstitutionen, dass die Autoren dieser deutschen Kunst nicht als ewige Wiedergänger präsent bleiben. Denn es gibt sie, die Allianzen zwischen den Künsten, die verstanden haben, dass die Versammlung einer antimodernen, neurechten und raunenden Männerclique keine Perspektive für die Gesellschaft und für die Kunst ist.

 

Anmerkung der Redaktion: 

In einer früheren Version war zu lesen, das Buch sei im Antaios-Verlag erschienen. „Das Atelier“ von Uwe Tellkamp erscheint jedoch bei Edition Buchhaus Loschwitz.

Außerdem war zu lesen, dass auch der Maler Axel Krause in dem Roman vorkommt. Diese Stelle im Text haben wir entfernt, da es nicht ganz eindeutig ist.  

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Read more

IB_Jugend_0

Identitäre Bewegung Aus den sozialen Netzwerken auf die Straße

2012 noch war die Identitäre Bewegung (kurz IB) vor allem ein Internetphänomen. Ortsgruppen sprossen wie Pilze aus dem Boden. Ihr alternatives Auftreten, geprägt von der Adaption linker Subkultur, fiel bereits im Internet auf. Doch nun gehen „Identitäre“ auf die Straße. Kann man davon sprechen, dass die Identitäre Bewegung die derzeit aktivste rechtsextreme Jugendbewegung Deutschlands ist?

Von
2015-04-22-jf

Junge Freiheit

Die Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) war und ist stets bemüht, sich durch Gesprächspartner, die politisch neutral oder Politiker der…

Von
20180710-AltRight-IDZ-87408

Ideologie Was ist die Alt-Right? Kompakt erklärt.

Die amerikanische Alt-Right hat es mit Rassismus, Antisemitismus und menschenfeindlicher Rethorik bis ins Weiße Haus geschafft. Für die sogenannte „Neue Rechte“ in Deutschland und Europa ist sie dadurch zum Stichwortgeber und Vorbild geworden. Was macht die Bewegung so gefährlich und was steckt hinter ihrer Ideologie?

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.