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GMF Was ist Antiziganismus?

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(Quelle: Amadeu Antonio Stiftung / Carolin Wedekind)

In Deutschland – wie auch in allen anderen Ländern – leben unterschiedliche Menschen: dicke und dünne, kluge und dumme, höfliche und freche, dunkle und helle, faule und fleißige. Und, und, und. Diese Liste könnten wir nach Belieben fortsetzen, erweitern, auseinander nehmen und neu sortieren.

Aus der großen Vielfalt von Menschen, die hier leben, wird einer Gruppe unterstellt, dass sie nicht hierher gehöre, dass sie nicht sesshaft sei, dass ihre Mitglieder faul und kriminell seien. Die Rede ist von Sinti und Roma. Und wie alle Menschen sind auch diejenigen, die zur Minderheit der Sinti und Roma gehören, vielfältig und individuell. Und dennoch hält sich in Deutschland hartnäckig das Vorurteil, Sinti und Roma passten nicht zur Gesellschaft. Das führt dazu, dass Sinti und Roma mit Vorurteilen und Diskriminierungen konfrontiert werden und aus vielen Bereichen tatsächlich ausgegrenzt werden. Das beginnt schon mit dem Wort »Zigeuner«: So werden Sinti und Roma zwar schon seit langer Zeit genannt – aber das war auch immer schon abwertend und ausgrenzend gemeint. Es sagt: »die« sind nicht wie »wir«. Auch »Gauner« schwingt darin mit. Über diese Minderheit gibt es auch Vorstellungen von leidenschaftlichen, musikalischen, exotischen Gestalten. Solche Fantasien sind weniger negativ, aber dennoch ein Problem. Denn sie sprechen den so beschriebenen Menschen ab, einfach so zu sein wie alle anderen: unterschiedlich und individuell.

Benennen.

Der Rassismus gegen Sinti und Roma wird auch Antiziganismus genannt. Sinti und Roma sind die größte Minderheit in Europa. In allen europäischen Ländern erleiden sie massive Diskriminierung. Die lange Geschichte der Benachteiligung von Sinti und Roma hat dazu geführt, dass viele Angehörige der Minderheit sich in schwierigen sozialen Situationen befinden und oft Probleme haben, Zugang zu Bildung oder Unterstützung zu finden.Die Nationalsozialisten haben Sinti und Roma europaweit verfolgt, entrechtet und ermordet. Diese Verfolgung wirkt nach; sie wird bis heute größtenteils von der Gesellschaft nicht anerkannt. Die Nicht-Anerkennung des Leidens und des Völkermords an den Sinti und Roma ist wiederum eine Form von Antiziganismus.In Europa gibt es eine Tradition des Misstrauens gegenüber Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben. Und es gibt eine Tradition, die Sinti und Roma als nicht sesshaft darstellt. Die Verknüpfung dieser beiden Traditionen führte und führt immer noch zu einem Misstrauen gegenüber Sinti und Roma. Dabei ist beide Verknüpfungen verkehrt: Dass Menschen den Wohnort oft wechseln heißt weder, dass sie Roma oder Sinti sind, noch, dass sie kriminell sind.

Verändern!

Wie auch bei anderen Vorurteilen ist es wichtig zu wissen, dass du dir Hilfe holen kannst, falls diese Form von Diskriminierung dich direkt trifft. Aber auch wenn du nicht selbst Opfer von Antiziganismus wirst, ist es wichtig, dagegen vorzugehen. Denn Ausgrenzungen und Diskriminierungen vergiften das demokratische Klima für alle.Unter anderem bedeutet Demokratie, dass du das Recht hast, so zu sein wie du bist und dass andere ebenso das Recht haben, so zu sein wie sie sind. Es gibt ein Recht auf Selbstbehauptung und das Recht, anders zu sein als die Mehrheit, ohne dafür als mangelhafter oder gar minderwertiger Teil der Gesellschaft betrachtet zu werden. Diese demokratischen Rechte zu verteidigen, geht uns alle etwas an, denn wenn die Menschenrechte Einiger nicht berücksichtigt werden, sind die demokratischen Rechte von allen in Gefahr.Du kannst dich auch für einen respektvollen Umgang mit der Erinnerung an die Verfolgung der Sinti und Roma in der Nazi-Zeit einsetzen, denn in der Gleichgültigkeit gegenüber vergangenem Unrecht wirkt das Unrecht weiter! Frage deine Eltern oder deine Nachbarn, ob sie etwas wissen, wie Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus in deinem Wohnort gelebt haben und wie es dazu kam, dass sie vertrieben wurden.Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (www.zentralrat.sintiundroma.de) und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (www.sintiundroma.de) sind eine zentrale Anlaufstelle und Informationsquelle für und über die Situation der Sinti und Roma in Deutschland. Weitere Informationen über Antiziganismus wie auch Flyer über andere Formen der Abwertung von Menschen, bekommst du auf Anfrage von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Stiftung kann dich auch unterstützen, wenn du dich zum Gedenken an die verfolgten Sinti und Roma engagieren willst oder Kontakt zu weiteren Organisationen und Interessierten haben möchtest. ERKENNEN. BENENNEN. VERÄNDERN!ist eine Flyerserie der Amadeu Antonio Stiftung und greift verschiedene Elemente Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auf. Es gibt Flyer zu: Antimuslimischer Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen, Heterosexismus, Nationalismus, Rassismus und Sexismus. Die Flyerreihe entstand im Projekt „Living Equality. Mehr auf netz-gegen-nazis.de: | Weitere Flyer der Reihe „Living Equality“| Was ist Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?

 

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