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Antisemitismus in der AfD Wie findet eigentlich Wolfgang Gedeon „Juden in der AfD“?

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Wolfgang Gedeon und die "Juden in der AfD" werden wohl keine Freunde mehr. (Quelle: Screenshot Facebook 09.10.2018)

 

 

Teile der AfD geben sich als Freund*innen der Jüdinnen und Juden in Deutschland oder auch Israels aus. Zur Erzählung gehört die rassistische und tatsachenferne Deutung, dass es Antisemitismus in Deutschland ja praktisch gar nicht mehr gäbe, dafür aber sehr viel in migrantischen, muslimischen und geflüchteten Milieus (vgl. BTN). Diese führte auch zur Gründung der Gruppierung „Juden in der AfD“ am Wochenende in Wiesbaden (vgl. Welt).

Dabei gibt es in der AfD selbst auch offene Antisemiten. Einer der prominentesten ist Wolfgang Gedeon (vgl. BTN, II), der seine Abwertung von Menschen jüdischen Glaubens bereits in Buchform zu Papier gebracht hat und mit seinen Einstellungen für eine kurzzeitige Spaltung der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg gesorgt hatte. Inzwischen vereinigten sich die Fraktionen wieder. Gedeon blieb in der Partei (das Parteiausschlussverfahren scheiterte im Januar 2018 an Verfahrensfehlern) und im Landtag – und bei seiner antisemitischen Einstellung.

Das zeigt sein Facebook-Kommentar zur Gründung der „Juden in der AfD“. Währende Parteifreund*innen sich zumindest freuen, ein Feigenblatt gegen den Antisemitismus der AfD zu haben, wendet Gedeon antisemitische Vorstellungen auch konsequent auf Mitglieder der eigenen Partei an.

Aus Anlass der Gründung einer Bundesvereinigung „Juden in der AfD“ schreibt trägt Gedeon seine Gedanken in einem Facebook-Post nieder: „Neue parteiinterne Vereinigung „Juden in der AfD (JAfD)“ – Eine problematische Angelegenheit“. Zunächst führt er das politische Argument an, dass „spezielle Interessenvereinigungen“ zu einer „Atomisierung der AfD“ führen würden.

Die Vereinigung selbst hält er im Sinne der AfD für politisch unzuverlässig (Verbeugungen vor den Kampfbegriffen des politischen Gegners) und bezieht sich dabei wohl auf eine Absage an Antisemitismus und Rassismus von Seiten der JAfD. Dabei muss man aber auch mitbedenken: Zweifel an der Loyalität von Jüd*innen sind Teil des antisemitischen Repertoires. Deutlicher werden diese nachfolgend, wo ihm die Vereinigung auch aufgrund der religiösen Zugehörigkeit potentiell als nicht vertrauenswürdig gilt. Jedoch ist nicht bekannt, dass Gedeon „Christen in der AfD“ als vergleichbares Problem betrachtet hätte. Hier misst er also mit zweierlei Maß – und nutzt dieses Argument als Vorwand für eine Diskreditierung.

Er steigert sich, indem er auch den alten antisemitischen Vorwurf der Zersetzung (spalten und verwirren) unterbringt – wogegen er der Partei Wachsamkeit empfiehlt. Scheinbar unvermittelt hebt er einen positiven Bezug der Partei auf ein „wahres christliches Selbstverständnis“ hervor. Mit dieser Gegenüberstellung zu seiner vorherigen Absage an JAfD impliziert er, dass jüdische Stimmen Gehör und Mitgestaltung nicht verdient hätten.

Die Klimax bildet schließlich ein Ausblick in der Bewertung von JAfD, der in beiden nach Gedeon möglichen Optionen antisemitisch konstruiert ist: Entweder solle die Krankheitsmetapher zutreffen, mit der er JAfD belegt und so das Stereotyp des gefährlichen Übels heraufbeschwört und zugleich eine Dehumanisierung vornimmt, oder JAfD sei Teil einer „zionistischen Lobby“ – Jüd*innen, die gegen die Interessen des deutschen Volks, aus dem sie im Vorbeigehen auch ausgeschlossen werden, arbeiten würden: „Im günstigsten Fall ist diese Gründung überflüssig wie ein Kropf, im ungünstigsten Fall handelt es sich um eine zionistische Lobbyorganisation, die den Interessen Deutschlands und der Deutschen zuwider läuft.

 

Und die Kommentare sind auch interessant

 

In den Kommentaren unter dem Text gibt es Whataboutism („Noch absurder wären Moslems in der AfD!“ „Warum nicht? Es gibt auch säkulare Moslems (…). Jeder der Deutschland und die deutsche Kultur achtet sollte in der AfD willkommen sein.“ „Gar keine solche Lobbyverbände in der AFD! Weder Juden noch Muslime!“)

Auch gibt es eine ausführliche Diskussion zur Frage „Zionismus – ‚Grundübel unserer Zeit‘ oder „legitimes, unterstützenswertes und patriotisches Anliegen der Juden, einen eigenen Nationalstaat zu gründen“? Und natürlich eine 1A Erklärung der zionistischen Verschwörung für Antisemiten: „Unter dem Begriff „Zionismus“, fasse ich sämtliche Organisationen zusammen, die auf der Finanzierung der Rothschilds und Rockefellers basierten globalistisch, kabbalistischen Agenda basieren! European Council of foreign Relation, die Atlantik Brücke und die Bilderberger Konferenz sind nur einige dieser Organisationen, die im Auftrag der momentanen Machtelite handeln. Da sie alle finanziell vom Rothschild-Zentralbankensystem abhängig sind und die Rothschild Familie überzeugte Zionisten waren, sind auch ihre Ableger zionistisch. Das gesamte BRD-konstrukt ist im zionistischen Auftrag entstanden und wird bis heute von ihr gelenkt!“ (vgl. BTN zu Versatzstücken von Verschwörungsideologien).

Kommentar auf der Facebook-Seite von Gedeon

Das „Internetteam“ von Wolfgang Gedeon möchte auch noch mal eine Meinung einfließen lassen: „Den rein patriotisch-defensiven Zionismus, der den Staat Israel als Heimstatt für die Juden verteidigen möchte (ohne aggressiv-offensive Siedlungspolitik und Unterdrückung in den besetzten Gebieten!) anerkennt Dr. Gedeon als legitim. Es geht aber um den aggressiv-expansionistischen Zionismus in Israel wie auch um den aggressiv auftretenden internationalen Zionismus, welcher in Deutschland etwa durch den Zentralrat der Juden verkörpert wird und ständig im Sinne der Aufrechterhaltung des deutschen Schuld-Kultes Lobbyarbeit betreibt. Diesen sieht Dr. Gedeon als Gefahr und wehrt sich gegen diesen zionistischen Lobbyismus, wie er sich auch gegen entsprechenden mohamedanischen Lobbyismus wehrt.“ Wenn parteiinterne Kritiker dem widersprechen, kontert das Team mit „wo ist die Meinungsfreiheit.“

Auch die Frage „Handeln alle anderen Parteien im Auftrag einer semitischen Lobby oder sind sie anti-israelische Parteien, die die Feinde Israels finanzieren?“ kann nicht geklärt werden. Rechtspopulismus und Antisemitismus sind ein kontroverses Paar. Auch das „Internetteam Dr. Wolfgang Gedeon“, zu dem offenkundig nicht Gedeon selbst gehört, verliert schließlich den Überblick und verteidigt die Einstellung des Chefs nicht weiter, sondern interpretierte sie wohlwollend für den parteiinternen Friedens. So postet das „Internetteam Dr. Wolfgang Gedeon“ unter den antisemitischen Ausgangspost Statements wie: „Nicht Juden in der AfD sind ein Problem – patriotisch-deutsche Juden sind genauso willkommen in der AfD wie patriotisch-deutsche Mohamedaner/Araber -, sondern dass [sic] diese eine eigene parteiinterne Lobbygruppe gründen. Auch gemäßigte Mohamedaner können also gerne Mitglied in der AfD sein, aber sie sollten ebenso wenig wie die Juden in der AfD eine eigene Lobbygruppe gründen – Team Dr. Wolfgang Gedeon„. Also, wenn es bald „Mohamendaner“ in der AfD gibt, kommt die Idee von „Team Gedeon“.

 

Eines machen Post und Diskussion allerdings mehr als klar: Vorstellungen von Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen haben in der AfD offenkundig keinen Platz.

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