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Chronik rechtsextremer und rassistischer Gewalt im Januar 2018

Zur Illustration der Lage in Deutschland stellen wir monatlich rechtsextreme, rassistische und antisemitische Gewalttaten bundesweit zusammen, die in unserer Presseschau vorkommen - diese Chronik basiert also auf Zeitungsmeldungen. Die Chronik ist damit absolut unvollständig, soll aber das Ausmaß klarmachen und wichtigste Vorkommnisse enthalten.

Für speziell flüchtlingsfeindliche Gewalttaten empfehlen wir die Chronik von Aktion Schutzschild bei www.mut-gegen-rechte-gewalt.de.

Für antisemitische Vorkommnisse empfehlen wir die Chronik der Amadeu Antonio Stiftung.

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Wenn Sie weitere Vorfälle kennen, senden Sie bitte eine Mail an belltowernews@amadeu-antonio-stiftung.de.

 

01.01.2018

 

Berlin: ERMITTLUNGEN WEGEN DES VERDACHTS DER RASSISTISCHEN BELEIDIGUNG UND KÖRPERVERLETZUNG

Auf einem U-Bahnhof in Wittenau soll ein Mann einem Mitarbeiter der BVG gegen die Brust gestoßen haben, woraufhin dieser ihn rassistisch beleidigt haben soll.

 

Berlin: UNBEKANNTER BEWIRFT FAMILIE ABSICHTLICH MIT BÖLLERN

Ein Unbekannter hat in der Silvesternacht eine Familie offenbar absichtlich mit Böllern beworfen und sie rassisten beleidigt. Wie die Polizei mitteilte, hatte eine 33-jährige Frau den Vorfall am Neujahrstag angezeigt. Die Frau hatte mit ihren beiden Nichten und ihrem Neffen vor einem Wohnhaus in der Rhinstraße in Friedrichsfelde gestanden, als der Mann gezielt einen Böller in Richtung der Familie warf, der unmittelbar neben ihrem Fuß explodiert. Als die 33-Jährige daraufhin zu dem Mann ging und ihn ansprach, lachte dieser nur und beleidigte sie rassistisch. Als der Ehemann der 33-Jährigen hinzukam und drohte die Polizei zu alarmieren, flüchtete der Unbekannte zusammen mit einem weiteren Mann.

 

NAZI-PAROLEN AN SILVESTER IN COTTBUS

In der zurückliegenden Silvesternacht ist es in der Cottbuser Innenstadt offenbar wieder zu einem Zwischenfall mit Neonazis gekommen. Das berichtet das Bündnis „Cottbus schaut hin“, das rechte Gewalttaten dokumentiert. Demnach warfen gegen 22.45 Uhr Männer aus einer mit Sturmhauben vermummten Gruppe Feuerwerkskörper und riefen dabei Nazi-Parolen. Einer der Männer soll dabei eine rot-weiß gestreifte Maske getragen haben, wie sie in der Fanszene von Energie Cottbus üblich ist. Auf PNN-Anfrage konnte eine Polizeisprecherin am gestrigen Montag die Vorfälle allerdings weder bestätigen noch dementieren. Die Ereignisse der Silvesternacht würden noch ausgewertet, sagte sie.

 

Köln: AFD-POLITIKER VERLETZT DEMONSTRANTEN

Am Sonntagnachmittag gingen etwa 15 AfD-Demonstranten am Kölner Hauptbahnhof auf die Straße und trafen auf 100 Gegendemonstranten von "Köln gegen Rechts". Dabei erhielt ein AfD-Teilnehmer einen Platzverweis wegen einer Kopfstoß-Attacke gegen einen Gegendemonstranten. Dabei soll es sich, laut "Kölner Express", um den Kölner Fraktionsgeschäftsführer im Kölner Stadtrat, Wilhelm Geraedts, handeln.

 

 

04.01.2018

 

WEIL SIE KOPFTUCH TRUG: 57-JÄHRIGER ATTACKIERTE FRAU AUF MARKTPLATZ

Chemnitz. Ein angetrunkener 57-Jähriger hat am Dienstagmittag auf dem Chemnitzer Neumarkt einer 35-Jährigen unvermittelt gegen den Kopf geschlagen und sie dabei leicht verletzt. Nach Informationen der Polizei, störte den Deutschen das Kopftuch, welche die aus der Russischen Föderation stammende Frau aufgrund ihrer Religion trug. Nach dem Versuch, ihr die Kopfbedeckung herunterzureißen floh der Mann. Alarmierte Polizisten konnten den 57-Jährigen aufgrund der Personenbeschreibung wenig später in der Nähe des Tatortes stellen. Einem Atemalkoholtest zufolge hatte er 0,8 Promille intus.

 

NAZI-SCHMIEREREIEN AUF FRIEDHOF IN GOMMERN

Auf einem Friedhof in Gommern (Jerichower Land) haben Unbekannte rechtsradikale Symbole hinterlassen. Sie beschmierten einen Gedenkstein mit einem Hakenkreuz und die Friedhofsmauer mit SS-Runen, wie die Polizei am Mittwoch in Burg mitteilte. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt. Die Schmierereien waren laut Polizei am Dienstag entdeckt worden.

 

EIN FALL VON VOLKSVERHETZUNG AM GOSLARER BAHNHOF

Goslar. Am Dienstag kam es gegen 18.10 Uhr abends zu einem Einsatz der Polizei am Goslarer Bahnhof. Dort sollten zuvor zwei 39- und 44-jährige Goslarer nach dem Konsum erheblicher Mengen Alkohol wahllos Passanten angepöbelt und rassistische Parolen gerufen haben, berichtet die Polizeiinspektion Goslar.

 

05.01.2018

 

MORDDROHUNG GEGEN FÜRTHER NAZI-GEGNERIN

In der vergangenen Nacht ist das Haus einer Neonazi-Gegnerin mit einer Todesdrohung und rechtsextremen Parolen besprüht worden. Bislang Unbekannte hinterließen mit schwarzer Farbe eine Morddrohung. Die Schmierereien verunstalten die Hausfassade und den Briefkasten von Ruth Brenner, der ehemaligen Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechts. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, sagte ein Polizeisprecher dem Bayerischen Rundfunk auf Anfrage.

 

Traunreut: NAZI-SYMBOLE AN STÄDTISCHES GEBÄUDE IN BAYERN GESPRÜHT

Unbekannte Täter haben die Wand eines Wasserversorgungs-Häuschens auf dem Parkplatz der Traunpassage mit einem Hakenkreuz und der Zahl "88" beschmiert.

 

DEUTSCHER STELLT NAZI-STELE IN LOTHRINGEN AUF

Unbekannte haben im Bitcher Land eine Stele zu Ehren von Nazi-Soldaten errichtet. Wie der Républicain Lorrain auf seiner Internetseite berichtet, ist sie den Gefallenen der 17. SS-Panzergrenadier-Division gewidmet.

 

08.01.2018

 

50 RASSISTISCHE AUFKLEBER IN REINHEIM (HESSEN)

50 Aufkleber mit rassistischem Inhalt haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag im Stadtpark und der Kirchstraße in Reinheim angebracht. Das berichtet die Polizei. Besonders stark betroffen war das Büro der Kreistagsfraktion „Die Linken“, dessen Schaufenster und Tür laut Polizeisprecher Sebastian Trapmann mit 20 Aufklebern beschädigt worden ist. Weitere 25 bis 30 Aufkleber sind an Straßenschildern und Laternenmasten in Reinheims Ortsmitte entdeckt worden. Der Tatbestand der Sachbeschädigung werde geprüft, sagt der Polizeisprecher. Da eine Straftat mit politischem Hintergrund im Raum stehe, habe auch der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. „Die Aussagen auf den Aufklebern deuten wir als fremdenfeindlich. Deswegen haben wir den Staatsschutz eingeschaltet.“

 

09.01.2018

 

DREI GEFLÜCHTETE VON GRUPPE IN COTTBUS ATTACKIERT

Eine zehnköpfige Gruppe soll am Neujahrsmorgen in Cottbus auf drei Geflüchtete losgegangen sein. Die Stadt prüft, ob private Wachschützer den Opfern in der Geflüchtetenunterkunft ausreichend geholfen haben. Zehn junge Deutsche hätten die Afghanen als „Scheiß Ausländer“ beschimpft, sie anschließend verfolgt und bereits auf dem Weg zu ihren Wohnungen mit Schlagringen und Bierflaschen malträtiert. Den größten Schock hätten die Opfer aber erlebt, als sie in ihrer Unterkunft angekommen seien: Zwei Wachschützer hätten ihnen nicht geholfen.

http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/1247647/

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075504.cottbus-unterkunft-fuer-gefluechtete-gestuermt-wachschuetzer-schauten-zu.html

 

HITLERGRUSS IM METRONOM: BESOFFENER NAZI BEPÖBELT FAMILIE AUF DEM WEG NACH UELZE

Alkohol setzt Kräfte frei – und rassistisches Gedankengut! Bewiesen hat das am Sonntagabend ein 36-Jähriger auf einer Bahnfahrt zwischen Lüneburg und Uelzen. Dort zeigte er den Hitlergruß und pöbelte eine türkische Familie an. Nach Angaben der Polizei „erklärte“ der aus Vechta stammende Deutsche der Familie, dass „er als Deutscher immer im Recht sei“. Dass er bei alldem auch keinen Fahrschein vorweisen konnte, fällt da kaum ins Gewicht. Nach der Ankunft in Uelzen nahmen ihn dann Bundespolizisten in Empfang und auch gleich mit auf die Wache.

 

ST. MICHAELISDONN — SOZIALKAUFHAUS MIT HAKENKREUZEN BESCHMIERT

Das Sozialkaufhaus Hoelp in St. Michaelisdonn ist am Wochenende Ziel eines rechtsextremen Angriffs geworden. Fensterscheiben, mehrere Container und Autos der Sozialeinrichtung wurden mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Polizei hat Spuren gesichert und die Ermittlungen aufgenommen.

 

10.01.2018

 

Harthausen: BETRUNKENE MONTEURE AUS SACHSEN SOLLEN NAZI-PAROLEN GEGRÖLT UND BÖLLER GEZÜNDET HABEN

Mit "Heil-Hitler"- und "Sieg-Heil"-Rufen sowie krachenden Böllern sollen fünf alkoholisierte Männer in Harthausen (Rhein-Pfalz-Kreis) für Aufregung gesorgt haben. Laut einem Polizeisprecher vom Dienstag sind die Männer im Alter von 26 bis 49 Jahren Monteure aus Sachsen. Sie hätten sich am Montagabend in einem Anwesen in Harthausen aufgehalten. Die Polizei sei alarmiert worden, nachdem Anwohner laute Schuss- und Knallgeräusche gehört hatten und volksverhetzende Parolen gegrölt worden seien.

 

Berlin: FRAU IN BUS RASSISTISCH BELEIDIGT UND GESCHLAGEN

Eine junge Frau hat sich in einem Bus in Berlin über rassistische Bemerkungen gegen einen Mann empört – und ist selbst rassistisch beleidigt worden. Zudem soll die 23-Jährige am Dienstag von zwei unbekannten Frauen ins Gesicht geschlagen worden sein, sie erlitt leichte Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.

 

RECHTSEXTREME MIT STURMHAUBE UND PFEFFERSPRAY IN DORTMUND UNTERWEGS

Am Montagabend, 8. Januar, überprüften Einsatzkräfte der Bundespolizei zwei Männer, die nach eigenen Angaben um 22 Uhr im Dortmunder Hauptbahnhof „nur spazieren“ gingen. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass der 23-jährige Dortmunder und sein 21-jähriger Begleiter aus Schwelm der rechten Szene angehören. Auf Nachfrage händigte der Schwelmer ein Pfefferspray aus. Bei dem Dortmunder wurde eine schwarz-weiß-rote (Farben der „Reichskriegsflagge“ und Erkennungzeichen von Neonazis, Anm. d. Red.) Sturmhaube sichergestellt. Warum der Mann die Haube mit sich führte, konnte er den Polizisten nicht erklären.

 

Chemnitz: HASSPAROLEN AN FASSADE VON KURDISCHER BÄCKEREI

Auf der Glasfassade, die den kompletten Eingangsbereich des Ladens einnimmt, prangten zwei rote Hakenkreuze und eine SS-Aufschrift in Runenform. Auf eine Steinplatte direkt vor dem Fenster war ein weiteres Hakenkreuz gesprüht worden, ebenso wie die Worte "Heil Hitler". Doch nicht nur die Vorderseite des Ladens wurde beschmiert. Am Hintereingang, der über einen Parkplatz zu erreichen ist, stand ebenfalls in roter Farbe die Losung "Tod und Hass der BSG". Die Abkürzung BSG könnte sich unter anderem auf den Fußballverein FC Erzgebirge Aue beziehen, früher BSG Wismut Aue. Deren Fans und die Fans des Chemnitzer FC sind seit Jahrzehnten miteinander verfeindet. Neben Hakenkreuzen und Runen hinterließen die Täter weitere Schmierereien mit Fußballbezug wie "Chemnitz Ultras"

 

Offenbach: MIT HAKENKREUZ BESCHMIERT

Wahrhaft unerfreuliche Anblicke bieten sich derzeit Passanten an der Lilienthalstraße. Dort wurden ein Verteilerkasten sowie eine Hauswand mit nationalsozialistischer Symbolik beschmiert. Unser Leser Jo Herbst wies die Redaktion darauf hin.

 

11.01.2018

 

JUNGE FRAU BEI RASSISTISCHER ATTACKE IN GORBITZ DURCH HUNDEBISS VERLETZT

Ein besonders brutaler, fremdenfeindlicher Übergriff hat sich in Dresden ereignet. Dort wurde eine junge Frau aus Äthiopien Opfer einer Hetzjagd mit einem bissigen Hund.

 

Chemnitz: RECHTE SCHMIEREN HAKENK​REUZE, POLIZEI GUCKT ZU

In Chemnitz haben in der Nacht zu Dienstag Neonazis die Fassaden mehrerer Häuser rechten Parolen beschmiert. Darunter war auch die Hauswand und der Lieferwagen einer kurdischen Bäckerei, auf die die Rechten SS-Runen, Hakenkreuze, »Heil Hitler« und »Tod und Hass der BSG« sprühten, wie das Nachrichtenportal »Tag24.de« berichtet. Bei ihrer Nacht- und Nebel-Aktion hatten die Täter offenbar nicht bemerkt, dass sie von sechs Überwachungskameras bei ihrer Tat gefilmt wurden.

 

ÜBLE NAZI-SCHMIEREREIEN SCHOCKEN ANWOHNER IN STRAUBING

Hakenkreuze, SS-Runen, üble Nazi-Parolen wie „Heil Hitler“, „Nazis rein“ und „Sieg heil“– in Straubing haben rechte Schmierfinken am Donnerstag vergangener Woche für mächtig Wut und Empörung in der Inneren Frühlingsstraße gesorgt. Regenrinnen, Fensterbänke, Granitplatten – selbst ein Garagentor eines Mehrparteieinhauses wurde mit verbotenen Zeichen verunstaltet.

 

GEFLÜCHTETE UND SOZIALARBEITERINNEN IN GIESSEN BEDROHT

Geldstrafen für zwei Männer und eine Frau, die in Gießen Geflüchtete bedroht haben. Vor allem das Verhalten der Frau während des Prozesses ärgerte die Richterin.

 

 

 

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