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Februar 2017 Internet, Social Media, Hate Speech

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Bekam im Februar 2017 viel Aufmerksamkeit: Die Gegenrede-Gruppe #ichbinhier (Quelle: Screenshot Facebook, 03.03.2017)

Zusammengestellt von Simone Rafael

 

Volksverhetzung in Sachsen: Hetze und Sühne

Sachsens Justiz steht im Verdacht, sie gehe zu lasch mit Volksverhetzern um. Dabei hält sie sich zugute, 2016 so viele Täter verurteilt zu haben wie nie. Hier arbeiten wir 15 Fälle auf: Wie entschieden die Gerichte? Es handelt sich ausschließlich um Volksverhetzung im Internet oder per Email (ZEIT).

 

Aktuelle Verurteilungen im Bereich Hassrede im Internet bundesweit 

Wer? 46-Jähriger Familienvater aus IngolstadtWas? „Wie viele Frauen sollen noch vergewaltigt werden? Es muss sofort die Endlösung gefunden werden!“ auf FacebookKostet? Fünf Monate Gefängnis (20 Vorstrafen, während achtmonatiger Bewährungsstrafe wegen Nazi-Parolen).Welche Quelle? Augsburger Allgemeine Wer? 62-Jähriger aus dem Landkreis AugsburgWas? Asylbewerber_innen gehörten „in die Gaskammer“, in Kommentarspalte im Internet; im Verfahren entschuldigt er sich dafür.Kostet? 90 Tagessätze à 20 Euro (1.800 Euro)Quelle: Augsburger Allgemeine Wer? Betreiber zweier Internetblogs, »Grüselhorn« und »Neue Bürgerzeitung«, ehemaliger Redaktionsleiter einer Zeitung im Kreis TuttlingenWas? Volksverhetzung in drei Fällen; u.a. schrieb der 75-Jährige zu einem Bericht des Online-Portals welt.de: »Merkel und ihre Regierung müssen zurücktreten (. . .) Das Volk soll über die Umvolkung durch die CDU entscheiden (. . .) Hier ist nicht Kanakenland.« In weiteren Beiträgen benutzte er den Ausdruck »Gesocks« und nannte Flüchtlingsunterkünfte »Verbrecherzentren«.Warum? „Die Blogs sind entstanden, weil ich aufgerufen wurde Lücken zu füllen, die die normale Presse nicht füllt.“Kostet? 130 Tagessätze à 30 Euro (3.900 Euro).Quelle? Badische ZeitungBo.de Wer? 57-Jähriger aus VorpommernWas? Fordert auf Facebook 2015 (!), Claudia Roth aufzuhängen, nennt sie „linksfaschistische Sau“.Kostet? 1.920 EuroQuelle: SVZ Wer? 29-Jähriger aus ZittauWas? Schreibt zu einem geplanten Flüchtlingsheim an der B96, „man soll das Gebäude abfackeln“Kostet? Nix. FreispruchQuelle: Hitradio RTL Wer? 42-Jähriger aus WurzenWas? Schrieb im März 2016 auf der Facebook-Seite der NPD, es habe nie sechs Millionen tote Juden gegeben, das sei „alliierte Kriegspropaganda“.Kostet? Holocaust-Leugnung, 60 Tagessätze à 40 EuroQuelle? LVZ Wer? 68-jähriger BerlinerWas? Verschickt im Sommer 2014 antisemitische Hetz-Emails an jüdische Einrichtungen, politische Institutionen und Medien (18 Fälle)Kostet? 720 Tagessätze à 15 Euro =  10.800 EuroQuelle: Berliner Kurier 

München: 179 Schüler_innen schicken sich Nazi-Sprüche in Whatsapp-Gruppe

Eltern haben auf dem Smartphone ihres Sohnes einen rechtsradikalen Chat unter Schüler_innen entdeckt, in dem die SS verherrlicht wird und Judenwitze gemacht werden. Sie informieren die Polizei. Die Gruppe, die nacheinander „Schwarzer Humor“, „Schwarzer Tumor“ und „Arische Bruderschaft“ hieß)  und 179 Teilnehmenden (!) hatte, fliegt auf. Für den 14-jährigen Sohn hat das Folgen: Weil es in solchen Fällen keine Kronzeugenregelung gibt, muss er sich vor dem Jugendgericht verantworten (Süddeutsche Zeitung).

 

Neues zu Breitbart

Wer hat Angst vor Steve Bannon?

Steve Bannon hat einen gelinde gesagt erstaunlichen Aufstieg vom Dokumentarfilmer und Radiotalker zum zweitmächtigsten – oder mächtigsten? – Mann der USA hinter sich. „Time“ nennt ihn „The Great Manipulator“. Wer ist Steve Bannon, und warum hat man Grund, sich vor ihm zu fürchten? (Geschichte der Gegenwart)

Virtueller Lynchmob: Wie die rechte Nachrichtenseite „Breitbart“ Trump-Kritiker bedroht

Die rechte US-Nachrichtenseite „Breitbart“ fährt offensiv Kampagnen gegen Kritiker Donald Trumps. Damit stachelt „Breitbart“ rechte Gruppierungen an, die mit Gewalt drohen (huffingtonpost.de)

Ultrarechter Blogger Yiannopoulos verlässt „Breitbart“ wegen Pro-Pädophilie-Äußerungen

Der umstrittene Autor und Aktivist Milo Yiannopoulos zieht Konsequenzen aus seinen Äußerungen zu Pädophilie. Er kündigte bei „Breitbart“ – aus Rücksicht auf die Kollegen. Der rechtsextreme Blogger Milo Yiannopoulos zieht Konsequenzen aus seinen umstrittenen Äußerungen zu Sex mit Kindern und verlässt die ultrarechte Internetseite Breitbart. „Es wäre falsch, durch meine schlechte Wortwahl von der wichtigen Berichterstattung meiner Kollegen abzulenken. Deshalb verlasse ich ‚Breitbart‘ mit sofortiger Wirkung“, kündigte er vor Journalisten in New York an. Die Entscheidung habe er selbst getroffen. Zuvor hatte der Anhänger von US-Präsident Donald Trump den Zorn konservativer Kreise auf sich gezogen. Über Twitter wurde am Wochenende ein Video verbreitet, in dem der selbst ernannte „Fundamentalist der Redefreiheit“, der seine Homosexualität offensiv zur Schau stellt, den Sex von Männern mit 13-jährigen Kindern verteidigt hatte. Die „willkürliche und unterdrückende Idee von Einvernehmlichkeit“ sei das eigentliche Problem, sagte Yiannopoulos in einem Interview mit dem Podcast Drunken Peasants aus dem Jahr 2016. „Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchszeug.“ In einer homosexuellen Welt könne es 13-jährige Jungen helfen, zu sich selbst zu finden, wenn sie mit älteren Herren sexuelle Erfahrungen sammeln können (ZEIT).

Verwirrung um angebliches Breitbart-Jobangebot: Titanic bestreitet „Headhunter“-Anruf bei Matussek

Mit einem ungewöhnlichen Posting in eigener Sache wandte sich Ex-Spiegel-Autor Matthias Matussek heute an seine Facebook-Community. Der 62-Jährige machte so öffentlich, dass er einem Anrufer des Satire-Magazins Titanic auf den Leim gegangen sei, der sich als Headhunter ausgegeben und ihm einen Job bei der rechtslastigen News-Plattform Breitbart angeboten habe. Seltsam: Die Titanic bestreitet das (Meedia). Wie wir allerdings inzwischen wissen: Sie war es doch (Meedia).

 

Sexmob in „Bild“: Die Entstehung einer Ente

Er ist Frankfurter US-Bürger, politisch engagiert und Trump-Fan. Und er hat offenbar gute Kontakte zur „Bild“: Kerry Reddington. Schon vor der US-Wahl inszenierte er sich als Republikaner, der „gut drauf“ ist. Jetzt verhalf er dem Frankfurter „Bild“-Büro offenbar zu einem Artikel, der Präsident Trump sicher gut gefallen würde, um seine ausländerfeindliche Politik zu rechtfertigen: In der Silvesternacht, so lautet die Geschichte, die ein Szene-Gastronom auf Vermittlung von Reddington der „Bild“ erzählte, sei es in der Freßgass zu Übergriffen und Diebstählen durch Nordafrikaner und Flüchtlinge gekommen. In seiner Bar „First In“ hätten sie randaliert. Nur stimmt das nicht (NDR). 

Diskussion: Soll man mit Nazis überhaupt reden?

„Bloß nicht!“, findet Johannes Radke. „Doch, unbedingt!“, warnt Nikola Endlich. Unsere zwei Autoren streiten über den richtigen Umgang mit Rechtsextremen in der Öffentlichkeit (Fluter). Dazu haben wir auch bereits geschrieben

Facebook-Blase: Ausflug an den rechten Rand

Was passiert in diesen rechten Filterblasen auf Facebook? Drei Wochen lang sind zwei Hauptstadtkorrespondenten des ZDF darin eingetaucht. Es ging erschreckend leicht: Zutritt zu geschlossenen Gruppen, Hetze, Holocaust-Leugnung – ihre Erlebnisse haben die Journalisten entsetzt (heute.de). Auch die Hessenschau macht ein solches Experiment. 

Hate Speech: „Demütigung ist wie körperliche Gewalt“

Erst im Netz, dann auf dem Schulhof: Beleidigungen, Drohungen und auch tätliche Angriffe nehmen zu, der Ton ist rauer und aggressiver, beklagen Lehrer wie Schüler. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Hassreden und Gewalt – er beginnt im Gehirn, dass Demütigungen wie körperliche Gewalt abspeichert (Deutschlandfunk). 

Jäger und Sammler: „Oh, mein Bot“

Übernehmen Bots bald die Weltherrschaft, oder manipulieren uns zumindest mies im Internet? „Jäger und Sammler“ haben es untersucht und im Video zusammengestellt (Facebook). Dazu passt auch: „Wie erkenne ich Bots auf Twitter?“ (Facebook)

Einbetten: https://www.youtube.com/watch?v=KzA_27YUesg

 

Gegenstrategien

 

Was passierte, als ich alle Hass-Mails beantwortete

Ich bekomme Hate-Mails. Viel Hate-Mails. Eigentlich jeden Tag. Beleidigungen, Bedrohungen, manchmal auch wirre Nachrichten. Was passiert, wenn ich sie mit Herzlichkeit und Liebe beantworte? (Vice

Die neue digitale Zivilcourage

Große politische Aufregung liegt in der Luft. Lautes Pöbeln ist angesagt, ob nun im Netz oder im öffentlichen Raum bei Spaziergängen von Wutbürgern – oder aktuell bei der Präsentation des Aleppo-Denkmals in Dresden. Der Künstler Manaf Halbouni will mit seinem Werk eigentlich Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Stattdessen ertöntes lautes Gebrüll: „Schande“, „der Schrott muss weg“ oder „Volksverräter“. Auf Seiten derer, die gekommen waren, um das Denkmal zu sehen und den Reden zuzuhören, hielten viele ihre beiden Hände zu einem Herz geformt in die Höhe. Ein Zeichen gegen den Hass und die Hassparolen. Ein Motiv, das auch im Internet immer wieder auftaucht, wenn es um den Kampf gegen Hate Speech geht (heise.de). 

„Hooligans gegen Satzbau“ klauen Breitbart-News die Internetadresse

Das „Breitbart News Network“ muss erst einmal um seine potenziellen deutschen Webadressen klagen. Die Aktivistengruppe „Hooligans gegen Satzbau – Initiative gegen Rechts-Schreibung“ hält ab jetzt die Rechte an der Internet-Adresse „www.breitbartnews.de (RPTagesspiegel). 

Facebook-Initiative #ichbinhier: Hass ist krass. Anstand ist krasser.

Das Internet mit Fakten und Freundlichkeit zu fluten, klingt wenig wild, ist aber auf Facebook fast schon revolutionär. Nach Diskussionen, wie die Firmen gegen Hate-Speech vorgehen müssten, handeln die User jetzt einfach selbst: Mit der Gruppe #ichbinhier (BRAachener Zeitungvorwärts.de ). 

Hass im Netz: „Es ist einfach zu sagen: Facebook muss es lösen“

Anne Brasseur, Botschafterin der „No Hate Speech“-Kampagne, fordert Bürger zu Engagement auf. Facebook allein für den Kampf gegen Hate Speech verantwortlich zu machen, sei keine Lösung und obendrein gefährlich (Der Standard). 

Uni Halle: Forscher entwickeln Algorithmus gegen Hass im Netz

Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität in Halle haben einen Algorithmus entwickelt, der erkennt, wenn Nutzer in Kommentaren Hassbotschaften verbreiten. „Das Programm analysiert die Kommentare und sucht nach Wörtern und Wortgruppen, die in einer Datenbank hinterlegt sind“, sagt Uwe Bretschneider, der das Programm geschrieben hat. Das können zum Beispiel Schimpfwörter oder Aufforderungen zu Gewalt sein. Die Datenbank lässt sich beliebig anpassen und kann daher weiter wachsen. Wird ein Beitrag mit Hate Speech erkannt, kann dieser entweder automatisch gelöscht  oder einem Moderator zur Kontrolle vorgelegt werden. „Für Hate Speech ist es aber zusätzlich wichtig zu wissen, gegen welche Personen sich eine bestimmte Aussage richtet“, sagt Bretschneider. Deshalb hat der Wirtschaftsinformatiker sein Programm  ergänzt: Es analysiert die Kommentare im Kontext der Diskussion auf Facebook und erkennt dadurch den Adressaten einer Aussage; Bretschneider unterscheidet insbesondere zwischen Aussagen gegen Geflüchtete, Politiker oder Medien. Die Trefferquote des Algorithmus aus Halle liegt bei 70 Prozent. „Das mag zunächst ernüchternd klingen, könnte die Arbeitszeit für Moderatoren aber schon deutlich reduzieren“, sagt Bretschneider (mz-web; vgl. Stuttgarter Zeitung). 

Dreistufiges Programm: Twitter sagt Hate Speech den Kampf an

Erst Facebook, nun Twitter – im Kampf gegen News und Hate Speech setzt der Kurznachrichtendienst allerdings vor allem auf technische Hilfsmittel. Twitter will diesen Problemen in drei Schritten begegnen. Zunächst sollen jene Twitter-Konten ermittelt werden, die zur Verbreitung von Hate Speech und Fake News missbraucht werden sollen. Vor allem Wiederholungstäter, die immer wieder neue Konten eröffnen, sollen identifiziert und permanent von Twitter ausgeschlossen werden. In einem weiteren Schritt will Twitter die Programme verbessern, mit denen geblockte Inhalte aus den Suche-Ergebnissen entfernt werden. In einem dritten Schritt geht es darum, kontroverse Inhalte in der Timeline weniger sichtbar zu machen (Tagesspiegel). 

Wikimedia Foundation und Google: Mit Daten gegen Trolle

Die Wikimedia Foundation arbeitet mit Google zusammen, um Onlinediskussion in zivilisiertere Bahnen zu lenken. Dabei soll eine Software gerade von Hatespeech lernen. Frauenfeindlichkeit, Rassismus und ganz schlimme Schimpfwörter – eine Sammlung von mehr als 13.500 Online-Hassbotschaften enthält all das und noch viel mehr. Die „Nastygramme“ stammen von den Diskussionsseiten der Wikipedia. Die Kollektion wurde zusammen mit 100.000 normalen Postings nun von Forschern veröffentlicht, die bei der Google-Mutter Alphabet und der Non-Profit-Organisation hinter dem Onlinelexikon, der Wikimedia Foundation, tätig sind. Mit dem Big-Data-Paket sollen Algorithmen trainiert werden, mit deren Hilfe problematische Online-Inhalte künftig leichter erkannt und bekämpft werden könnten (heise.dehaufe.de). 

Google und Facebook: Gezielte (Des)information

 

Dies ist die Geschichte eines Scheiterns – eines aufschlussreichen Scheiterns. Für diesen Artikel wollten wir Zahed Amanullah begleiten, der sich gegen Hass und Propaganda im Netz und in sozialen Netzwerken engagiert. Er arbeitet dafür mit Facebook zusammen, auch in Deutschland. Zahed Amanullah ist ein 47-jähriger kalifornischer Muslim, der nicht hinnehmen wollte, dass eine radikale Minderheit seiner Glaubensbrüder im Internet aggressiv Nachwuchs für den IS anwirbt. Der studierte Architekt hat sein Engagement zu seinem Beruf gemacht, bei dem Thinktank Institute of Strategic Dialogue (ISD) in London. Dort leitet er nach zehnjährigem Engagement gegen Extremismus seit drei Jahren die Forschungsgruppe Counter Narratives, was man in etwa mit „Gegenerzählungen“ übersetzen könnte. Es ist ein vielversprechendes Mittel gegen den Hass und die Radikalisierung in der Sphäre der großen Internetkonzerne (ZEIT)

 

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