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Graphic Novel Tristesse für Flüchtlinge „im Land der Frühaufsteher“

Eine Stunde aus der Disko durch den Wald nach Hause laufen, weil man keine Bahn bezahlen kann. Keine Privatsphäre zu Hause – und misstrauische Blicke, sobald man das unheimatlichen Heim verlässt. Die Berliner Illustratorin Paula Bulling hat ein halbes Jahr in Asylbewerberheimen in Sachsen-Anhalt recherchiert. Das Ergebnis ist die Graphic Novel „Im Land der Frühaufsteher“.

 
Ausschnitt aus dem Titelbild der Graphic Novel "Im Land der Frühaufsteher" von Paula Bulling. (Quelle: Avant-Verlag)

Am Anfang war ein Zufall. Paula Bulling, die in Berlin lebt und in Halle Keramik und Illustration studiert hat, war mit einer Freundin in Syrien. Dort lernte sie syrische Menschenrechtsaktivisten kennen, die zuvor in Flüchtlingsheimen in Thüringen gelebt hatten. Was die der 26-Jährigen über das Flüchtlingsleben in Deutschland berichteten, ließ die Künstlerin nicht mehr los. Sie lernte den nigerianischen Filmemacher Maman Salissou Oumarou kennen, der in Sachsen-Anhalt im Flüchtlingsheim lebte,  und begab sich mit seiner Hilfe auf die Recherche in den verlassenen Orten der Republik, die in der Regel Flüchtlingsheime beherbergen. 

Die Graphic Novel „Im Land der Frühaufsteher“ fängt die Situation verschiedener Flüchtlinge ein, hat erwachsene, jugendliche und kindliche Protagonist*innen. Sie alle haben viele Sorgen und noch mehr Träume, während sie in trostlosen Betonkästen darauf warten, aus dieser Warteschleife wieder ins reale Leben entlassen zu werden. Manchmal ist das ein Transfer in das nächste Heim, der Besserung verspricht, oft genug auch die Abschiebung, weil ein Asyl dann doch nicht gewährt wird. Gleichzeitig thematisiert Bulling auch ihre Rolle als weiße Erzählerin: Sie will nicht so tun, als gäbe sie  den Flüchtlingen eine Stimme. Sie will das tun, was sie kann: Ihre Betrachtung, ihre Reportage, ihr Zeugnis der Situation ablegen. In aller Hilflosigkeit gegenüber dem, was diesen Menschen von den Mitmenschen und Behörden aus geschieht – bis zum dramatischen Ende, als ein Mann ums Leben kommt, ohne dass die äußerst dubiosen Umstände die Öffentlichkeit ernsthaft interessieren würden. Später wird es – ohne jeden Grund – heißen, er sei schon selbst schuld gewesen.

Bullings Zeichnungen sind skizzenhaft, in schwarzweißen Schattierungen gefast in Zeichnung und Aquarell, das passt zu den Momentaufnahmen ihrer Begegnungen wie zur unsteten Situation ihrer Protagonist*innen. „Im Land der Frühaufsteher“ ist eine überzeugende Graphic Novel, die die Flüchtlingsthematik, Alltagsrassismus, Berührungsängste und Annäherungsversuche eindringlich vermittelt.

Paula Bulling: Im Land der Frühaufsteher

Avant-Verlag, 125 Seiten, 17,95 Euro.

Eine Leseprobe als PDF gibt es hier.

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