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Kein Rosenkrieg, sondern Misogynie Antifeministen instrumentalisieren Prozess zwischen Amber Heard und Johnny Depp

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Postings zum Prozess von Amber Heard und Johnny Depp: Misogynie in Meme-Form.

Eigentlich ist das Internet eine großartige Sache. Es gibt uns Katzenbilder, Fanfiction und internationale Vernetzung mit Gleichgesinnten. In einer patriarchal strukturierten Welt, in der sich momentan ein brutaler misogyner Backlash gegen die feministischen Errungenschaften der letzten Jahre stattfindet, sind diese Gleichgesinnten allerding auch andere Frauenhasser. Paradebeispiel hierfür war die misogyne Gamergate-Kampagne von 2014, die sich gegen FLINTA* in der Videospielbranche richtete. Die Opfer dieses antifeministischen Feldzugs erhielten unzählige Hassnachrichten, ihre Vorträge wurden von Trollen gestürmt, Gamergater produzierten zehntausende Stunden YouTube-Material, die Adressen der Betroffenen wurden veröffentlicht, sie wurden mit Vergewaltigung und dem Tod bedroht. Die GamerGate-Kampagne war durch ihre Mobilisierung gekränkter junger Männer auch die Geburtsstunde der Alt-Right in den USA, also der Internet-Rechtsextremen, die sich “alternativ” nannten, obwohl ihre Ideologie die gleiche ist wie von allen Rechtsextremen.

Wer die Social Media-Rezeption des sechswöchigen Rechtsstreit zwischen den Schauspieler:innen Amber Heard und Johnny Depp mitverfolgt hat, kommt nicht umhin, sich an die GamerGate-Kampagne erinnert zu fühlen. In dem live ausgestrahlten Prozess hatte Johnny Depp seiner Exfrau vorgeworfen, ihn mit einer Kolumne in der Washington Post verleumdet zu haben, in der Heard über häusliche Gewalt geschrieben hatte. Heard reagierte mit einer Gegenklage, ebenfalls wegen Verleumdung. Trotzdem hatte das Internet seine Vorverurteilung schnell gefällt: Selten wurde derart viel Hass und Häme über eine Frau ausgekippt wie über Amber Heard, die seit Prozessbeginn für große Teile des Internets nicht als Opfer einer missbräuchlichen Beziehung war, sondern als hysterische Lügnerin und Täterin galt. Dies ist begründet in einer gesellschaftlich omnipräsenten Misogynie, der Identifikation mit Johnny Depp als Weltstar und Verkörperung idealisierter Männlichkeit, der zynischen „Memefizierung“ eines Gerichtsprozesses zwischen zwei Celebrities, der trotz des sensiblen Themas vor die Augen der Öffentlichkeit abgehalten wird, und letztendlich der gezielten Propaganda durch organisierte antifeministische Kräfte. Über die ersten zwei Aspekte wurde bereits ausführlich geschrieben, dieser Text soll behandeln, wie der Prozess gegen Amber Heard auch genutzt werden soll, um vor allem junge Männer in die „Manosphere“ zu radikalisieren.

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Selbst für Personen, denen Celebrities weitestgehend egal sind, war es unmöglich, der Berichterstattung zu dem Prozess zu entkommen, da er Social Media über die letzten Wochen dominiert hat. In dem Rechtsstreit hatten sich beide Parteien gegenseitig Übergriffigkeit und häusliche Gewalt vorgeworfen. Obwohl Johnny Depp seit Jahren mit Kontrollverlust und Alkoholmissbrauch zu kämpfen hat und häufig durch Misogynie aufgefallen ist, war sich das Internet geschlossen einig, dass er unschuldig sei und Heard ihn zu Unrecht mit häuslicher Gewalt in Verbindung brächte – trotz eines 2020 in Großbritannien geführten Prozesses mit dem gleichen Gegenstand, den Depp in 12 von 14 Fällen verloren hatte.

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Auf TikTok verzeichnet der Hashtag #JusticeForJohnny inzwischen 1,4 Milliarden Aufrufe. Facebook-Reels werden von Ausschnitten aus der Live-Übertragung der Gerichtsverhandlungen dominiert. YouTube-Videos zu dem Prozess verzeichnen Aufrufe im zweistelligen Millionenbereich, zahlreiche Kanäle und Influencer:innen haben sich ausschließlich der Berichterstattung darüber gewidmet – mit klarer Voreingenommenheit für Depp, selbst bei vermeintlich „neutralen“ Kanälen. Auf dem Forum Reddit können sich die Ersteller:innen von positivem Johnny Depp-Content auf mehrere tausend Upvotes freuen. Selbst auf der Plattform Twitch, die eigentlich für Videospiel-Streams gedacht ist, diskutieren Gaming-Influencer:innen über Depp und Heard. Die Washington Post zitiert den Content Creator Rowan Winch, der erklärt: „Inhalte zu Johnny laufen wesentlich besser. Wenn Menschen Sachen posten, die Amber Heard verteidigen, verlieren sie Follower. Eine Menge großer Content Creator interessieren sich vermutlich nicht mal so groß für den Prozess – sie interessieren sich nur für die Klicks, die sie bekommen.“

Nun ließe sich argumentieren, dass Content mit Position für Depp nicht so schlimm sei, schließlich sei es ja lediglich eine Parteiergreifung, und es sei auch wichtig, über Männer als Opfer häuslicher Gewalt zu sprechen. Zweifelsohne ist dies eine zwingende Notwendigkeit in einer Gesellschaft, in der dies für Männer nach wie vor stigmatisiert ist. Aber dies ist im Falle der „JusticeForJohnny“-Kampagne in der Regel nur ein vorgeschobenes Moment, um gegen Feminismus und #MeToo mobil machen zu können.

Ein Revival für Gamer Gate

Antifeminismus, Misogynie und gekränkte Männlichkeit stellen nachgewiesen einen der wichtigsten Türöffner in die radikale und extreme Rechte dar. Dies funktioniert so gut, da in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft Sexismus und die antifeministische Angst um die patriarchale Vorherrschaft bereits strukturell verankert sind. Wie gerade Gamer Gate dargelegt hat, amplifiziert das Internet diese Radikalisierung ungemein. Algorithmen von Plattformen wie YouTube oder TikTok präferieren nachgewiesen radikalere Inhalte, das bedeutet: wer sich Videos zum Prozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard ansieht, bekommt früher oder später unweigerlich explizit frauenfeindliches und antifeministisches Material in den Feed gespült. Denn dieses gibt es zur Genüge, ob nun in Form von „Amber Heard Cringe Compilations“, in denen eine weinende Frau verhöhnt wird, oder Videos mit einem Titel wie „Amber Heard proved Feminism is Trash“. Das Ziel: junge Männer für den organisierten Antifeminismus begeistern. Dass der Hashtag „JusticeForJohny“ regelmäßig mit Hashtags wie „AmberTurd“ oder „MePoo“ verwendet wird, zeigt auf, wie eng die affekthafte Solidarität mit einem mächtigen Mann und Frauenhass verwoben sind.

Zu den Menschen, die den Prozess live kommentieren, zählte der in Minnesota ansässige Richter Nick Rieta, der behauptete, über die juristischen Hintergründe des Falls aufzuklären – jedoch mit einer klar frauenfeindlichen Bias. Ein anderer populärer Streamer, der unter dem Namen TheUmbrellaGuy Berichterstattung lieferte, ist in seinem antifeministischen Denken etwas offener und sprach davon, dass der Prozess der „Hollywood-Agenda“ einen Strich durch die Rechnung machen würde. „Hollywood-Agenda“ ist eine antisemitische Chiffre, die suggeriert, dass Hollywood ein Hort des „Kulturmarxismus“ und Feminismus sei.

Viele YouTuber:innen, die explizites Material gegen Amber Heard produzieren, haben sich einen Namen gemacht mit Videos zu „Social Justice Warriors“ und Feminist:innen, die eine Bedrohung für weiße Männer im Allgemeinen und die Videospiel-Community im Besonderen darstellten. Kanäle wie The Quartering, Upper Echelon Gamers oder That Star Wars Girl haben sich in den letzten Wochen so gut wie ausschließlich auf Kommentare zum Prozess fokussiert. Auch Gaming-Kanäle, die bisher weniger durch politische Inhalte aufgefallen sind, wie der “World of Warcraft”-Streamer Asmongold TV oder Vanoss Gaming haben Videos produziert, in denen sie Amber Heard lächerlich machen. Im deutschsprachigen Raum hat sich der YouTuber KuchenTV, der schon häufiger wegen menschenfeindlichen Inhalten in der Kritik stand, auf Instagram ebenfalls gegen Amber Heard ausgesprochen. Auch das Gamer Gate-Subreddit r/KotakuInAction verzeichnet mehrere antifeministische Postings zum Prozess und echauffiert sich über eine feministische Berichterstattung darüber.

Neben generischen „Johnny Depp hat gewonnen“-Postings auf Mainstream-Subreddits wird der Prozess vor allem auf r/Antifeminists, r/MensRights und r/JusticeforJohnnyDepp besprochen. Der Tenor auf den antifeministischen Subreddits spricht eine sehr deutliche Sprache: unzählige Männer sind Opfer falscher Vergewaltigungsanschuldigungen durch niederträchtige Frauen! Westliche Frauen nutzen den Feminismus, um Männer zu unterjochen! Die Medien sind alle kulturmarxistisch und feministisch indoktriniert und zweifeln deswegen daran, ob Johnny Depp ein komplett unschuldiges Opfer ist! Endlich können wir es diesen Feministinnen die MeToo-Bewegung heimzahlen! Ein Nutzer schreibt sogar sehr offen: „Derartige Sachen lassen mich darüber nachdenken ob diese Bibel-Verse, die sagen, dass Frauen keinerlei Autorität über Männer haben sollten, nicht eine gewisse Weisheit beinhalten. Die gruppenbezogene Bias von Frauen ist so stark, dass die Gefühle einer Frau Vorrang vor den Grundrechten eines Mannes haben.“ (Projektive Täter-Opfer-Umkehr ist übrigens integraler Bestandteil der Männerrechtsbewegung).

Häme und Täter-Opfer-Umkehr

Einer der Beiträge mit den meisten Upvotes auf dem r/JusticeForJohnnyDepp-Subreddit zeigt Amber Heard mit einem Schild mit der Aufschrift: „This is what a domestic abuser looks like. Abuse has no gender“. Dies soll bewusst verschleiern, dass Heard selbst Opfer von Depps Missbrauch war, viel mehr aber, dass häusliche Gewalt durchaus ein Geschlecht hat: sie ist männlich. Sexuelle und häusliche Gewalt ist eine systematische, patriarchale Waffe gegen Frauen. In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt; etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch ihren aktuellen oder durch ihren früheren Partner. Die Dunkelziffern dürften sehr viel höher sein. Interessant ist auch, dass die Postings in den Männerrechts-Subreddits zum Schauspieler Terry Crews, der im Rahmen der MeToo-Kampagne sich als Opfer eines sexuellen Übergriffs durch einen anderen Mann geoutet hatte, nur einen Bruchteil der Upvotes von Postings zu Johnny Depp erhalten haben, und häufig mit Kommentaren versehen sind, die Crews abkanzeln, da dieser sich als profeministisch begreift. Die Diskussion um Männer als Opfer von Gewalt, sei es durch andere Männer oder durch Frauen, wird hier genutzt, um maskulinistische Stimmungsmache zu betreiben. Der im Rahmen des Prozess popularisierte Hashtag „MenToo“ stellt quasi eine geschlechtsspezifische Version von „AllLivesMatter“ dar: er dient der Delegitimierung systematischer Unterdrückung. Das Bild selbst stammt übrigens von der Gruppe „Fathers for Justice“, der größten maskulinistischen Organisation in Großbritannien.

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Wenig überraschend wird der Prozess auch in rechtsradikalen Foren und der Incel-Community breitgetreten. Der entsprechende Thread auf dem Troll-Forum KiwiFarms, das sich vor allem durch Belästigung und Doxxing von queeren Personen und Feminist:innen auszeichnet, hat 145 Seiten. Schadenfreude über Heards Niederlage und die Frustration von feministischen Aktivist:innen geben hier den Ton an. Incels gehen, wenig überraschend, einen Schritt weiter und wünschen sich direkt die Vergewaltigung jener Frau, die es gewagt hat, darüber zu sprechen, dass ein berühmter Mann ein Problem mit Alkoholmissbrauch und Impulskontrolle hat.

Auf Twitter nutzen vor allem Accounts aus der Redpill- und Pick Up Artist-Szene – sie tragen bezeichnende Namen wie Masculine Theory oder Path to Manliness die Hashtags zum Prozess, um neue Follower zu gewinnen und antifeministische Propaganda zu verbreiten.

Zehntausende Dollar für Frauenhass

Auch die rechtsradikale Medienlandschaft glänzt seit Wochen durch eine einseitige Berichterstattung. Wie eine Recherche des VICE Magazine ergeben haben, hat The Daily Wire, das News-Outlet des Alt-Right Trolls Ben Shapiro, zehntausende Dollar in gezielte Propaganda gegen Amber Heard investiert. Diese zeichnen sich regelmäßig durch antifeministische Rhetorik und Fake News aus. Auch Breitbart und FOX News, zwei der wichtigsten Informationsquellen für konservative bis rechtsextreme US-Amerikaner:innen, haben den Prozess begleitet, nicht ohne regelmäßig zu erwähnen, dass die MeToo-Kampagne einem Krieg gegen Männer Tür und Tor geöffnet hätte.

Zum Prozessende am 1. Juni 2022 veröffentlichte sogar die Republikanische Partei einen Tweet mit einem Gif von Captain Jack Sparrow, Depps letzter größerer Rolle, und beglückwünschte ihn zu seinem Sieg. Dies ist bei einer Partei, deren politisches Programm aus dem konsequenten Kampf gegen Frauenrechte besteht, wenig überraschend.

Auch reaktionäre Kräfte in Deutschland halten mit ihrer Schadenfreude nicht zurück. Auf dem rechtspopulistischen Blog Die Achse des Guten schreibt ein verzweifelter Autor unter der Überschrift „Johnny Depp hat sein Leben wieder. Andere Männer nicht“ folgendes Lamento über den vom Feminismus gebeutelten Mann: „Wir erleben gerade eine neue Barbarei. Als Opfer. Als Zuschauer. Wir erleben den Verlust zivilisatorischer Errungenschaften wie die Unschuldsvermutung oder die Möglichkeiten der Verjährung. Vertrauensbildung wird grundsätzlich hintertrieben. Möglichkeiten zur Versöhnung werden leichtfertig in den Wind geschlagen. Errungenschaften, die ein friedliches Zusammenleben überhaupt erst möglich machen und die – nebenbei bemerkt – nicht selbstverständlich sind, verflüchtigen sich vor unseren Augen.“ Es geht hier wohlgemerkt nicht darum, dass Frauen, die sexuelle und häusliche Gewalt erfahren, konsequent mit Victim Blaming und Zweifeln begegnet wird, sondern darum, dass „Millionen Männer […] dank Familienzerstörung unter dem Banner des Feminismus kein Recht auf die Unschuldsvermutung“ haben.

Andere Medien, die sich darüber freuen, dass eine Frau wegen Verleumdung verklagt werden kann, weil sie über häusliche Gewalt spricht, sind zum Beispiel das rechtsextreme Compact-Magazin, Tichys Einblick und das Krautzone-Magazin, außerdem Antifeminist:innen wie Niklas „Neverforget Niki“ Lotz und Birgit Kelle. Da Lotz und Kelle zudem enge Verbindungen zur „Querdenken“-Szene haben, ist es auch nicht verwunderlich, dass Berichterstattung gegen Amber Heard in Telegram-Kanälen der Community, als auch der verschwörungsideologischen QAnon-Szene begeistert aufgenommen und verbreitet wurde.

Antifeministische Verschwörungsideologie auf Social Media

Es gibt in der Social Media-Rezeption des Prozesses durchaus auch Parallelen zur QAnon-Bewegung. Diese hat unter anderem wegen ihres kollektiven Moments derart viel Zulauf erhalten: gemeinsam konnten Anhänger:innen die sogenannten „Q Drops“ entschlüsseln, die auf dem rechtsextremen Imageboard 8kun gepostet wurden. Auf dem Board und in zehntausende User:innen starken Telegram-Gruppen haben sich User:innen gegenseitig in ihrer Weltsicht bestätigt, in dem sie alle erdenklichen gesellschaftlichen Ereignisse aus ihrem Verschwörungsglauben heraus analysieren konnten. Jede noch so kleine Belanglosigkeit wurde als „Beweis“ gesehen, wieso „Q“ mit seinen Behauptungen Recht behalten sollte.

Ähnliches geschah im Rahmen der Social Media-Rezeption der Gerichtsverhandlungen, die von zahlreichen wilden Behauptungen und Anschuldigungen begleitet wurde. Zehntausende User:innen versuchten gemeinsam zu analysieren, wieso Amber Heards dokumentierte blaue Flecken Make-Up oder die Nachrichten, die sie bereits vor ihrer Scheidung und der darauf folgenden Unterlassungserklärung gegen Johnny Depp Fälschungen seien. Selbsternannte Expert:innen für Körpersprache begannen, von Videos und TikToks ausgehend, zu begründen, dass die Schauspielerin sich durch ihre Mimik und Gestik als Lügnerin offenbaren würde – ungeachtet der Tatsache, dass eigene Projektionen und Einstellungen diese „Analyse“ sämtlicher Objektivität berauben. Aus durchschnittlichen Social Media-Nutzer:innen wurden über Nacht Psycholog:innen, die Heard Borderline oder histronische Persönlichkeitsstörung attestieren konnten. Selbst Heards Outfits wurden als vermeintlicher Beweis herangezogen, um zu behaupten, Heard wolle ihren Ex-Mann im Gerichtssaal manipulieren. Angeblich hätte sie die Diffamierung Depps von langer Hand geplant, um seine Karriere zu ruinieren und reich und siegreich aus dem Trennungsprozess hervorzugehen, argumentieren Depp und seine Fans. Dies ist nichts anderes als eine frauenfeindliche Verschwörungserzählung.

Die Hasskampagne gegen Amber Heard funktioniert derart gut, da in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft, die gewalttätige Männer systematisch schützt, Frauen, die ihre Täter als solche benennen, von vornherein keinen Glauben schenkt. Heard, die zahlreiche Beweise für die Gewalt ihres Exmannes vorgelegt hat, ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Dass eine junge, vergleichsweise unbekannte Frau wie Amber Heard einen der beliebtesten Schauspieler der Welt angeklagt hat, verschlechterte ihre Chancen, von der Öffentlichkeit Glauben zu erfahren, zudem um ein Vielfaches. Depp, der den Prozess zur Chance auf die „totale, weltweite Erniedrigung“ seiner Expartnerin erklärt hatte und seine willige Armada an Online-Fans, verwandelten den Rechtsstreit in ein misogynes Meme-Spektakel. Vor allem sind der Prozess, dessen Online-Rezeption und sein Ausgang als Backlash gegen die Errungenschaften der MeToo-Kampagne zu verstehen, die Antifeministen und Männerrechtlern seit ihrem Beginn ein Dorn im Auge ist. Ein Artikel im Rolling Stone zitiert eine Anwältin für die Opfer sexueller Gewalt, die darüber spricht, dass „hunderte“ ihrer Klientinnen ihre Anzeigen zurückgezogen hätten, als direkte Reaktion auf die Urteilsverkündung. Männerrechtler freuen sich, dass eine Frau, die vor allem wie Heard noch feministisch aktiv ist, in diesem bisher kaum gekannten Ausmaß gedemütigt wurde. Ihr nächstes Opfer haben sie übrigens bereits gefunden: die „Westwood“-Schauspielerin Evan Rachel Wood, die ihren Expartner Marilyn Manson der häuslichen Gewalt bezichtigt hatte. Manson und Johnny Depp sind seit Jahren beste Freunde.

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