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Newsletter-Editorial Der sehr lebendige Antisemitismus

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Wenn Sie Post von uns wünschen, abonnieren Sie gern unseren wöchentlichen Newsletter. (Quelle: Brett Jordan / Unsplash)

Liebe Leser*innen,

am 9. November haben wir zum 85. Mal der Opfer des Holocausts gedacht, des mörderischen Antisemitismus der Nationalsozialist*innen. Oft fühlt sich dieser Tag nicht halb so historisch, wie wir ihn gern hätten.

2011 etwa erfuhr die Welt wenige Tag vor dem 09. November, am 04. November, dass Morde aus gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit kein Ding der Vergangenheit sind: Es war der Tag, an dem die Welt vom rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ und seinen rassistischen Mordtaten erfuhr, die über 10 Jahre in Deutschland unentdeckt blieben – auch, weil Rassismus in der Gesellschaft und in den Ermittlungsbehörden den Rassismus der Taten nicht sah und entsprechend ermittelte.

2019 erschütterte der antisemitisch motivierte rechtsterroristische Anschlag von Halle Deutschland. Der fand zwar an Jom Kippur am 9. Oktober stattfand, aber das Gedenken am 9. November 2019 fühlte sich erschreckend aktuell an.

Und 2023? Heute quillt der Antisemitismus in Deutschland aus allen Poren. Antisemitismus führt in Deutschland – und weltweit – zu Mitleidlosigkeit gegenüber den Opfern des Terroranschlags der Hamas in Israel. Selbst die Poster der von den Terroristen verschleppten Babys werden in Deutschland von den Litfaßsäulen gerissen. Die Unterstützung des islamistischen Terrors gegen Israel wird unter dem Banner vermeintlicher Menschenrechte geführt – als habe ein antidemokratische, extremistische Ideologie je zu Frieden und Freiheit für Menschen geführt. In einer unheiligen wie unheimlich uninformierten Allianz treffen sich Islamist*innen und Terrorunterstützer*innen mit und ohne Migrationsgeschichte mit Menschen, die sich als antirassistisch und progressiv verstehen, aber die Geschichte von Israel und Palästina als Kolonialgeschichte missverstehen (wollen).

Rechtsextreme stehen derweil am Rand und applaudieren jedem, der Antisemitismus anspricht, weil jetzt müssten ja wohl alle „aufwachen“ und erkennen, dass Migration das Problem sei. Sie passen sehr schön in die Vereinfachungen, die den Diskurs gerade bestimmen:  Wer Antisemit*innen abschiebt, bekämpft keinen Antisemitismus, sondern schiebt ihn nur woanders hin. Aber klar: Rechtsextremen geht es nicht um die Bekämpfung des Antisemitismus, sondern um die Gelegenheit, Rassismus zu verbreiten. Ebenso sagt die Hamas zwar „Die Menschen in Gaza“, aber der Hamas geht es nicht um die Verbesserung der Menschen in Gaza, sondern um den islamistischen Dschihad gegen die westliche Welt.

Während wir uns alle nach Frieden sehnen, bekommen wir ihn in einer wild polarisierten Welt, die ihre Menschlichkeit verliert, immer weniger. Der Diskurs wird immer schriller, weil unsere Gesellschaften trotz jahrelanger Bemühungen offenkundig Desinformationen und Propaganda völlig schutzlos gegenüber stehen. Haben wir nicht gerade erst im Russland-Ukraine-Krieg gelernt, dass wir nicht alle Informationen aus Kriegsgebieten glauben können? Dass es keine verlässlichen Informationen gibt, solange die Pressefreiheit in einem Gebiet nicht gegeben ist und wir die für die Welt freigegebenen Informationen als mutmaßlich manipuliert ansehen müssen? Gerade, wenn sie sehr einseitig erscheinen? Wir hätten es lernen können. Wir haben es aber wieder nicht getan.

Kurzum: Wir haben in der letzten Woche wieder sehr viel über Antisemitismus geschrieben. Über den historischen und den aktuellen, den rechtsextremen und den islamistischen und den gesamtgesellschaftlichen.
Weil wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass Informationen trotzdem etwas bewirken.

Weil es das ist, was wir tun können.

Herzliche Grüße

Simone Rafael

Chefredakteurin Belltower.News

Dieser Text ist die Einleitung des aktuellen Belltower.Newsletters.
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