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Rassismus Frank Thelens Gedanken zu Zwangssterilisationen in Afrika

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Investor Frank Thelen (Quelle: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)

Der Unternehmer Frank Thelen hatte in einem Podcast aus dem Oktober 2019 gedanklich durchgespielt, wie eine Geburtenkontrolle in Afrika erfolgen könnte. Im letzten Part des Podcast bringt Thelen den Klimawandel und die Umweltverschmutzung ins Spiel und sagt: „Am Ende des Tages ist eins der größten Probleme, dass wir uns als Menschen immer mehr vermehren.“ Dann fragt er seinen Gesprächspartner, den Wirtschaftsphilosophen Anders Indset, ob es dem Planeten besser gehen würde, wenn wir weniger Menschen hätten. Indset sagt: „Es kommt drauf an, welche Menschen dann weg wären.“

„Natürlich würde es der Erde besser gehen, wenn es überhaupt keine Menschen gäbe“, sagt der Philosoph nach einigem Hin und Her und ergänzt später: „Ich mache mir eher Gedanken, weil wir eben acht Milliarden haben und weil wir einen unfassbaren Zuwachs an Menschen in Afrika haben werden. Wie können wir die Lebensgrundlage, also dieses organisierte menschliche Leben verlängern? Wir sind längst überfällig als Spezies. Wie können wir es verlängern, sodass es uns gelingt, zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten auch einigermaßen zu versorgen?“

Thelens Gedanken zur Zwangsterilisation von Arikaner:innen

Mit Blick auf die ehemalige Ein-Kind-Politik der Volksrepublik China sagt Thelen schließlich: „Man könnte in Afrika genau das machen: Ein Gesetz erlassen und sagen, nach so und so viel Geburten wird der Mann sterilisiert, die Frau… . Ich sage nicht, dass das richtig ist.“

Jener Ausschnitt aus dem Podcast wurde vor einigen Tagen auf Twitter veröffentlicht. Thelen selbst äußerte sich schließlich selbst zum Fall. Er entschuldigte sich für seine Wortwahl, kommt dabei jedoch nicht ohne einen Hufeisen-Vergleich aus, er möchte weder die AfD noch Linksradikale in der neuen Regierung haben. Doch die Empörung über das laute Nachdenken über Zwangssterilisationen auf dem sehr diversen Kontinent Afrika ist berechtigt. Frank Thelen ist nicht irgendwer. Er ist ein anerkannter Unternehmer und als ehemaliges Mitglied aus der Jury der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist er eine Person des öffentlichen Lebens.

Die Überlegung, ganze Bevölkerungsgruppen, einen ganzen Kontinent, per Zwang ihre Fruchtbarkeit zu rauben, ist extrem entmenschlichend. Es nimmt den Menschen die Freiheit, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Bemerkenswert ist auch, dass Thelen als großer FDP-Verfechter und -Spender gilt, einer Partei die für möglichst wenige Eingriffe des Staats in das individuelle Leben der Menschen steht. Doch bei Menschen auf dem afrikanischen Kontinent ist eine der größtmöglichen Eingriffe in das individuelle Leben der Menschen vor Ort durchaus denkbar, zumindest noch 2019, zur Zeit der Aufnahme des Podcast. Einmal mehr zeigt sich an Diskussionen wie dieser, dass Menschen mit schwarzer Haut und Menschen aus afrikanischen Staaten in den Augen vieler Weißer nach wie vor als Menschen zweiter Klasse gelten, die es zu beherrschen gilt und über die man bestimmen kann. Diese Denkansätze sind Relikte aus der Sklaven- und Kolonialzeit. Darüber hinaus bedient Thelen mit seinen Äußerungen zu Zwangssterilisationen das rassistische Narrativ, des überpotenten Schwarzen Mannes und der sexuell-willigen Schwarzen Frau – rassistische Stereotype.  

Kuhnke antwortet mit Parodie

Die Comedy-Autorin Jasmina Kuhnke parodierte Thelens Aussagen vergangene Woche auf Twitter und kehrte Thelens Aussage um. Sie schrieb: „Ich finde ja, privilegierte weiße Deutsche sollten sterilisiert werden, um die Umwelt zu schonen!“ Selbstverständlich diene dieser Tweet nur zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Bewertungen solcher Aussagen und stelle nicht ihre Meinung dar, sie wollte nur aufzeigen wie empörend diese Haltung ist, schreibt sie weiter.

Daraufhin brach (mal wieder) eine Lawine rassistischen Hasses über sie hinein. User*innen geben sich empört und sprechen von „Rassismus gegen Weiße“ – den es nicht gibt! Sogleich stürzt sich der rechte Twitter-Mob auf Kuhnke und immer mehr große Accounts steigen in ihrem Hass auf Kuhnke ein. Unabhängig von der Thelen-Debatte schrieb jüngst der Berliner Lokalpolitiker Bernward Eberenz (Freie Wähler) auf Twitter über Kuhnke, sie brauche „vielleicht mal“ eine Massenvergewaltigung, mittlerweile hat er seinen Twitteraccount gelöscht. Anlass war ein Tweet Kuhnkes zu einer Äußerung Manuel Ostermanns. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft hatte ein Video einer Massenvergewaltigung aus Pakistan geteilt und mit den Worten „Was sind das für Affen“ kommentiert. Kuhnke schrieb daraufhin: „Das Polizeiproblem in einem Tweet“ und nannte Ostermanns Äußerung zu recht rassistisch.

Die Aktivistin und vierfache Mutter Jasmina Kuhnke setzt sich unter dem Social Media Synonym „Quattromilf“ seit Jahren unentwegt und entschlossen gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit ein. Anfang des Jahres wurde ihre Adresse mit den Worten „Massakriert Jasmina Kuhnke“ veröffentlicht. Dies zwang sie und Ihre Familie aus der eigenen Wohnung zu fliehen und unterzutauchen. Und auch in der jetzigen Auseinandersetzung bekommt Kuhnke Gewaltandrohungen. Als Schwarze, als Frau und als antirassistische Aktivistin bildet Kuhnke das ideale Hassobjekt der rechten Twitter-Blase. Immer wieder werden einzelne Tweets der Comedy-Autorin aufgegriffen, absichtlich falsch verstanden, skandalisiert und schließlich in einer Empörungsspirale weiterverbreitet. Das Frauenbild der extremen Rechten duldet keine kämpferischen Frauen, sondern will sie in rückständige Rollen drängen. Durch ihre steten Angriffe wollen sie laute Aktivist:innen aus dem Debattenraum drängen, sie wollen sie mundtot machen. Sie können es nicht aushalten, dass eine Schwarze Deutsche nicht müde wird, den innergesellschaftlichen Rassismus anzuprangern.

  

 

 

 

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