Weiter zum Inhalt

Rechtsextreme Parteien Dresden: NPD-Leute prügelten im Landtag

Dass NPD-nahe Kreise gerne schlagende Argumente benutzen, ist hinlänglich bekannt. Jetzt wurde im Sächsischen Landtag sogar fraktionsintern ausgeteilt, meldeten am Mittwoch die Agenturen. Was war geschehen?

 
MUT-Foto: Shirt gesehen in einer Bezirksverordnetenversammlung in Berlin; hk

Eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem seinerzeitigen NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel und dem parlamentarischen Berater Peter Naumann sei eskaliert, sagte ein NPD-Fraktionssprecher am Mittwoch in Dresden. Im Landtagsgebäude sei es bereits am Dienstag zu „Tätlichkeiten“ gekommen, in deren Folge Gansel einen Schlag ins Gesicht erhalten habe.

Das persönliche Verhältnis zwischen Naumann und Gansel sei seit längerem belastet, so der Fraktionssprecher. Worum es bei dem Streit genau ging, wurde nicht mitgeteilt. Die Rede ist von einem „Streit über politische Fragen“. Naumann wurde nach Informationen aus dem Landtag inzwischen als Fraktions-Mitarbeiter entlassen. Der NPD-Fraktionssprecher sagte, zu den Konsequenzen werde man sich nicht äußern, es habe sich jedoch um einen gravierenden Vorfall gehandelt.

„Parteiintellektueller“ gegen „Sprengstoffexperten“

Naumann wurde von der NPD-Fraktion im Dresdner Landtag zuletzt als parlamentarischer Berater beschäftigt. Der im März 2012 Verstorbene galt als ein führender Kopf der radikalisierten rechtsextremen Szene. Ende der 80er Jahre saß er wegen der Herbeiführung eines Sprengstoffanschlages und der Verabredung zu Sprengstoffanschlägen in Haft. Dabei ging es unter anderem um die Sprengung von Fernsehmasten, mit der die bevorstehende Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ verhindert werden sollte.

Gegen den NPD-Landtagsabgeordneten Gansel waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft aktuell gleich mehrere Verfahren anhängig. Dabei geht es unter anderem um Verunglimpfung des Staates, Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz sowie eine Pfefferspray-Attacke vor einer Leipziger Bar. Vorermittlungen gibt außerdem wegen eines Schreibens, in dem der „Parteiintellektuelle“ Gansel nach der US-Präsidentschaftswahl mit rassistischen Sprüchen gegen den Sieger Barack Obama Stimmung gemacht hatte, der als erster Schwarzer ins Weiße Haus einziehen wird.

Die Staatsanwaltschaft Dresden teilte damals mit, sie werde vorerst nicht ermitteln, da bisher keine Strafanzeige erstattet worden sei. Der Fall werde wie eine private Auseinandersetzung oder eine Wirtshausschlägerei behandelt, so Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. (Quellen: APA/AP/standard.at.)

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf dem Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ erschienen (2002-2022).

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

IMG_7570111

„Identitäre Bewegung“ Wie weit reichen Sellners Kontakte zu australischen Neonazis?

Neue Erkenntnisse zum Fall Martin Sellner bringen interessante Details ans Licht: Die auf die Spende des Christchurch-Attentäters an den Chef der österreichischen „Identitären“ folgende E-Mail-Korrespondenz wirft ein bezeichnendes Licht auf die Frage, wen Sellner eigentlich als Teil seiner internationalen Netzwerke betrachtet. Dazu gehören offensichtlich auch überzeugte und zu Terroranschlägen bereite Neonazis aus Australien.

Von
Magdeburg trauermarsch

Neonazidemonstration in Magdeburg „Trauermarsch“ floppt

In Magdeburg marschierten am Samstag (19.01.) etwa 150 Neonazis zu einem sogenannten Trauermarsch auf. Damit dürfte die Teilnehmerzahl der Demonstration, die zum ersten Mal seit 2016 wieder stattfand, hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückgeblieben sein.

Von
2017-12-14-kommentare

Studie Mehr Hasskommentare führen zu mehr Gewalt

In den sozialen Netzwerken entstehen Filterblasen. In denen bestärken sich viele Wutbürger_innen gegenseitig in ihrer Weltsicht, da sie dort meist…

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.