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Rezension Häuser, Parlamente, Finanziers – Die „Neue Rechte“ breitet sich aus

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Cover des Buches "Das Netzwerk der Neuen Rechten" von Christian Fuchs und Paul Middelhoff. (Quelle: Rowohlt-Verlag)

Das Buch „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ ist dabei eine gut lesbare Mischung aus journalistisch-szenischer Reportage und analyiserendem Sachbuch. Immer wieder zahlt sich aus, das Fuchs und Middelhoff als Journalisten vor Ort recherchieren, Gespräche auch mit den Menschen suchen, die sie hier beschreiben – auch wenn viele später ihre Einwilligung zum Abdruck von Gesprächsteilen auch wieder zurückziehen. Dies illustriert beispielhaft das ambivalente Verhältnis der sich selbst als „Neue Rechte“ bezeichnenden Gruppierungen zur Presse. Man sucht die Öffentlichkeit zwecks Ideologie-Verbreitung, hasst sie aber auch als „Lügenpresse“, wenn sie nicht die eigene Weltsicht abdrucken möchte. Fuchs und Middelhoff retten sich in diesen Fällen in die Beschreibung, was dem Buch viel Authentizität verleiht, auch wenn offenkundig manche Erkenntnisse unpubliziert bleiben müssen.  Die rechtspopulistische, neurechte und rechtsextreme Szene ist trotzdem sehr unzufrieden mit dem Buch und versucht, mit Anwälten und Internet-Shitstorms die Autoren zu diskreditieren. Die Autoren haben also einiges richtiggemacht.

In den zehn Kapiteln des Buches „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ beschreiben Fuchs und Middelhoff Geschichte und Ist-Zustand der so genannten „Neuen Rechten“, vor allem in Deutschland. Den historischen Teil zur Entwicklung eines Rechtsextremismus, der den Ruch des NS loswerden will, hat man schon an anderer Stelle gelesen, er dient aber auch nur der Einordnung der aktuellen Ereignisse ins politische Gesamtgeschehen. Auch die ausgewählten Protagonisten verschiedener Strömungen sind eher die bereits bekannten Namen: der populistische Publizist Jürgen Elsässer, der sich als Stratege der Szene verstehende Götz Kubitschek, der burschenschaftlich sozialisierte Aktivist Philipp Stein, der auf den Einfluss ins Konservative zielende Publizist Dieter Stein und schließlich Björn Höcke als augenscheinlichster Vertreter neurechter Ideologie in der AfD.

Interessant wird es, wo der Öffentlichkeit eher verborgene Phänomene in den Blick genommen werden: Wo hat die „Neue Rechte“ sich Strukturen wie Häuser und Versammlungsorte geschaffen, und was geschieht dort?  Wer finanziert Aktionen der „Neuen Rechten“, und mit welcher Intention? Welche Verbindungen halten deutsche völkische Nationalisten ins Ausland, und was motiviert sie an Verbindungen nach Russland und in die USA? Auch die Betrachtung, wie durch die AfD Akteure der „Neuen Rechten“ in Bundes- und Landesparlamente gelangen, stellt wichtige Verbindungen dar.

Abgerundet wird das Buch durch Beschreibungen von Aktionsfeldern der „Neuen Rechten“ in Deutschland, etwa wie sie die Kulturlandschaft und Sprache beeinflussen wollen, das Internet für „Meme-Wars“ und Desinformation nutzen oder versuchen, durch strategische Einbindungen von Frauen den eigenen Sexismus so weit zu kaschieren suchen, dass sie trotzdem auch für den weiblichen Teil der Bevölkerung unterstützbar erscheinen, auch wenn das schwerfällt.

Da sich Fuchs und Middelhoff für eine thematische Betrachtung der Szene entschieden haben, kommt es an manchen Stellen des Buches zu Wiederholungen, was aber andererseits dazu führt, dass auch Kapitel verständlich bleiben, wenn sei einzeln gelesen werden. Ein Wehrmutstropfen ist, dass hier – wie im Journalismus noch bisweilen üblich, dennoch aber inhaltlich nicht zielführend – im Buch durchgängig von „Fremdenfeindlichkeit“ die Rede ist, wenn Rassismus gemeint ist (vgl. BTN).

Insgesamt gibt „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ einen guten, kompakten Überblick über die zwischen rechtsextremen und rechtspopulist*innen Organisationen ausdifferenzierte Szene der sogenannten „Neuen Rechten“ und die Versuche ihrer politischen Einflussnahme auf das politische Klima in Deutschland.

Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten. Wer sie lenkt, er sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Reinbeck 2019. Rowohlt-Verlag, 282 Seiten, 16,99 Euro

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