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Buchtipp Heimatklänge

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Die beiden rechten Rapper Chris Ares (l.) und Kai Alexander Naggert (r.) (Quelle: BTN, YouTube)

Der lyrische Sehnsuchtsort der Romantik, erzählt Timo Büchner in seinem soeben erschienenen Buch „Der Begriff ‚Heimat‘ in rechter Musik“, hat sich gewandelt in einen Platz, der besessen, umkämpft und zugangsbeschränkt werden muss. Dies ist das eine Bild: die exklusive Heimat. Dagegen stellt Büchner das inklusive Zuhause, das nicht nur Berge, Wälder und Seen umfasst, sondern die Menschen, die uns Geborgenheit vermitteln. An zahlreichen Beispielen zeigt er auf, wie diese Heimaten sich in populärer Musik spiegeln – und was, jenseits künstlerischer und kommerzieller Aspekte, dahinter steckt: Musik als eine wesentliche Komponente der Sozialisation junger Menschen. Und als Transportmittel für politische Ideen, als gemeinschaftsstiftendes, emotional verbindendes Moment. Als Event, besonders auch in Regionen, die großen Veränderungen unterworfen sind. Büchner schlägt einen weiten Bogen von seinem Heimatdorf in Baden-Württemberg bis zum mecklenburgischen Strand und lässt dazwischen verschiedene Bands und Sänger Revue passieren.

Einigen tonangebenden rechten Musikern geht er dabei im Detail auf die Spur. Wo sind sie musikalisch verortet? Was transportieren ihre Texte? Was sagen sie jenseits von Konzerten über sich selbst? Rechte Musik, macht Büchner deutlich, bedient eine breite Spanne von Geschmäckern, von Liedermachern bis hin zum Rap – doch sie alle eint eins: Sie tragen zur Normalisierung völkischen Denkens bei. Auch und gerade durch ihre Verwendung des Heimatbegriffs.

Dass dieser Begriff als Trigger so funktioniert, v.a. in einer jungen Hörerschaft, mag just eben daran liegen, dass er nicht traditionell und idyllisch, sondern konfliktgeladen daherkommt, als Kampfbegriff, der die Geister und Zugangsberechtigten scheidet. Wie, das dekliniert Büchner an ausgewählten Protagonisten durch: Die hasserfüllten, mit Drohungen gegen Andersdenkende gespickten Verse sind zuweilen schwer zu lesen – und was noch schlimmer ist: Diese Musik, diese Texte machen einen Teil der täglichen Hörgewohnheiten vieler Jugendlicher aus.

Büchners einführende und seine abschließende Erzählung eines traditionellen und eines sehr modernen Umgangs mit der inklusiven Idee von Heimat rahmen diese Kapitel erholsam ein und setzen der schwierigen Lektüre einen mutmachenden Kontrapunkt: Heimat, eine Einladung und Ermunterung zur Freundlichkeit.

 

Timo Büchner: „Der Begriff ‚Heimat‘ in rechter Musik. Analysen, Hintergründe, Zusammenhänge.“ Wochenschau Verlag, Frankfurt 2019

 

 

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