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Rom Drei Kinder verbrennen bei Brandanschlag nach roma-feindlichen Drohungen

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Symolbild Rom: Kolloseum. (Quelle: Riccardo Cuppini / Flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0)

 

 

In der Nacht vom 9. Auf den 10. Mai wirft ein Unbekannter einen Molotow-Cocktail in einen Wohnwagen in Rom. Darin schläft eine Roma-Familie. Acht Familienmitglieder können sich retten. Drei Schwestern – 4, 8 und 20 Jahre alt – verbrennen bei lebendigem Leib. Auf einem Video sei zu sehen, wie die Person gegen 3:20 wirft und danach flüchtet. Das parkende Wohnmobil im Stadtteil Centocelle brennt daraufhin vollständig aus. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln nun wegen vorsätzlicher Tötung. (FAZ,  Spiegel)

Nach italienischen Medienberichten sei es im Vorfeld der Brandlegung gegenüber der Familie zu rassistischen Drohungen gekommen. Solidarische Proteste in Rom sind nun die Folge. Auch der Verein „21 Luglio“ (dt. 21. Juli), der in Italien immer wieder Gewalt gegen Roma und Sinti anprangert, schickte Beileidsbekundungen. (rdlhna)

 

Antiziganismus in Europa

Acht bis zwölf Millionen Roma leben in Europa und sind laut „Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA)“, „die am stärksten diskriminierte Gruppe in Europa“ . Die alltäglichen, sozialen und politischen Benachteiligung haben zur Folge, dass Angehörige der Minderheit sich in schwierigen sozialen Situationen befinden und oft oder der Zugang zu Bildungseinrichtungen verwehrt bleibt. Romani Rose, vom Deutschen Zentralrat der Sinti und Roma, kritisiert deshalb, dass eine „vorgebliche ‚besondere Lebensweise‘ oder ‚traditionelle Kultur‘, für die Situation der Roma verantwortlich gemacht werde. „Auf diese Weise wird die Minderheit für ihren Ausschluss von einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe selbst verantwortlich gemacht und soziale und ökonomische Probleme, die strukturell bedingt sind, werden kulturalisiert.“ (bpb )

In Deutschland bildete vor allem die Brandanschlagsserie in den 1990er Jahren in Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen den furchtbaren Höhepunkt des Antiziganismus. Gewaltsame Übergriffe und Attacken spitzen sich auch in jüngster Zeit immer weiter zu: „Angefangen bei Beleidigungen …bis hin zur Verfolgung und Ermordung durch extreme Gruppierungen: In Ungarn, Tschechien und Bulgarien kommt es derzeit zu progromartigen Ausschreitungen gegen Roma[.] Faschisten sammeln sich in Roma-Siedlungen, demonstrieren, randalieren und hetzen gegen die Bewohner.“ Dies berichtet Sina Laubenstein 2013 für belltower news.

 

Die Situation in Italien

Der Mord an drei Kindern ist eine grausame Nachricht  aus Italien. Aber es ist nicht die erste Gewalttat gegen Roma. Viele der rund 170.000 in Italien lebenden Roma wohnen seit den Jugoslawienkriegen in formellen und informellen Siedlungen. So auch die ums Leben gekommenen Opfer. Sie sind – wie auch im restlichen Europa – immer wieder mit Ausgrenzung und gewalttätigen Übergriffen konfrontiert.

Ebenfalls in Rom gerieten 2007 – nach einem Mord an einer italienischen Frau – Roma, die aus Rumänien zugewandert waren, unter Generalverdacht. Als Reaktion kündigte die italienische Regierung Massenabschiebungen an, auch wegen geringfügiger Delikte.  Im gleichen Jahr starben bei einem Brand in einem Roma-Lager in Livorno vier Kinder. Vorwürfe festigen sich gegen den damaligen Bürgermeister Gianni Alemanno: er habe sich in Wahrheit „mehr damit befasst, sogar reguläre Lager zu räumen, als soziale Notstände anzugehen wie in der vom Brand betroffenen illegalen Mini-Siedlung.“

2010 begannen die italienischen Behörden, gemäß einem „Nomaden-Notstandsplan“, rund um die Hauptstadt Roma-Camps zu räumen. Ziel: die illegale Vertreibung von 7.200 Menschen aus ihren Siedlungen.  Auch 2011 wurde von einer gezielten Brandstiftung von einer Romasiedlung in Turin berichtet.  Rund hundert Demonstranten attackierten die Anwohner mit Knüppeln, Steinen und Brandsätzen. Sie verwüsteten das Gelände und zündeten Autos und Hütten an. Und nach einer Diebstahl-Serie fordert Roms Bürgermeister 2014 einen Sonderbus für die in der Region lebenden Roma. Apartheids-Vorwürfe werden nicht nur in den eigenen politischen Reihen laut.

Neben den tatsächlichen gewalttätigen Überfallen und Demütigungen müssen Roma in Italien also auch seitens der Politik oft unangemessene und stark erniedrigende Reaktionen dulden.

Aktueller Ermittlungsstand

Welches Motiv sich hinter dem Tod der drei Mädchen verbirgt, wird aktuell ermittelt. Aber auch hier finden sich Schilderungen beschämender Reaktion. Ein Graffiti mit dem Spruch „3 Roma weniger“ tauchte kurz nach der Tat an der Mauer in der Nähe des Brandortes auf, daneben war ein Hakenkreuz gemalt. Europarat und OSZE fordern die italienischen Behörden zu korrekten Ermittlungen und raschem Opferschutz auf. Virginia Raggi, Roms Bürgermeisterin und Mitglied der umstritten populistischen Partei „ Movimento 5 Stelle “ (dt: „5 Sterne-Bewegung“), reagiert nun auf ihre Weise: Die Roma-Siedlungen sollen zwangsgeräumt werden. (rdl)

 

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Mehr Infos im Netz:

Antiziganismus WatchblogThemenseite Antiziganismus der ZAGBundeszentrale für politische Bildung

 

Das Foto wurde auf Flickr.com veröffentlicht und steht unter der Lizenz CC BY-NC-ND 2.0.

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