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Schülersprecher.info Die NPD-Jugend und ihre selbsternannte „Schulhofrebellion von rechts“

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(Quelle: BTN)

Im thüringischen Mechterstädt, im mecklenburg-vorpommerschen Anklam, im sächsischen Leising, in Berlin-Pankow, im hessischen Hofheim und Kassel, in Braunschweig und in einigen anderen Städten finden sich in der Nähe von Schulen vermehrt Propaganda-Sticker der „Jungen Nationalisten“ (JN), der Jugendorganisation der NPD. Ihr neuestes Projekt „Schülersprecher.info“ richtet sich an junge Menschen. Auf der Website von „Schülersprecher.info“ wird kostenloses neonazistisches Propaganda-Material angeboten – und eine „Schulhof-CD 2.0“. 

„Schülersprecher.info“: Rechtsextremes Angebot für die Jugend

Das neueste Projekt aus dem braunen Hause NPD nach der „Schutzzonen-Kampagne“ startete im Oktober 2018 mit dem Ziel, die Juniorwahlen, die in 227 hessischen Schulen stattfand zu unterwandern, wie „IG Stopp Missbrauch“ schrieb. Mindestens seit Juni 2019 komm auch wieder der „Plüschhirsch“ zu Propaganda-Zwecken zum Einsatz. Das Plüschtier stand im Mittelpunkt einer NPD-Kampagne von 2014. In dem Hirschkostüm warb die JN in Sachsen um junge Menschen. Vordergründig sollte es damals um eine groß angelegte „Anti-Drogen-Tour“ handeln, schlussendlich ging es dabei jedoch nur um die Verbreitung der üblichen Wahlkampfzeitschriften in Schülerkreisen – genau wie in dem neuesten Projekt. 

Der Plüsch-Hirsch

Neonazis wollen bei „Fridays for Future“ mitmischen

Bei „Schülersprecher.info“ geht es vordergründig um antikapitalistischen Protest – und um den menschgemachten Klimawandel. Klingt zunächst einmal überraschend, dass nun auch die jungen Neonazis der NPD dieses Thema aufgreifen. Letztendlich bewegt das Thema Klimawandel momentan jedoch zahlreiche junge Menschen, so erhoffen sich die JN-Aktivist*innen wohl Sympathien und Wählerstimmen in der jungen Wählerschaft. Außerdem: Die konkurrierende rechtsextreme „Jugendbewegung“ der sogenannten „Identitären Bewegung“ behandelt dieses Thema eher stiefmütterlich. Daher versucht die JN nun wohl dieses in der rechtsextremen Szene noch nicht groß bearbeitete Thema zu besetzen. Wenige Tage vor der Europawahl drängten sich dann auch Neonazis mit einem Banner von Schülersprecher.info auf eine „Fridays for Future“-Demonstration in Erfurt.

Das scheint es dann aber auch mit „spektakulären“ Aktionen aus diesem Umfeld gewesen zu sein. Der weitere Protest gegen den Klimawandel, die „Multi-Kulti-Kloaken“, „die von Menschen initiierte Umvolkung und die Neuordnung der globalen Machtverhältnisse“ findet dann in Form von Sticker-Klebe- und Kreide-Mal-Aktionen in der Nähe von Schulen statt. 

Laut der Facebook-Seite, die mittlerweile nicht mehr existiert, ist der JN-Vorsitzende Christian Häger für die Seite verantwortlich. 

Christian Häger bei einer Neonazi-Demonstration 2019 in Chemnitzstick

 

 „Schulhof-CD 2.0“

Gefährlich ist jedoch eine kostenlos angebotene CD auf der Website von „Schülersprecher.info“. Wer auf den Link klickt, wird zu einer kostenlosen Datenversand-Seite weitergeleitet. Die Musik-Dateien auf der Versandseite wurden jedoch mittlerweile gelöscht. Möglicherweise stößt die Hass-Musik von „Flak“, „Lunikoff“, „Blutlinie“ auf nicht viel Zuspruch bei der angesprochenen Zielgruppe. Und dabei ist die Schülersprecher.info-CD eher eine Mogelpackung: handelt es sich hier schließlich um die „Schulhof-CD – [Re]Generation: Europa“ vom Oktober 2018, die sich allerdings schon damals als Flopp erwies

Das Verteilen von kostenlosen CDs auf Schulhöfen war eine Werbeaktion der militanten Freien Kameradschaften im Jahr 2004, die wenig später von der NPD aufgegriffen wurde. Rechtsextreme verteilten kostenlose Musik-CDs mit rassistischen und antisemitischen Rechtsrock-Texten. Sie erhofft sich davon, insbesondere junge Menschen ansprechen zu können und sie auf jugendgerechte Weise mit ihrer menschenverachtenden Ideologie vertraut zu mache. Strafrechtlich relevant waren die von der NPD herausgegebenen, so genannten Schulhof-CDs allerdings nicht. 

 „Schulhof-CD 2.0“ ist ein Flopp

Der erhoffte Effekt der „Schülersprecher.info-CD“ scheint jedoch gleich Null zu sein, schließlich ist sie im Netz nicht mehr auffindbar. 

Was tun?

Sollten an Ihrer Schule diese extrem rechten Medien auftauchen, empfiehlt sich, die vorgebrachten politischen Positionen der Partei offensiv aufzugreifen und fächerübergreifend zu thematisieren.

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