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Übergriffe auf dem Oktoberfest Rassismus, Sexismus und Homofeindlichkeit als  deutsche Leitkultur? 

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Übergriffe auf dem Oktoberfest

Ende September hieß es wieder „O’zapft is!“. Am 21. September startete in München das 186. Oktoberfest auf der Theresienwiese. Auf dem weltweit größten Volksfest geht es zwei Wochen um bunte Fahrgeschäfte, verzierte Lebkuchenherzen und bayerische Trachten. Gleichzeitig ist es eine Zeit des Exzesses, des Rausches und einer inszenierten Männlichkeit. Und so gehören sexuelle, rassistische und homofeindliche Übergriffe leider ebenso zum Wiesn-Spektakel wie Maßkrüge voller Bier. Jüngst wurden zwei Männer ins Krankenhaus geprügelt, nur weil sie Arm in Arm über die Wiesn liefen. 

Sexuelle Übergriffe

Alleine am ersten Oktoberfestwochenende wurden der Polizei 25 Sexualdelikte gemeldet. Doch dabei dürfte die Zahl der nicht von der Polizei aufgenommenen Straftaten deutlich höher sein. Immer wieder werden Frauen auf dem Oktoberfest belästigt, begrapscht und genötigt. Und immer noch sprechen viel zu viele Menschen von „Kavaliersdelikten“ oder gar von „flirten”. Doch genauso wie rassistische Gewalt beim Namen genannt werden muss, gilt das auch für sexualisierte Gewalt.  

Hier einige ausgewählte Fälle von sexualisierte Gewalt auf dem Oktoberfest 

Am Montag den 23. September hielt ein Mann eine 28-jährige koreanische Touristin fest und wollte sie möglicherweise vergewaltigen. Als ein Security-Mitarbeiter das bemerkte, ergriff der Mann die Flucht. In der Nacht auf Dienstag beobachteten Polizist*innen in Zivil einen Mann, der sich im Biergarten eines Wiesn-Zelts „onanierend“ einer 25-Jährigen aus der Oberpfalz näherte. Die Polizei nahm den 26-Jährigen aus dem Landkreis Eichstätt vorübergehend fest. Am Sonntag, den 29. September vergewaltigte ein 26-Jähriger auf dem Nachhauseweg vom Oktoberfest eine 29-jährige Norwegerin. In Richtung Vergewaltigung auf dem Oktoberfestgelände ermittelt die Münchner Polizei derzeit in drei Fällen, so der BR

Rassistische Vorfälle auf dem Oktoberfest

Aber auch rassistische und homofeindliche Beleidigungen und Übergriffe finden hier statt. Eine kleine Übersicht: 

„Die scheiß Ausländerin hat mir gar nichts zu sagen, sie soll in ihr Land zurück“

Montagnacht, am 30. September, saß ein 19-Jähriger an der Bar im Außenbereich eines Festzeltes und beleidigte eine 26-jährige Münchnerin mit Migrationshintergrund mit den Worten „Die scheiß Ausländerin hat mir gar nichts zu sagen, sie soll in ihr Land zurück“. Auf Nachfrage der Angesprochenen wiederholte er diese Aussage und sie gab ihm daraufhin eine Ohrfeige. Ein Begleiter der Frau ging dazwischen. 

Burschenschaftler sollen „Sieg Heil!“ und „Asylanten, Hurenkinder“ gegrölt haben

Am Sonntagnachmittag, den 29. September, soll laut Augen- und Ohrenzeug*innen eine Handvoll junger Männer im Schottenhamel-Zelt rechtsextreme Parolen gegrölt haben, berichtet die Süddeutsche. Durch ihre Aufmachung seien sie als Burschenschaftler erkennbar gewesen sein. Die etwa Zwanzigjährigen hätten dort auf dem Tisch stehend „Sieg Heil!“ und „Asylanten, Hurenkinder“ geschrien. Die Polizei hat allerdings keine Kenntnisse über diesen Vorfall. 

SS-Rune bei einem Italienischen Tourist 

Am Samstag, den 28. September fiel ein 35-jähriger Italiener mit einem Tattoo auf der Wiesn auf, das einen Reichsadler sowie zwei Siegrunen abbildet. Der 35-Jährige gab an, dass es sich bei dem stilisierten Adler um das Symbol des Fußballvereins Lazio Rom handeln solle. Tatsächlich ist der Adler das Wappentier der Società Sportiva („S.S.“) Lazio. Die Gestaltung der Buchstaben als SS-Abzeichen gehört jedoch nicht zum Erscheinungsbild des Vereins – wohl aber zu dem einiger berüchtigter Fan-Gruppen, die sich aus dem rechtsextremen Lager rekrutieren und zum Teil als gewaltbereit und antisemitisch gelten, so die Süddeutsche. Das Tattoo wurde schließlich mit einem Pflaster abgedeckt.

17- und 18-Jährige rufen „Heil Hitler“

Nur wenig später am selben Tag bemerkte eine Polizei-Einsatzgruppe in der Nähe des Haupteingangs einen 17-Jährigen und einen 18-Jährigen (beide Münchner), die mehrmals „Heil Hitler“ riefen. Bei der anschließenden Festnahme beleidigte der 18-Jährige die eingesetzten Polizeibeamten auf üble Art und Weise. 

Zwei Männer laufen Arm in Arm über das Oktoberfest und werden ins Krankenhaus geprügelt

Am Mittwoch, den 25. September kam es zu einem brutalen homofeindlichen Angriff auf der Wiesn. Weil zwei Männer Arm in Arm über das Gelände liefen, wurden sie von einer zehnköpfigen Gruppe beleidigt und krankenhausreif geprügelt. Ein 22-jähriger Münchner war zusammen mit einem 23-jährigen Münchner und zwei ebenfalls 22-jährigen Bekannten auf dem Oktoberfest gewesen. Als die Vierergruppe das Festgelände verlassen wollten, trafen sie auf die zehnköpfige Personengruppe. 

„Sie nannten uns ‚Schwuchteln’“, wird Paul, der 23-jährige Gastronom von dem Boulevardblatt BILD zitiert. „Wir sagten: ‚Spinnt ihr? Was seid Ihr für Homophobe?‘ Dann hatte ich schon eine Ohrfeige – links und rechts! Es ging blitzschnell.“ Der 23-Jährige wollte flüchten, wurde jedoch von dem 30-Jährigen Angreifer eingeholt und zu Boden geworfen und getreten, sein Begleiter mit Fäusten auf den Kopf geschlagen. „Ich habe meine Arme um meinen Kopf gelegt. Er hat auf mich eingetreten. Ich hatte Panik!“, so Paul gegenüber der BILD. 

Weil der Security-Mitarbeiter eine Frau abwies, beleidigt sie ihn mit „Du scheiß schwarzer N****“

Am Donnerstag, den 26. September, versuchte eine 28-Jährige trotz mehrmaligem Abweisen an einem 25-Jährigen Security-Mitarbeiter vorbeizukommen. Der versuchte den Gang in der Zeltmitte für Servicekräfte frei zu halten. Nach den steten Abweisungen beleidigte die 28-Jährige den Mitarbeiter schließlich mit den Worten: „Du scheiß schwarzer N****“. 

Aufgrund der Beleidigung kam es zwischen der Rassistin und dem Beleidigten zu einer Rangelei, in dessen Verlauf die Frau zu Boden ging. Der 28-Jährige erstattete Anzeige wegen Beleidigung, die 25-Jährige erstattete wiederum Anzeige gegen den Security-Mitarbeiter. 

Erst wurde einer 18-Jähriger rassistisch beleidigt, dann bringt er die Angreifer zu Boden

Bereits am ersten Wiesn-Samstag, 21. September, kam es zu einem rassistischen Vorfall, zwischen zwei 21-Jährigen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck sowie einem 18-jährigen Münchner. Die beiden 21-Jährigen beleidigten den Münchner wegen dessen dunkler Hautfarbe und verletzen ihn mit einer Ohrfeige. Daraufhin schlug der 18-Jährige dem 21-jährigen Angreifer ins Gesicht. Als der zweite 21-Jährige dazwischen gehen wollte, schlug auch ihm der 18-Jährige ins Gesicht, so dass dieser zu Boden ging. Die beiden 21-Jährigen wurden wegen Beleidigung und Körperverletzung angezeigt, der 18-Jährige wegen Körperverletzung.   

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