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Verachtendes Verständnis? Rechte Reaktionen auf den Rückzug von Chris Ares 

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Chris Ares und der Mischwald. (Quelle: Sreenshot Instagram)

Der rechtsextreme Rapper Chris Ares, mit bürgerlichem Namen Christoph Aljoscha Zloch, zieht sich aus dem Musikgeschäft zurück. Für seine Fans und für die Szene ist das ein Paukenschlag. So entwickelte sich Zloch, der der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ nahesteht, zum Vorzeigemusiker der sogenannten „neuen” Rechten. Das vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingeordnetee „Compact-Magazin“ zeichnete ihn im November 2019 als „Held des Widerstands“ aus und widmete ihm die Titelstory.

Zloch erlebte in den letzten Jahren einen auch kommerziellen Erfolg, der aber in diesem Jahr ein abruptes Ende fand, als mehrere Streaminganbieter und Musikplattformen Zloch von ihren Seiten entfernten. Seine Musik verschwand dadurch zwar nicht endgültig von den Plattformen, allerdings verlor Zloch die Möglichkeit damit Geld zu verdienen. Es blieben ihm seine Social-Media-Kanäle, auf denen er weiterhin seine Ideologie verbreiten konnte, dies aber mit deutlich weniger Reichweite und ohne finanziellen Vorteil. (vgl. Belltower.News)

Zlochs Ideologie ist völkischer Natur und basiert auf dem sogenannten „Ethnopluralismus“, d.h. der Überzeugung, dass „Völker” einzig in ethnischer Homogenität in Frieden leben können. Damit verbunden ist die immer wieder auftauchende Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“, nach der Regierungen und/oder „geheime Mächte“ daran arbeiteten, die kritische, einheimische (völkisch-rassistisch definierte) Bevölkerung auszutauschen gegen eine Bevölkerung aus Migrant*innen, die leichter zu lenken sei. Zloch selbst spricht bei seiner Musik häufig von „Metapolitk“, ein zentraler Begriff im Umfeld der „Identitären Bewegung“ und der „neuen” Rechten, der eine kulturelle Revolution von rechts meint.

In seinem wenig aussagekräftigen Statement begründet Zloch seinen Rückzug mit dem „härteste[n] Kampf überhaupt; die knallharte, ehrliche Reflexion seines Selbst“ und dass er sich einfach verändert hätte und jetzt einen neuen Weg gehen müsse, da der bisherige nicht der richtige sei. 

Das Statement umweht ein Hauch von Aussteigergefühl, aber über die wahren Beweggründe lässt sich nur mutmaßen. Ob ihm bewusst geworden ist, dass sein kommerzieller Erfolg und damit seine wirtschaftliche Existenz in Gefahr sind, da Musikplattformen mehr und mehr begreifen, dass nationalistischem und rechtsextremem Inhalt besser keine Plattform geboten wird? Auch der zunehmende Gegenwind aus der breiten Öffentlichkeit könnte eine Rolle gespielt haben. Zloch bewegte sich stets an der Grenze des Sagbaren, aber über die Jahre ist sein völkisches und rechtsextremes Denken offensichtlicher geworden und wurde dementsprechend benannt. So konnte er in zwar in den Mainstream schnuppern, sich aber nicht festsetzen.

Verachtendes Verständnis

Die rechte Szene reagierte vor allem enttäuscht und frustriert auf das Ende der „Kunstfigur Chris Ares“. Der rechtspopulistische YouTuber und Publizist Roman Möseneder schreibt auf Twitter, er fände es schade, wenn Leute von Kollektiv und Standhaftigkeit sprechen, aber dann aus persönlichem Befinden den Widerstand aufgeben würden. Außerdem lasse Zloch tausende Jugendliche zurück, die ihn als Vorbild betrachtet hätten und er würde seine Reichweite aufgeben. Der Nachwuchsaktivist unterstellt Zloch Schwäche: im Sinne der völkischen Ideologie die Höchststrafe.

Wenigstens wird sich in der rechten Szene noch bedankt.

Der rechtsextreme Schweizer Politiker Ignaz Bearth hat Verständnis für Zloch, da er sich ebenfalls als rechter Aktivist Repressalien ausgesetzt sähe und das einem zusetze. Dass die Repression in Zusammenhang mit der Verbreitung von rassistischem und demokratiefeindlichem Gedankengut steht, wird dabei natürlich ignoriert. Bearth zeigt sich zudem zuversichtlich, dass Zloch wieder zurückkommen werde, sobald er merke, dass der politische Kampf noch nicht zu Ende sei und es durch einen Rückzug nicht besser würde.

Martin Sellner, einer der Köpfe der „Identitären Bewegung“, sieht hingegen ausgerechnet einen Artikel von Belltower.News als einen der entscheidenden Momente für Zlochs Rückzug. In einem YouTube-Livestream sagt Sellner: „Ich glaube eine der schlimmsten Enttäuschungen für ihn [Chris Ares] war dieser Artikel von Belltower, ein hämischer Antifa Titel: ‚Niemand will Chris Ares, nicht mal die AfD‘.“

Zloch war im Juli mit seinem Vorhaben gescheitert, im sächsischen Bischofswerda ein „patriotisches Jugendzentrum“ zu eröffnen. Der Stadtrat von Bischofswerda hatte sich geschlossen gegen das Vorhaben ausgesprochen. Nicht einmal die fünf Ratsmitglieder der rechtsradikalen AfD wollen den Rechts-Rapper offenbar in der Stadt willkommen heißen. 

Martin Sellners Analyse feat. Belltower.News

In den Reaktionen zeigt sich, dass die Szene darum bemüht ist, Verständnis zu zeigen und Zloch Rückzug mit Repression des Staates und dem Handeln politischer Gegner*innen zu begründen. Damit wird einerseits der Rückzug politisch für die eigene Sache genutzt, andererseits aber versucht Zlochs „Vermächtnis“, seine Musik, für die Szene zu erhalten.

Allerdings zeigt sich besonders in Möseneders Tweet, aber auch in anderen Stimmen, die wirkliche Haltung gegenüber Zlochs Rückzug: Verachtung. Rechtsextremistische Ideologie duldet keine Schwäche und kein Einknicken, sondern betrachtet dieses Verhalten als minderwertig. Deswegen wird Christoph Zloch wohl kaum Ikone oder Vorbild der Szene bleiben.

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