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Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin 2016 AfD bei 14,2 Prozent, in allen Parlamenten vertreten

Am Sonntag, den 18.09.2016, war die Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin. Auch hier konnte die AfD zahlreiche Stimmen gewinnen, kommt insgesamt auf 14,2 Prozent der Zweitstimmen und fünf Direktmandate. Während die Mitte der Stadt demokratisch, weltoffen und vielfältig wählt, offenbaren die oft weniger multikulturell besiedelten Ränder der Stadt, dass auch hier menschenfeindliche Positionen punkten konnten, wo der positive Kontakt zu Vielfalt fehlt. 

 
Dies ist die Facebook-Seite des AfD-Kandidaten Kay Nerstheimer, der in Lichtenberg direkt gewählt wurde: Kreuzritter-Foto, zähnefletschende Wölfe als Crew ("Umgibt Dich mit Leuten, die dasselbe Ziel haben wie Du") und das Posting zeigt das Diskussionniveau, dass offenbar bei Berliner AfD-Wähler_innen ankommen. (Quelle: Screenshot Facebook, 19.09.2016)

 

Das Ergebnis der Wahl des Abgeordnetenhauses:

SPD 21,6 % = 38 Sitze (2011: 47)CDU 17,6 % = 31 Sitze (2011: 39)Die Linke 15,6 % = 27 Sitze (2011: 19)Die Grünen 15,2 % = 27 Sitze (2011: 29)AfD 14,2 % = 25 Sitze (2011: 0)FDP 6,7 % = 12 Sitze (2011: 0)Piraten 1,7 % = 0 Sitze (2011: 15)NPD 0,6 %  = 0 SitzePro Deutschland 0,4 % = 0 Sitze 

Wahlbeteiligung: 66,9 % (2011: 60,2 %) 

Wahl der Bezirksverordnetenversammlung 

AfD erhält 13,6 % der Gesamtstimmen, sitzt in allen 12 BezirksverordnetenversammlungenPro Deutschland erhält 0,6 % der GesamtstimmenNPD erhält 0,4 % der Gesamtstimmen

5 AfD-Kandidaten wurden direkt gewählt

Kay Nerstheimer – 26 % der Erststimmen – Wahlkreis Lichtenberg 1Gunnar Lindemann – 30,6 % –  Marzahn-Hellersdorf 1Jessica Bießmann – 29,8 % – Marzahn-Hellersdorf 3Frank Scholtysek – 23,8 % – Treptow-Köpenick 3Christian Buchholz – 22,4 % – Pankow 1

Interessant dabei vor allem Kandidat Kay Nerstheimer. Der wollte, aus Bundeswehr-Kreisen kommend und damals noch Mitglied bei der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“, im Jahr 2012 die islamfeindliche „German Defence League“ zu einer militanten Terrororganisation umbauen, weil er sich im Krieg gegen den Islam wähnte. Auch sein heutiges Facebook-Profil (siehe oben) beinhaltet noch die Kreuzritter-Symbolik, die die „German Defence League“ nutzt (vgl. ausführlichen Bericht mit Screenshots bei Publikative.org.). 

Wo kommen die AfD-Wähler_innen her?

69.000 waren 2011 Nichtwähler_innen39.000 waren 2011 CDU-Wähler_innen24.000 waren 2011 SPD-Wähler_innen12.000 waren 2011 Piraten-Wähler_innen12.000 waren 2011 Die Linke-Wähler_innen4.000 waren 2011 Grünen-Wähler_innen

Kurzum: Rassistische und elitenfeindliche Ressentiments punkten unter Anhänger_innen aller Parteien, in der Mitte der Gesellschaft. 

Wo sind die AfD-Hochburgen?

Die meisten Wähler hatte die AfD im Osten Berlins, vor allem im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Kaum woanders in der Hauptstadt sind so viele Menschen von Sozialhilfe abhängig. Im dortigen Wahlkreis 1 holte sie mit 23,6 Prozent ihr bestes Ergebnis. Sechs Mal wurde die Partei stärkste Kraft, in fünf Wahlkreisen gewannen ihre Kandidaten das Direktmandat. Ebenfalls stark ist sie in Treptow-Köpenick (20,5 %), Lichtenberg (19 %) und Teilen von  Pankow (bezirksweit 13,8 %, in einigen Wahlkreisen über 22 %). Aber auch der „abgehängtere“ Westen ist dabei: in Reinickendorf bekam die AfD 16,4 % der Zweitstimmen, in Spandau (16,6 %). In den zentralen Stadtteilen Berlins konnte die AfD nicht punkten. 

Quellen:

https://www.wahlen-berlin.dehttp://interaktiv.morgenpost.de/waehlerwanderung-berlin-2016/http://berlinwahlkarte2016.morgenpost.de/https://www.welt.de/politik/deutschland/article158242267/Sehen-Sie-die-Hochburgen-der-Parteien-in-Berlin.html

 

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